Hermann Leopoldi, ein Name, der tief in der Wiener Musikgeschichte verwurzelt ist, und gleichzeitig ein Mahnmal für die Schrecken der NS-Zeit. Der 15. August 1888 in Gaudenzdorf geborene Komponist und Pianist erlebte in seinem Leben Höhen und Tiefen, die kaum gegensätzlicher sein könnten. Vom schüchternen Buben, der mit einem Galanteriewarenhaus wenig anfangen konnte, wurde er zu einem der gefragtesten Unterhaltungskünstler Wiens und später zum Überlebenden der Konzentrationslager Dachau und Buchenwald. Besondere Erwähnung verdient hierbei die Kreation des berühmten Buchenwald-Lieds, das Leopoldi gemeinsam mit dem Librettisten Fritz Löhner-Beda im KZ komponierte.

In einem kargen Umfeld, umgeben von Leid und Verzweiflung, entstand ein Werk, das nicht nur die Hoffnung, sondern auch den ungebrochenen Lebenswillen der Inhaftierten zum Ausdruck brachte. Die eindringlichen Textzeilen „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ und „Denn einmal kommt der Tag: dann sind wir frei!“ sind heute Teil des kulturellen Gedächtnisses und stehen für den Mut der Menschen, die unter extremsten Bedingungen litten. Dieser kreative Prozess im Angesicht des Todes bekräftigt, wie wichtig Freiheit und Zusammenhalt für die Menschen sind. Es wird auch eine Verbindung zur Natur beschrieben, die trotz aller Entbehrungen Hoffnung und Trost bietet. Lider, die die Heimat besingen, und der Glaube an das Leben sind zentrale Themen des Buchenwald-Lieds, das bis heute zum Vermächtnis Leopoldis gehört berichtet die Wikipedia.

Der unternehmerische Werdegang

Leopoldis Weg zum Erfolg war nicht immer gradlinig. Nach einem wenig erfüllenden Job in der Galanteriewarenbranche zog es ihn mit 16 Jahren auf die Bühnen Niederösterreichs. Gemeinsam mit seinem Bruder eröffnete er ein Vergnügungslokal im ersten Wiener Bezirk, doch der Traum konnte nicht lange bestehen – das Lokal musste nach drei Jahren schließen. Dennoch ließ sich Leopoldi nicht unterkriegen; er tourte als Klavierhumorist und Kapellmeister durch die großen Städte Europas und erlangte großen Zuspruch, auch wenn er im Geschäftsleben oft ungeschickt mit seinem Geld umging.

Sein kompositorisches Talent brachte ihm schließlich Lieder ein, die in Wiener Cafés und Bars hoch im Kurs waren. „In einem kleinen Café in Hernals“ und „Schnucki, ach Schnucki, fahr’n wir nach Kentucky“ sind nur einige der unvergesslichen Melodien, die seine Karriere prägten. Diese Lieder und sein unkonventioneller Stil werden bis heute von vielen geschätzt und gelten als Spiegel des besten „Wienertums“, wie ein Zeitgenosse treffend bemerkte.

Ein schwerer Schatten der Vergangenheit

Der Weg zu seinem neuen Glück in den USA war jedoch gepflastert mit Entbehrungen. Durch die Hilfe seiner Frau Eugenie, die in die USA emigrierte, konnte er sich freikaufen. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Löhner-Beda, der 1942 im KZ Auschwitz ermordet wurde, hatte Leopoldi das große Glück, zu überleben. Als er nach seiner Befreiung amerikanischen Boden betrat, küsste er diesen – ein Ausdruck seiner Dankbarkeit und seines neuen Lebens. In New York fand er schnell wieder Fuß und trat dort, unter anderem in der Carnegie Hall, wieder auf.

Nach seiner Rückkehr nach Österreich 1947 wurde er erneut ein fester Bestandteil der Wiener Kulturszene, die ihn wieder in ihre Arme schloss. Sein Sohn Ronald kümmert sich heute um sein künstlerisches Erbe, während eine Gedenktafel am 1. Oktober 2012 in Penzing an die Verdienste Leopoldis und seiner Partnerin Helly Möslein erinnert berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Hermann Leopoldi starb am 28. Juni 1959, doch sein Erbe lebt in den Herzen der Wienerinnen und Wiener weiter. Seine Musik ist nicht nur ein Teil der Wiener Seele, sondern auch ein Zeichen dafür, dass die Hoffnung und der Wille zum Leben, selbst in den dunkelsten Zeiten, stets bestehen bleibt. Und so werden seine Lieder auch weiterhin gehört werden, als Zeitzeuge einer schmerzlichen Vergangenheit und zugleich als Hymne auf das Leben.