Wien, die Stadt der Museen, Theater und nostalgischen Charme, ist der Schauplatz für den renommierten Schriftsteller Moritz Rinke, der aktuell an den Proben für sein neues Stück arbeitet. In seinen Berichten beschreibt Rinke die Atmosphäre der Stadt als entschleunigt und museumshaft, was ihn an die bürgerliche Welt in Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ erinnert. Während seines Aufenthalts in Wien hat er auch das Wohnhaus von Schnitzler in Währing besucht und reflektiert über die Uraufführung von dessen bekanntestem Werk, „Reigen“, die im Februar 1921 in den Kammerspielen der Josefstadt stattfand.

Diese Premiere führte zu Tumulten und Protesten, da das Stück als „unsittlich“ wahrgenommen wurde. „Reigen“, das aus zehn Dialogen zwischen Mann und Frau besteht, behandelt Themen wie gesellschaftliche Schranken und Doppelmoral und spielt in der Zeit um 1900 in Wien. Die Uraufführung fand ursprünglich am 13. Oktober 1912 in Budapest statt, jedoch folgte die erste vollständige Aufführung mit Zustimmung des Autors erst Jahre später, am 23. Dezember 1920 in Berlin. Diese Aufführung führte zu einem der größten Theaterskandale des 20. Jahrhunderts und einem langanhaltenden Aufführungsverbot bis 1982.

Die Theaterkultur in Wien

Rinke bemerkt, dass das Publikum seiner öffentlichen Generalprobe für das Stück „SOPHIA oder das Ende der Humanisten“ überwiegend aus älteren Menschen besteht. Eine Besucherin äußerte sich negativ über das Werk und bezeichnete es als „saudeppert“, was zu einem Schmunzeln unter den Zuschauern führte. Diese Anekdote spiegelt die lebendige Theaterkultur in Wien wider, die trotz der kritischen Stimmen eine Quelle der Lebensfreude für viele Zuschauer darstellt.

Die Dialoge in Schnitzlers „Reigen“ sind nicht nur eine Erkundung von Sexualität, sondern auch eine scharfe Analyse der gesellschaftlichen Normen der Zeit. Die Charaktere, darunter die Dirne, der Soldat, das Stubenmädchen und der Graf, bewegen sich in einem Reigen von Beziehungen, die durch gesellschaftliche Erwartungen und Doppelmoral geprägt sind. Schnitzler, der oft als literarisches Pendant zu Sigmund Freud betrachtet wird, thematisiert in seinem Werk die Komplexität der menschlichen Beziehungen.

Nostalgie und Einfluss

Rinke beschreibt die Atmosphäre in Wien als nostalgisch und charmant, was die Stadt zu einem idealen Ort für seine kreativen Prozesse macht. Die Reflexion über Schnitzlers Werk und die damit verbundenen skandalösen Reaktionen seiner Zeit geben dem heutigen Publikum einen tiefen Einblick in die Herausforderungen, die Kunst und Theater im Wandel der Zeit durchlaufen haben. Die Relevanz von „Reigen“ bleibt bestehen, nicht nur als literarisches Werk, sondern auch als kulturelles Phänomen, das immer wieder neue Interpretationen und Aufführungen inspiriert.

Heute, am 27. Februar 2026, bleibt Wien ein Zentrum für Kunst und Theater, das durch seine Geschichte und seine lebendige Kultur besticht. Der Einfluss von Schriftstellern wie Arthur Schnitzler und die Auseinandersetzung mit Themen, die auch heute noch relevant sind, zeigen die zeitlose Natur der Theaterkunst. Rinkes Auseinandersetzung mit der Stadt und ihrer Geschichte ist nicht nur eine Hommage an die Vergangenheit, sondern auch ein Blick in die Zukunft der Wiener Theaterlandschaft.