Ein frischer Wind weht durch die Wiener Musikszene! Romana Amerling hat ein bemerkenswertes Album über die vergessene Komponistin Hilde Loewe, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Henry Love, veröffentlicht. Diese beeindruckende Frau, geboren 1895 in Wien, war nicht nur eine außergewöhnliche Pianistin, sondern auch eine gefragte Liedbegleiterin in der Zwischenkriegszeit. Ihre Karriere fand jedoch durch die politischen Turbulenzen der 1930er Jahre ein jähes Ende, als sie aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln gezwungen war, Österreich zu verlassen. Diese Tragik führte dazu, dass Loewe im kollektiven Gedächtnis nahezu verschwunden ist, was Romana Amerling mit ihrem neuen Projekt ändern möchte. Rondo Magazin berichtet, dass Amerling während eines Besuchs im Wien Museum auf Loewe aufmerksam wurde. Fasziniert von deren Schicksal begann sie, deren Werke zu recherchieren.
Die musikalische Entstehung des Albums ist ebenso berührend wie die Geschichte selbst. Amerling hat es geschafft, knapp drei Dutzend Lieder von Loewe zusammenzutragen, die nun musikalisch aufbereitet werden. Viele dieser Stücke lagen nur handschriftlich oder in fragmentarischer Form vor und mussten erst sorgfältig editiert werden. Unterstützung fand sie dabei von Nobuo Watanabe, ihrem Klavierbegleiter, der zusammen mit Amerling und anderen herausragenden Musiker:innen der Wiener Philharmoniker und der Wiener Jazzszene authentische neue Arrangements der Lieder erarbeitete. Diese Vielfalt an musikalischen Stilen reicht von humorvollen und romantischen Stücken bis hin zu Modetänzen wie Tango und Samba. Die Webseite von Romana Amerling informiert, dass diese Aufnahme im Februar 2026 auf dem Wiener Label Supreme Classics veröffentlicht wird und einen ersten umfassenden Überblick über das musikalische Werk von Henry Love bieten wird.
Ein Stück Geschichte
Hilde Loewe, die 1934 Joseph Otto Flatter heiratete, musste aufgrund der politischen Lage in Österreich schnell handeln. Das Ehepaar verließ 1934 das Land und fand in England ein neues Zuhause. Der Weg führte Loewe, die ab 1936 in England eine Arbeitserlaubnis als Pianistin erhielt, auf zahlreiche Konzertreisen. Während dieser Zeit trat sie auch weiterhin in Österreich auf, was ihre tiefe Verbundenheit zur Heimat zeigt. Ihre bedeutendsten Auftritte in England fanden in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkriegs statt. Diese Ereignisse hat das Wien Museum dokumentiert. Hier werden auch die späten Jahre von Loewe erwähnt: Sie trat bis 1971 als Klavierbegleiterin auf und war in beiden Städten, Wien und London, eine angesehene Klavierpädagogin.
Die Melodien von Loewe, und insbesondere ihre Komposition „Das alte Lied“, das 1927 durch Richard Tauber populär wurde, sind unvergessen. Es ist erfreulich zu hören, dass Amerling hofft, dieser großartigen Künstlerin die Bühne zu geben, die sie verdient. Die Beliebtheit von „Das alte Lied“ wuchs über die Jahre, sodass auch namhafte Künstler wie Marlene Dietrich und Freddie Quinn es interpretierten. Sogar Anton Karas spielte es im ikonischen Film „Der dritte Mann“. Auch wenn die Zeit für Hilde Loewe ein unerbittlicher Feind war, schlägt Romana Amerlings Album nun Brücken in die Vergangenheit – und vielleicht gelingt es ihr sogar, die Musik von Henry Love zu einer neuen Renaissance zu verhelfen.