Die Westbahn bringt frischen Wind in den Bahnverkehr zwischen Wien und Kärnten. Am kommenden Sonntag startet die neue Südbahnstrecke über die Koralmbahn, die die Reisezeit zwischen der Bundeshauptstadt und den südlichen Bundesländern erheblich verkürzen wird. Dabei setzt die Westbahn auf ein qualitativ hochwertiges Angebot und will zusätzliche Fahrgäste gewinnen. Geschäftsführer Thomas Posch sieht großes Potenzial auf der neuen Verbindung, insbesondere durch den Koralmtunnel, der als Herzstück der Strecke gilt.

Aktuell werden zwei Garnituren drei Mal täglich von Wien-Hauptbahnhof nach Villach und zurück eingesetzt. Ab Mitte März wird eine dritte Garnitur hinzukommen, bis zum Vollausbau am 29. Mai sind dann täglich fünf Fahrten in jede Richtung geplant. Die Westbahn muss jedoch über die Pottendorfer Strecke via Ebreichsdorf ausweichen, da die Hauptstrecke über Mödling und Baden momentan nicht verfügbar ist. Alle Westbahn-Züge halten in Wiener Neustadt. Im Vergleich dazu hält der Railjet der ÖBB im Stundentakt dort, während der Railjet Xpress keinen Halt hat.

Neuerungen und Fahrpreise

Besonders attraktiv sind die Ticketpreise der Westbahn, die bereits ab 8,99 Euro nach Graz und ab 18,99 Euro nach Kärnten starten. Im Vergleich dazu kosten ÖBB-Tickets nur einen Euro mehr, jedoch sind die Standardpreise deutlich höher. Die Westbahn setzt zudem auf moderne einstöckige Smile-Garnituren des Schweizer Herstellers Stadler, die für Geschwindigkeiten bis zu 250 km/h ausgelegt sind. Mit einer Länge von elf Waggons bieten sie Platz für 422 Sitzplätze. Langfristig sind die Smile-Züge auch für den grenzüberschreitenden Verkehr zertifiziert, was neue Möglichkeiten zwischen Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien eröffnet.

Die Koralmbahn und ihre Zukunft

Ein entscheidendes Element der neuen Südbahnstrecke ist der Koralmtunnel, der die Reisezeit von Wien nach Klagenfurt auf 3 Stunden 10 Minuten verkürzt – das sind 45 Minuten weniger als bisher. Die Koralmbahn wird am 14. Dezember 2025 nach 27 Jahren Bauzeit eröffnet und umfasst eine neue Strecke von 130 Kilometern, darunter 50 Tunnelkilometer und über 100 Brücken. Der Koralmtunnel selbst ist mit 33 Kilometern der sechs längste Eisenbahntunnel der Welt und wird die Verbindung zwischen Graz, Villach, Salzburg und München revolutionieren. Die Fahrtzeit von Graz nach Klagenfurt sinkt auf beeindruckende 41 Minuten.

Für den Bau der Koralmbahn hat die EU über 600 Millionen Euro bereitgestellt, um die nachhaltige Mobilität in der Region zu unterstützen. Diese Mittel fließen in verschiedene Projekte, darunter Tunnelbau, Elektrifizierung und die Renovierung von Bahnhöfen. Das wird nicht nur die Reisezeiten verkürzen, sondern auch den Binnenmarkt stärken und die Attraktivität der Bahn als Verkehrsmittel weiter erhöhen.

Mit der Westbahn und der Koralmbahn stehen dem Bahnverkehr in Österreich spannende Zeiten bevor. Die neuen Verbindungen versprechen nicht nur eine schnellere, sondern auch eine komfortablere Art des Reisens. Die Konkurrenz zwischen Westbahn und ÖBB wird zudem als Ansporn zur Verbesserung des Service gesehen und könnte letztlich den Fahrgästen zugutekommen.