In Gersthof, einem Stadtteil von Wien, sorgt ein geplantes Bauprojekt für Aufregung in der Nachbarschaft. Der Turnverein Gersthof plant den Bau einer Turnhalle auf einem Areal in der Wallrißstraße 40, das seit rund 100 Jahren im Besitz des Vereins ist. Diese Fläche umfasst derzeit einen Beach-Volleyballplatz, Spielgeräte, zwei kleine Holzhütten und viel blanke Erde. Klaus Paula, der Obmann des Turnvereins, spricht von einem langjährigen Traum, der nun nach einer anderthalbjährigen Planungsphase in greifbare Nähe rückt. Der Mangel an Sporthallen in Wien hat den Verein dazu veranlasst, diese Initiative zu ergreifen, insbesondere da er derzeit an fünf Schulen eingebucht ist, die zunehmend auf Nachmittagsbetreuung setzen. Dies schränkt die Verfügbarkeit der Turnhallen ein und macht eine eigene Halle umso dringlicher.
Doch die Pläne stießen auf Widerstand von Anrainern, die eine Petition gegen den Bau gestartet haben. Diese Petition hat bereits mehrere Hundert Unterschriften gesammelt, musste jedoch aufgrund eines Formalfehlers erneut eingereicht werden. Anwohnerin Christine Vaculik äußert Bedenken hinsichtlich der Lärmentwicklung und des Verlustes der Ruhe durch den Bau. Auch die Befürchtung einer umfassenden Rodung und Verbauung sowie negative Auswirkungen auf das Mikroklima werfen Schatten auf das Projekt. Michael Seifert, der für Finanzen und Gartenarbeit des Vereins zuständig ist, betont jedoch, dass die Spielmöglichkeiten für Kindergartenkinder erhalten bleiben sollen. Eine zweite Fläche unterhalb der Turnhalle soll unbebaut bleiben.
Genehmigung und Umweltschutz
Die Bauverhandlung für die Turnhalle findet am Donnerstag statt, und die Genehmigung der Baupolizei steht noch aus. Der Turnverein wird die Kosten für die Halle selbst tragen, eine konkrete Summe wurde bisher nicht genannt. Klaus Paula weist darauf hin, dass die Grundfläche der Turnhalle nur etwa 19 Prozent der Gesamtfläche umfasst und dass umweltschonend gebaut werden soll, etwa durch Holzbau und Photovoltaik-Anlagen.
Die Situation erinnert an eine Studie im Auftrag der Förderbank KfW, die zeigt, dass viele kommunale Schwimmbäder und Sporthallen in Deutschland dringend saniert werden müssen. 59% der befragten Städte und Gemeinden berichten von einem „gravierenden“ oder „nennenswerten“ Investitionsrückstand bei Sporthallen. In diesem Kontext wird deutlich, wie wichtig es ist, in die Sportinfrastruktur zu investieren, um nicht nur die Bedürfnisse von Vereinen zu erfüllen, sondern auch um den allgemeinen Zugang zu Sportmöglichkeiten zu gewährleisten. In Wien hat die Stadt ein Investitionsprogramm zur Modernisierung und zum Ausbau von Sportstätten gestartet, das rund 400 Millionen Euro umfasst und darauf abzielt, bestehende Anlagen zu sanieren und neue, moderne Sportstätten zu errichten.
Die Zukunft des Sports in Wien
Im Rahmen des Sportstätten-Entwicklungsplans wird auf ökologische und energetische Innovationen gesetzt, was die Relevanz des Turnhallenprojekts in Gersthof unterstreicht. Der Plan sieht unter anderem die Nutzung von Abwärme, die Installation von Photovoltaik-Anlagen und energiesparende Technologien vor. Die Modernisierung von Sportanlagen in Wien ist ein zentrales Anliegen, um für alle Wiener*innen gut erreichbare und leistbare Sportangebote zu schaffen. Die intensive Vorbereitung mit über 70 Wiener Fachverbänden und deren Vereinen zeigt, dass die Stadtverwaltung die Bedürfnisse der Sportgemeinschaft ernst nimmt.
Die Pläne des Turnvereins Gersthof stehen in einem größeren Kontext und könnten, sofern sie genehmigt werden, nicht nur die Zukunft des Vereins sichern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Sportinfrastruktur in Wien leisten. Das Projekt könnte dazu beitragen, den Mangel an geeigneten Sporthallen zu lindern und somit mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, sich sportlich zu betätigen. Die kommenden Tage werden entscheidend sein, um die Zukunft des Turnvereins und der geplanten Halle zu klären. Für weitere Informationen zu den laufenden Diskussionen und Entwicklungen rund um den Turnhallenbau können Interessierte die vollständigen Berichte auf Kurier und Tagesschau einsehen.