Pflegekrise für Beatmungspatienten: Wer kümmert sich um die Schwächsten?
Ein Blick auf die Herausforderungen der Beatmungspflege in Wien: Kosten, Versorgungslücken und innovative Lösungen für Patienten.

Pflegekrise für Beatmungspatienten: Wer kümmert sich um die Schwächsten?
In Österreich stehen Menschen, die auf invasive Beatmung angewiesen sind, vor großen Herausforderungen. Laut dem Kurier benötigen diese Patienten rund um die Uhr spezialisierte Pflegekräfte, um lebensgefährliche Situationen wie den Erstickungstod zu vermeiden. Offizielle Kosten für die Beatmung belaufen sich auf etwa 2000 Euro pro Tag, doch die tatsächlichen Ausgaben können oft das Doppelte oder Dreifache dessen erreichen. Pro Jahr summieren sich die Kosten so auf bis zu einer Million Euro pro Patient.
Aktuell wird in Österreich geschätzt, dass zwischen 500 und 3000 Personen mit einem Tracheostoma leben, die über eine Kanüle beatmet werden. Allerdings raten Ärzte häufig von dieser Maßnahme ab, weil sie Sterben als die bessere Option ansehen. Eine aktuelle Studie der Berliner Charité gibt Hoffnung: Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) leben im Durchschnitt sieben Jahre länger, wenn sie beatmet werden, statt nur drei Jahre, wie es ohne die Beatmung der Fall wäre. Es gibt sogar Berichte über Betroffene, die trotz ihrer Erkrankung ein normales Arbeits- und Reiseleben führen können.
Pflege und Situation in Wien
In Wien haben sich vier Pflegefirmen auf die Heimbetreuung von Beatmeten spezialisiert und bieten maßgeschneiderte Dienste an, wobei die Stundensätze zwischen 60 und 100 Euro variieren. Dennoch gibt es immer wieder Berichte über unzureichende Pflege und die problematische Entlassung von Patienten, oft ohne angemessene Nachbetreuung. So kam es, dass ein Patient nach seiner Einlieferung in ein Krankenhaus nicht mehr abgeholt wurde und andere über Jahre hinweg in Intensivstationen „geparkt“ wurden.
Die Wartezeiten für Plätze in professionellen Heimen können bis zu zwei Jahre betragen, was für viele Betroffene die Situation noch schwieriger macht. Rund 100 Patienten leben derzeit in solchen Einrichtungen, während hunderte andere unterversorgt sind und sich selbst um ihre Pflege kümmern müssen. Besonders in der Steiermark können Patienten ein persönliches Budget beantragen, um die Pflege selbst zu organisieren. Das wirft die Frage auf: Ist es an der Zeit, die Regelungen zur Pflege nachhaltig zu verbessern?
Herausforderungen der Beatmung
PD Dr. med. habil. Martin Winterholler weist darauf hin, dass die Notwendigkeit der Beatmung in speziellen Klinikzentren festgestellt wird, und die Diagnostik umfassende Untersuchungen wie Lungenfunktionsprüfungen und Blutgasanalyse erfordert. Ursprünglich stand die nicht-invasive Beatmung im Fokus, doch invasive Methoden wie die Tracheostomie sind für viele Patienten unumgänglich, auch wenn sie häufig mit einer Lähmung der Willkürmuskulatur und unerwarteten Todesfällen aufgrund autonomer Dysregulation verbunden sind, wie im Artikel von dgm.org erläutert wird.
Die Situation dieser Patienten wird weiter erschwert durch bürokratische Hürden, die beispielsweise Dragan V., ein ALS-Patient, kämpfend erlebt. Rita Fussenegger plant, Beatmungs-Wohngemeinschaften zu gründen, die sich an erfolgreichen deutschen Modellen orientieren. Ob solche Initiativen zukunftsträchtige Lösungen bieten können, bleibt abzuwarten. Darüber hinaus gibt es aktuell eine geheime Arbeitsgruppe, die an Regelungen für die Pflege arbeitet – allerdings ohne die Stimmen der Patientenvertreter, was die Transparenz und Partizipation in einer solch sensiblen Angelegenheit in Frage stellt.
Die Herausforderungen sind also groß, und es stellt sich immer wieder die Frage, wie man den Bedürfnissen dieser vulnerablen Gruppe von Menschen gerecht werden kann. Ein System, das auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten ist, könnte nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, sondern auch ihr Überleben sichern. Die Diskussion um die Qualitätssicherung und eine geregelte Patientenvergabe hat gerade erst begonnen, und es bleibt zu hoffen, dass die verantwortlichen Stellen die Dringlichkeit dieser Themen erkennen. In der Zwischenzeit muss die Gesellschaft aufmerken und handeln, um diesen Menschen ein Leben mit Würde und in Sicherheit zu ermöglichen.