Das neue Jugendgefängnis Münnichplatz in Simmering hat am Montag offiziell seine Pforten geöffnet. Hinter den historischen Mauern, die einst als Jagdschloss der Habsburger dienten und später als Kaserne und Erziehungsanstalt fungierten, erwartet die Jugendlichen eine ganz besondere Umgebung. Die Einrichtung hat sich das Ziel gesetzt, die Resozialisierung der inhaftierten Jugendlichen zu fördern und ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen.

In der neuen Justizanstalt stehen insgesamt 72 Haftplätze zur Verfügung, von denen derzeit 35 belegt sind. Diese sind auf drei Abteilungen verteilt: U-Häftlinge, Strafgefangene und Maßnahme-Patienten. Sechs bis sieben Jugendliche kommen einmal pro Woche aus der Justizanstalt Josefstadt, deren Jugendabteilung aufgelöst werden soll. Die Volksanwaltschaft hat bereits Bedenken geäußert, da Insassen während der Renovierungsarbeiten im vergangenen Frühjahr untergebracht wurden. Dennoch betont Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ), dass mehr Augenmerk auf die Jugendlichen in Freiheit gelegt werden sollte.

Einrichtung mit Fokus auf Ausbildung und Therapie

Das Konzept des neuen Jugendgefängnisses legt großen Wert auf Ausbildungs-, Therapie- und Beschäftigungskonzepte. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, eine von sechs Lehren zu absolvieren, darunter Berufe wie Tischler, Spengler, Bäcker, Maler, Maurer und Schlosser. Außerdem können sie den Pflichtschulabschluss nachholen, was in speziellen Klassenräumen ermöglicht wird. Eine Kreativwerkstatt soll den Jugendlichen zudem bei ihrer Berufswahl helfen.

Sportliche Betätigung kommt ebenfalls nicht zu kurz. Der Sporthof bietet Möglichkeiten für Fußball, Tischtennis, Kraft- und Lauftraining sowie Basketball. Die Freizeitgestaltung ist durch den gelockerten Vollzug geprägt: Die Jugendlichen sind nur von 17 bis 7 Uhr in ihren Hafträumen eingeschlossen und können Besuch empfangen.

Resozialisierung im Fokus

Die Resozialisierung der inhaftierten Jugendlichen ist nicht nur ein zentrales Anliegen der Justizanstalt, sondern auch ein übergreifendes Thema im Jugendstrafrecht. Der Erziehungsgedanke steht im Vordergrund, und das Ziel ist ein straffreies Leben. Um dies zu erreichen, ist eine individuelle Betrachtung jedes Falls notwendig, die die spezifischen Bedürfnisse und den Entwicklungsstand der Jugendlichen berücksichtigt. Ähnlich wie im deutschen Jugendstrafrecht, das verschiedene Reaktionsmöglichkeiten bietet, wird auch in der Justizanstalt Münnichplatz der Fokus auf schulische und berufliche Bildung gelegt, um die Reintegration zu erleichtern.

Die Volksanwältin Gabriela Schwarz äußert sich optimistisch über die zukünftige Entwicklung der Jugendlichen und beobachtet die Fortschritte in der Einrichtung genau. Die Kombination aus Ausbildung, Therapie und sportlichen Aktivitäten soll dazu beitragen, die Ursachen für kriminelles Verhalten zu adressieren und soziale Kompetenzen zu fördern.

Für die Jugendlichen im Jugendgefängnis Münnichplatz wird ein Weg geebnet, der nicht nur auf Bestrafung, sondern auf positive Entwicklung und Integration in die Gesellschaft abzielt. Die Verantwortlichen sind sich einig, dass diese Maßnahmen von entscheidender Bedeutung sind, um den Jugendlichen eine zweite Chance zu ermöglichen und sie auf ein straffreies Leben vorzubereiten. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Artikeln auf Kurier und Die Presse.