Wien hat ab dem kommenden Sonntag einen neuen Grund zur Freude: Die Westbahn startet ihre ersten Fahrten auf der neuen Südbahnstrecke über die Koralmbahn in Richtung Kärnten. Nach 27 Jahren Bauzeit eröffnet die Koralmbahn am 14. Dezember 2025, und die ersten Schritte in diese neue Ära werden bereits jetzt eingeleitet.

„Wir sehen hier großes Potenzial“, sagt Thomas Posch, der Geschäftsführer der Westbahn. Die neue Strecke, die durch den beeindruckenden Koralmtunnel führt, wird die Reisezeiten erheblich verkürzen. So dauert die Fahrt von Wien nach Klagenfurt künftig nur mehr 3 Stunden und 10 Minuten – das spart 45 Minuten im Vergleich zur bisherigen Route. Auch die Verbindung von Graz nach Klagenfurt wird durch die Koralmbahn deutlich verbessert und reduziert die Fahrzeit auf nur 41 Minuten, wovon alle pendelnden Bürger in der Region profitieren werden.

Fahrplan und Preise

Der Fahrbetrieb der Westbahn wird zunächst mit zwei Garnituren dreimal täglich von Wien-Hauptbahnhof nach Villach und zurück aufgenommen. Ab Mitte März wird eine dritte Garnitur hinzukommen. Ab dem 29. Mai 2026 sollen täglich fünf Fahrten in jeder Richtung auf der Südstrecke angeboten werden. Für Reisende in Kärnten wird das Ticket zu Preisen ab 18,99 Euro angeboten, während der Preis für die Fahrt nach Graz bereits bei 8,99 Euro beginnt. Xpress-Züge der ÖBB bieten zu diesen Preisen keine Konkurrenz, da deren Tickets um einen Euro teurer sind.

Die Westbahn passt ihren Fahrplan an die Hauptstrecke an, die über Mödling und Baden derzeit nicht verfügbar ist. Stattdessen wird ein Umweg über Ebreichsdorf auf der Pottendorfer Strecke in Kauf genommen. Außerdem wird die Westbahn künftig auch in Orten wie Semmering, Bruck an der Mur, Graz, Kühnsdorf-Klopeiner See, Klagenfurt und Pörtschach halten, während die Railjet-Züge der ÖBB einen Stopp in Pörtschach auslassen, aber dafür in Velden Halt machen.

Koralmbahn: Ein Bauwerk der Superlative

Die Koralmbahn ist nicht nur eine neue Verbindung, sondern auch ein beeindruckendes Bauprojekt. Mit 130 Kilometern neuer Strecke, davon 50 Kilometer Tunnel, und über 100 Brücken wird der Koralmtunnel, der das Herzstück der Bahn bildet, einer der längsten Eisenbahntunnel der Welt. Dank intensiver Tests wurde die Sicherheit der Strecke mit 280 Testfahrten bis zu 250 km/h vorab gewährleistet.

Das gesamte Projekt wurde mit mehr als 600 Millionen Euro an Fördermitteln aus der Europäischen Union unterstützt. 543 Millionen Euro stammen aus dem EU-Aufbauplan, während weitere 63 Millionen Euro aus der Connecting Europe Facility fließen. Laut Patrick Lobis, dem Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, wird die Koralmbahn nicht nur den Binnenmarkt positiv beeinflussen, sondern auch zur nachhaltigen Mobilität beitragen.

Mit der neuen Verbindung wird die Westbahn also nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ aufrüsten, um zusätzlich Fahrgäste zu gewinnen. Langfristig sind die Smile-Züge des Schweizer Herstellers Stadler für grenzüberschreitende Verbindungen nach Deutschland, der Schweiz und Italien zertifiziert, sodass bald noch mehr Reisemöglichkeiten auf uns warten.

Insgesamt verspricht die neue Südbahnstrecke über die Koralmbahn einen attraktiven Service mit verbesserten Verbindungen, kürzeren Reisezeiten und einem umfassenden Netzwerk, von dem sowohl Pendler als auch Reisende profitieren werden. Die bedeutende Entwicklung für den österreichischen Schienenverkehr ist also in vollem Gange, und die Vorfreude auf die verbesserten Reiseangebote ist groß.