Wien steht vor einem grundlegenden Wandeln in der Wohnungsvergabe, der die Stadt nicht nur bei den Bewohnern selbst, sondern auch in der breiteren Öffentlichkeit für Aufsehen sorgt. Ab dem 17. Juni 2026 tritt ein neues Gesetz in Kraft, das die Vergabe von Sozialwohnungen in der Donaustadt durch ein umfassendes Punktesystem revolutionieren soll. „Das ist ein echter Paradigmenwechsel“, sagt Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (SPÖ), die von mehr Transparenz und Flexibilität bei der Wohnungsvergabe spricht. Bislang war Wartezeit das entscheidende Kriterium – künftig wird auch das Verhalten eines Bewerbers berücksichtigt. Dies meldet Bild.de.
Das neue Regelwerk sieht vor, dass Personen, die in den letzten fünf Jahren „unleidliches Verhalten“ an den Tag gelegt haben, ihren Anspruch auf eine Gemeindewohnung verlieren können. Dazu zählen illegale Untervermietung, offene Mietschulden und wiederholte Verstöße gegen die Hausordnung. Wer wegen dieser Verstöße aus einer Gemeindewohnung gekündigt wurde, muss mit einem Ausschluss von bis zu fünf Jahren rechnen, sodass sich die Wohnvergabe in Wien erheblich verschärfen wird.
Neues Punktesystem und Bonuspunkte
Das neue Punktesystem ersetzt die lange Wartezeitregelung und führt eine Art „Bonuspunktemodell“ ein. Hierbei bringt positives Verhalten, wie etwa eine Ausbildung oder die Gründung einer Familie, zusätzliche Punkte. Besonders erwähnt werden können Menschen in beengten Wohnverhältnissen, mit gesundheitlichen Einschränkungen oder barrierefreiem Wohnbedarf im Alter, die ebenfalls von diesem Modell profitieren sollen. Die zusätzlichen Punkte zielen darauf ab, individuelle Lebenssituationen besser zu berücksichtigen. So wird es nicht nur um die Wartezeit gehen, sondern auch um die Lebenssituation der Bewerber, wie vienna.at berichtet.
Die Daten, die für den Antrag auf eine Sozialwohnung angegeben werden müssen, sind umfangreich. Bewerber sollen detaillierte Informationen zu ihrer gesundheitlichen Verfassung, ihren Familienverhältnissen, der Ausbildung und dem Einkommensstatus bereitstellen. Änderungen im Hausstand müssen zudem unverzüglich mitgeteilt werden, was die Nachverfolgbarkeit der Bewerbungen verbessern soll.
Zentralisiertes Wohn-Ticket und weitere Neuerungen
Das neue System bringt auch ein zentrales „Wiener Wohn-Ticket“, das den Zugang sowohl zu Gemeindewohnungen als auch zu geförderten Wohnungen vereinfachen soll. Die bisherige Trennung zwischen Gemeindewohnungen und Anbotswohnungen wird aufgehoben. Laut den neuen Regelungen braucht es künftig nur mehr einen durchgehenden Hauptwohnsitz von zwei Jahren in Wien, um für Sozialwohnungen in Frage zu kommen. Diese Maßnahme soll den Zugang zu Wohnraum für Neuankömmlinge erleichtern.
Wien hat derzeit rund 420.000 Sozial- und genossenschaftlich geförderte Wohnungen, der Bedarf an diesem Wohnraum steigt stetig. Eine Testphase mit 180 Personen, die bereits im März begonnen hat, könnte erste Erkenntnisse zur Handhabung des neuen Systems liefern. Die Bewohner können gespannt sein, welche Auswirkungen diese Reformen auf die Wohnsituation in der Stadt haben werden. Es bleibt abzuwarten, ob der geplante Umbau der Vergabepraxis tatsächlich die gewünschten Effekte bringt und wie die Wiener Bevölkerung darauf reagiert.



