In einer Stadt, die von kultureller Vielfalt geprägt ist, hat Matej Jakic, ein Lehrer und Sprachwissenschaftler, nun das erste umfassende „Ethnolekt“-Wörterbuch Wiens veröffentlicht: „Bin Straßenbahn, wallah“. Dieses Werk bietet einen spannenden Einblick in die facettenreiche Jugendsprache Wiens und verbindet damit akademische Forschung mit persönlichen Erlebnissen. Jakic selbst ist im Jahr 1996 in Wien geboren und hat sich in seiner Masterarbeit intensiv mit ethnolektalen Sprachentwicklungen an einer Wiener Sekundarstufe beschäftigt.

„Bin Straßenbahn, wallah“ ist nicht nur ein Wörterbuch, sondern auch eine Sammlung von Slang-Begriffen, die den Sprachmix der heutigen Jugend widerspiegeln. Wie Heute berichtet, sprechen mehr als die Hälfte der Wiener Bevölkerung neben Deutsch eine weitere Sprache. Bei den Schülern in Wien ist dieser Anteil sogar noch viel höher: Im Schuljahr 2019/20 hatten rund 53% der Jugendlichen eine andere Erstsprache als Deutsch. In den Mittelschulen sind es sogar fast 76% der Schülerinnen und Schüler. Ein klarer Beweis für die multikulturellen Einflüsse, die die Stadt prägen.

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Jugendsprache zwischen Hochdeutsch und Dialekt

Im Alltag wechseln Jugendliche zwischen verschiedenen Sprachregistern – je nach Situation und Gegenüber. Diese Fähigkeit, zwischen Hochdeutsch, Dialekt und ethnolektaler Jugendsprache zu navigieren, zeigt eine bemerkenswerte Sprachbeherrschung. Jakic stellt in seinem Buch fest, dass der Ethnolekt nicht als Verfall der Sprache angesehen werden sollte, sondern vielmehr als Teil eines dynamischen Sprachwandels. Dabei vermischen sich nicht nur Hochdeutsch und Dialekt, sondern auch Englisch, Arabisch, Türkisch und viele Balkan-Sprachen, was neue Ausdrucksformen schafft.

Das Buch enthält interessante Beispiele für Begriffe aus dieser lebendigen Sprachkultur: „Faxen“ steht für Unsinn oder dummes Verhalten, während „Slay“ bedeutet, besonders gut auszusehen oder etwas beeindruckend zu machen. Darüber hinaus werden kulturelle Hintergründe von Begriffen wie „Ehre“, „Habibi“ und „Digga“ erklärt. Diese Wörter spiegeln Identität und urbanes Leben wider und laden Leserinnen und Leser ein, mehr über die sprachlichen Realitäten junger Menschen in Wien zu erfahren.

Ein Blick in die ethnolektale Welt

Jakic präsentierte sein Werk im Wien Museum am Karlsplatz und diskutierte mit einem interessierten Publikum über die Themen Jugendsprache und Mehrsprachigkeit. Das Buch, das im Ueberreuter Verlag veröffentlicht wurde, hat 120 Seiten, ist im Hardcover erhältlich und kostet 17 Euro. Mit der ISBN 978-3-8000-7795-3 können Interessierte das Werk in jedem Buchhandel erwerben.

In einer Stadt mit über zwei Millionen Menschen, die einen Migrationshintergrund aufweisen, ist es umso wichtiger, die sprachlichen Einflüsse zu erkennen und zu schätzen. Jakics „Bin Straßenbahn, wallah“ bietet genau dafür einen gelungenen Ansatz – es verbindet die Schilderungen aus dem Alltag jugendlicher Wiener mit einem kulturwissenschaftlichen Blick auf die sprachlichen und sozialen Dynamiken dieser neuen Generation.