Wien steht vor einem grundlegenden Wandel in der Vergabe von Sozialwohnungen. Ab dem 17. Juni 2026 tritt ein neues Punktesystem in Kraft, das nicht nur die Wartezeiten, sondern auch das Verhalten der Bewerber in den letzten fünf Jahren berücksichtigt. Dies bedeutet, dass Personen, die sich in dieser Zeit ungehörig verhalten haben, wie beispielsweise durch illegale Untervermietungen oder offene Mietschulden, ihren Anspruch auf eine neue Wohnung verlieren können. Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) beschreibt diesen Schritt als einen Paradigmenwechsel, der die Wohnungsvergabe transparenter und flexibler gestalten soll.
Die neuen Regelungen sehen vor, dass Bewerber mehr Details bei ihrer Antragstellung angeben müssen. Ein Bonuspunktemodell wird eingeführt, das positive Lebenssituationen belohnt. Menschen in Ausbildung, junge Familien und ältere Personen, die ihren Wohnraum verkleinern möchten, können sich dadurch zusätzliche Punkte sichern. Im Gegensatz dazu gibt es für unliebsames Verhalten Minuspunkte. Auch die soziale Lage, Eigentumsverhältnisse und das Einkommen der Bewerber werden genauer erfasst.
Neues Gesetz und klare Ausschlusskriterien
Zusätzlich zu den bereits genannten Maßnahmen wird ab 1. September 2026 ein neues Gesetz zur Vergabe von Gemeindewohnungen in Wien in Kraft treten. Dieses sieht ebenfalls ein Punktesystem vor, das die bisherigen Wartezeitregelungen ablöst. Die neuen Ausschlusskriterien sind klar definiert: Personen, die in den letzten fünf Jahren wegen schwerer Verstöße aus einer Gemeindewohnung gekündigt wurden, haben für bis zu fünf Jahre keinen Anspruch auf eine neue Wohnung. Zu diesen Verstößen zählen unter anderem unerlaubte Untervermietungen, nicht genutzte Wohnungen oder offene Mietzinsforderungen.
Mit dem neuen System wird auch ein zentrales Wiener Wohn-Ticket eingeführt, das sowohl für Gemeindewohnungen als auch für geförderte Wohnungen gilt. Ab 1. Mai 2025 genügt ein durchgehender Hauptwohnsitz von zwei Jahren in Wien für den Zugang zu Wohnungen. Zudem wird die Datenerhebung für Antragsteller und mitziehende Personen ausgeweitet, sodass künftig auch Gesundheitsdaten sowie Informationen zu Beruf und Ausbildung erfasst werden müssen.
Ein Ausblick auf die Zukunft des Wohnens in Wien
Die Stadt Wien hat derzeit rund 420.000 Sozial- bzw. genossenschaftlich geförderte Wohnungen, und der Bedarf steigt kontinuierlich. Die neuen Maßnahmen sollen nicht nur den Zugang zu Wohnraum gerechter gestalten, sondern auch verhindern, dass es zu Missbrauch kommt. In einer Testphase mit 180 Personen, die seit Anfang März läuft, wird bereits erprobt, wie die neuen Regelungen in der Praxis funktionieren werden.
Diese Veränderungen sind Teil eines umfassenden Reformprozesses, der darauf abzielt, die Vergabe von Wohnungen in Wien zukunftsfähig zu gestalten. Das Ziel ist es, die soziale Mischung in den Stadtteilen zu fördern und sicherzustellen, dass alle Wienerinnen und Wiener ein angemessenes Zuhause finden können. Es bleibt abzuwarten, wie sich das neue System in der Praxis bewähren wird und ob es den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird. Weitere Informationen finden Sie in den ausführlichen Berichten auf Bild.de und Vienna.at.



