Heute ist der 6.03.2026

Die Geschichte des jüdischen Komponisten Hermann Leopoldi ist eine bewegende Erzählung von Talent, Verfolgung und Überlebenswillen. Geboren am 15. August 1888 als Hersch Kohn in Gaudenzdorf, Wien, wurde er früh in die Welt der Musik eingeführt. Sein Vater Leopold, ein Pianist, brachte ihm und seinem Bruder Ferdinand das Klavierspielen bei. Nach einer langweiligen Lehre in einer Galanterie-Großwarenhandlung trat Hersch mit 16 Jahren als Pianist auf und tourte durch Niederösterreich. Im Lauf der Jahre nannte er sich zunehmend Hermann, ohne religiöse Gründe dafür anzugeben.

Nach dem Ersten Weltkrieg eröffneten die Brüder Leopoldi ein Vergnügungslokal im ersten Wiener Bezirk. Trotz seines musikalischen Talents war Hermann Leopoldi ein schlechter Geschäftsmann und Zocker, sodass das Lokal nach nur drei Jahren schließen musste. Daraufhin tourte er als Klavierhumorist, Liederkomponist, Barpianist, Kapellmeister und Unterhaltungskünstler durch europäische Großstädte.

Verfolgung und Überleben

Die politischen Umstände in Europa führten zur Verfolgung Leopoldis durch die Nationalsozialisten. Er wurde ins KZ Dachau und später ins KZ Buchenwald deportiert. Dort entstand das berühmte Buchenwald-Lied, dessen Textzeilen „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ und „Denn einmal kommt der Tag: dann sind wir frei!“ den unerschütterlichen Lebenswillen der Häftlinge symbolisieren. Der Text thematisiert nicht nur die harte Arbeit und das tägliche Überleben, sondern auch die tiefen menschlichen Beziehungen und den Zusammenhalt unter den Gefangenen. Trotz der bedrückenden Umstände wurde der Glaube an die Freiheit und das Leben unermüdlich betont (Wikipedia).

Leopoldi hatte das Glück, durch seine Frau Eugenie, die in die USA emigriert war, und deren Eltern freigekauft zu werden. Im Gegensatz dazu wurde sein Kollege, der Librettist Fritz Löhner-Beda, 1942 im KZ Auschwitz ermordet.

Ein neues Leben in den USA

Nach seiner Freilassung wanderte Hermann Leopoldi nach New York aus, wo er von Familie und Reportern empfangen wurde. Er küsste den amerikanischen Boden, als er ankam, und setzte seine musikalische Karriere in den USA fort. Gemeinsam mit der Sängerin Helly Möslein, die auch seine Lebenspartnerin wurde, trat er unter anderem in der Carnegie Hall auf. Ihre Zusammenarbeit führte zur Entstehung bekannter Lieder wie „Schnucki, ach Schnucki, fahr’n wir nach Kentucky“.

1947 kehrte Leopoldi nach Österreich zurück und fand in Wiener Cafés, Bars und Varietés ein neues Publikum. Er komponierte Lieder, die das Wiener Lebensgefühl einfangen, etwa „In einem kleinen Café in Hernals“. Einzi Stolz, ein Zeitgenosse, bemerkte treffend: „In seinen Liedern lebt bestes, unverfälschtes Wienertum.“ Hermann Leopoldi starb am 28. Juni 1959, gefolgt von Helly Möslein, die am 6. Juli 1998 verstarb. Ihr Sohn Ronald kümmert sich heute um das künstlerische Erbe seines Vaters.

Erinnerung und Gedenken

Die Erinnerung an Hermann Leopoldi und Helly Möslein wird in Wien wachgehalten. Am 1. Oktober 2012 wurde eine Gedenktafel an einem Haus im Bezirk Penzing enthüllt, die an das künstlerische Wirken und das bewegte Leben des Komponisten erinnert. Trotz der dunklen Kapitel seiner Geschichte bleibt Leopoldi ein Symbol für den ungebrochenen Lebenswillen und die Kraft der Musik in Zeiten des Leidens (Süddeutsche Zeitung).