In der Justizanstalt Simmering in Wien, einem abgeriegelten Gebäudekomplex, wo Zäune und Kameras den Alltag prägen, gibt es derzeit viel Aufregung. In den letzten Wochen haben kritische Berichte über die Haftbedingungen für Schlagzeilen gesorgt, während mehrere Insassen unter ungeklärten Umständen ums Leben kamen. Profil berichtet, dass die Justizanstalt, die eine lange Geschichte als Jagd- und Lustschloss der Habsburger hat, heute vor einem ernsthaften Problem steht. Aktuell sind rund 440 Insassen inhaftiert, während etwa 160 Justizwachebeamte für deren Betreuung verantwortlich sind.
Die Belastungen in den Gefängnissen sind nicht zu unterschätzen, besonders wenn man bedenkt, dass beispielsweise im Jahr 2023 bereits sechs Suizide und zwölf Suizidversuche verzeichnet wurden. Gabriela Schwarz von der Volksanwaltschaft bezeichnet diese Zahlen als alarmierend. Um diesem Trend entgegenzuwirken, arbeiten im Rahmen des sozialen Dienstes Mitarbeiter, die für familiäre, finanzielle und wohnrechtliche Angelegenheiten zuständig sind. Die Gespräche in der Zugangsphase helfen, Belastungen zu minimieren und Lösungen anzubieten, wie auf der Website des Justizministeriums zu lesen ist justiz.gv.at.
Die Rolle der Justizwachebeamten
Der Alltag der Justizwachebeamten umfasst weitaus mehr als nur Aufsicht. Helmut Murlasits, der seit 30 Jahren in der Justizanstalt arbeitet, betont, dass Organisation und Systemmanagement eine zentrale Rolle spielen. Diese Anforderungen haben dazu geführt, dass die Mindestgrößen- und Altersvorgaben für den Beruf bereits gesenkt wurden. Sogar sichtbare Tattoos sind nun erlaubt. Michael Pausacker, zuständig fürs Recruiting, sieht in diesen Änderungen eine Anpassung an die Realität. Quereinsteiger wie Alexander Pinterich und Jacqueline Krakowitsch bringen frischen Wind in die Belegschaft. Während Pinterich Stabilität sucht, stellt Krakowitsch in einer Spezialeinheit sicher, dass bei Krisensituationen schnell reagiert wird.
Die sozialen Dienste innerhalb der Einrichtung haben ein breites Angebot auf Lager. Dazu gehören thematische Gruppenangebote wie Deliktbearbeitung und Kochgruppen. Drogen- und Schuldenproblematiken werden mit speziellen Workshops angegangen, um die Insassen bestmöglich zu unterstützen. Dabei wird auch eng mit Nachbetreuungseinrichtungen kooperiert, um einen reibungslosen Übergang in ein Leben nach der Haft zu gewährleisten.
Ein Blick in die Zukunft
Nach sechs Jahren im Dienst dürfen sich die Justizwachebeamten auf eine Verbeamtung freuen, was ihnen ein hohes Maß an Arbeitsplatzsicherheit bietet. Zudem gibt es mit dem Programm „Athleta“ einen neuen Ansatz, um Leistungssportlern einen sanften Übergang in den Beruf zu ermöglichen. Gerade Athleten wie Christoph Dressler und Dominik Čertov zeigen, dass auch nach der sportlichen Karriere ein Platz im Justizwesen wartet.
Die Herausforderungen, vor denen die Justizanstalt Simmering steht, sind vielfältig und vielschichtig. Doch mit engagierten Beamten und einem gut strukturierten sozialen Dienst könnte sich vielleicht bald eine positive Wendung abzeichnen. Während die Diskussion um die Haftbedingungen und die Sicherheit für Insassen und Mitarbeiter anhält, bleibt die Hoffnung, dass innovative Ansätze und eine verbesserte Betreuung nachhaltige Lösungen bieten können.





