In der Wallrißstraße 40 in Wien bahnt sich ein wichtiges Projekt an: Der Turnverein Gersthof plant den Bau einer neuen Turnhalle. Seit rund 100 Jahren befindet sich das Areal bereits im Besitz des Vereins. Die Initiative könnte die sportliche Zukunft des Vereins sichern, der zurzeit auf die Sporthallen von fünf verschiedenen Schulen angewiesen ist, um seine Aktivitäten aufrechtzuerhalten. Klaus Paula, Obmann des Turnvereins, spricht von einem langjährigen Traum, der jetzt nach eineinhalb Jahren Planung in greifbare Nähe rückt. Doch nicht alle Anwohner zeigen sich begeistert über die Pläne.

Bereits vor der Bauverhandlung, die am Donnerstag stattfinden soll, formiert sich Widerstand gegen das Vorhaben. Anwohner haben eine Petition mit mehreren Hundert Unterschriften gegen den Bau eingereicht. Christine Vaculik, eine Anwohnerin, äußert Bedenken bezüglich der Lärmbelastung und des Verlusts der Ruhe durch die geplante Halle. Zudem gibt es Sorgen über mögliche umfassende Rodungen und den Einfluss auf das Mikroklima der Umgebung. In dieser Sache hat der Turnverein jedoch betont, dass die Grundfläche der Halle lediglich etwa 19 Prozent des Gesamtareals einnehmen wird und dass umweltfreundliche Baumethoden, wie ein Holzbau und die Installation von Photovoltaik-Anlagen, zum Einsatz kommen sollen.

Wachsende Nachfrage nach Sportanlagen

Die geplante Halle kömmt zu einem Zeitpunkt, da die Nachfrage nach Sporthallen in Wien steigt, vor allem wegen der zunehmenden Nachmittagsbetreuung an Schulen, die die Verfügbarkeit der sportlichen Räume einschränkt. Laut einer Studie, die im Auftrag der Förderbank KfW durchgeführt wurde, zeigen auch viele andere Städte in Deutschland, dass etwa 59 % der befragten Kommunen mit erheblichem Investitionsrückstand bei Sportstätten zu kämpfen haben, was die Notwendigkeit für neue, moderne Anlagen unterstreicht. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund bezeichnet die Situation als „dramatisch“ und fordert mehr finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern.

Mit den wachsenden Herausforderungen steht auch Wien nicht alleine da. Seit Oktober 2020 investiert die Stadt im Rahmen eines Sportstätten-Entwicklungsplans etwa 400 Millionen Euro in die Modernisierung und den Ausbau von Sportanlagen. Ziel ist es, bestehende Anlagen zu sanieren und neue, moderne Sportstätten zu errichten. Hierbei wird nicht nur auf ökologische Innovationen geachtet, sondern auch ein Fokus auf die Erneuerung von Flutlichtanlagen mit energiesparenden Technologien gelegt.

Die Pläne des Turnvereins und der Widerstand der Anwohner

Der Turnverein Gersthof plant, seine neue Halle hauptsächlich für die eigenen Mitglieder zu nutzen, könnte aber auch die Möglichkeit haben, die Halle an Schulen oder Physiotherapeuten zu vermieten. Michael Seifert, der für Finanzen und Gartenarbeit im Verein zuständig ist, stellte sicher, dass die Spielmöglichkeiten für den angrenzenden Kindergarten nicht beeinträchtigt werden. Übrigens ist der Kindergarten der einzige Mieter der Fläche, auf der die neue Halle entstehen soll, welche derzeit auch über einen Beach-Volleyballplatz, Spielgeräte und zwei kleine Holzhütten verfügt.

Die Situation ist angespannt. Obmann Klaus Paula betont jedoch, dass der Verein die Kosten für die Halle selbst tragen werde. Die genauen Summe wurde zwar nicht genannt, jedoch ist klar, dass die Umsetzung seiner Träume von einer eigenen Turnhalle nicht nur für den Verein, sondern auch für die gesamte Nachbarschaft von Bedeutung ist. Am Donnerstag wird die Bauverhandlung wohl entscheidend sein: Der Turnverein Gersthof hofft auf eine Genehmigung von Seiten der Baupolizei, während die Bedenken der Anwohner im Raum stehen.

Die Pläne und die Sorgen der Anwohner sind bekannt. Bezirksvorsteherin Silvia Nossek bestätigt, dass der Bezirk nicht direkt in die Angelegenheit involviert ist, jedoch die Anliegen der Bürger gehört werden müssen. Wo es schlussendlich hingeht, bleibt abzuwarten – der Kampf um Raum für den Sport in einer wachsenden Stadt ist im Gange.