In der Justizanstalt Simmering, einem abgeriegelten Gebäudekomplex in Wien, der von Zäunen und Kameras umgeben ist, hat sich in den letzten Wochen eine besorgniserregende Situation entwickelt. Neben dem Jugendgefängnis Münnichplatz, mit dem die Justizanstalt eine gemeinsame Geschichte teilt, wurden kritische Berichte über die Haftbedingungen laut. Mehrere Insassen starben unter ungeklärten Umständen, was die Öffentlichkeit alarmiert hat. Zu den aktuellen Todesfällen gehören ein Mann, der in Hirtenberg zu Tode geprügelt wurde, ein Suizid in Stein, sowie ein Häftling, der bei einem Brand in Eisenstadt ums Leben kam, und ein weiterer Todesfall in Klagenfurt. In Österreich sind derzeit über 10.000 Menschen inhaftiert, und die Zahl der Inhaftierten ist in den letzten Jahren gestiegen.
In der Justizanstalt Simmering sind rund 4000 Justizwachebeamte in 28 Haftanstalten tätig. Helmut Murlasits, der seit 30 Jahren in Simmering arbeitet und ursprünglich als Elektriker begann, ist ein Beispiel für die Vielfalt der Berufe innerhalb der Justiz. Die Anforderungen an Justizwachebeamte wurden in den letzten Jahren gesenkt, unter anderem wurden die Mindestgröße und das Mindestalter reduziert, und sichtbare Tattoos sind jetzt erlaubt. Aktuell sind etwa 160 Beamte in der Justizanstalt Simmering im Dienst, wo circa 440 Insassen untergebracht sind. Michael Pausacker, zuständig für das Recruiting, sieht diese Änderungen als notwendige Anpassung an die Realität des Berufs.
Berufsbild und Herausforderungen
Der Beruf des Justizwachebeamten erfordert weit mehr als nur Aufsicht. Organisation und Systemmanagement sind ebenso wichtig wie die Fähigkeit, in Krisensituationen angemessen zu handeln. Justizwachebeamte werden nach sechs Jahren im Dienst verbeamtet, was ihnen Arbeitsplatzsicherheit bietet. Quereinsteiger wie Alexander Pinterich und Jacqueline Krakowitsch haben den Beruf aus unterschiedlichen Gründen gewählt. Während Pinterich nach Stabilität suchte, scheiterte Krakowitsch zunächst an der Mindestgröße, hat jedoch nun eine wichtige Rolle in einer Spezialeinheit inne, die in Krisensituationen eingreift. Sie betont die Unterstützung, die Beamte in solchen Momenten erhalten.
Die alarmierenden Zahlen über Suizide in österreichischen Justizanstalten – bereits sechs Suizide und zwölf Suizidversuche im Jahr 2023 – bestätigen die Herausforderungen, mit denen sowohl Insassen als auch Beamte konfrontiert sind. Gabriela Schwarz von der Volksanwaltschaft bezeichnet diese Zahlen als besorgniserregend. Um den Insassen zu helfen, wird in der Justizanstalt Simmering ein umfassendes Programm zur sozialen Unterstützung angeboten.
Soziale Unterstützung und Rehabilitation
Der Soziale Dienst in der Justizanstalt Simmering spielt eine entscheidende Rolle in der Betreuung der Insassen. Zu Beginn der Haft sind Mitarbeiter für soziale, familiäre, finanzielle und wohnrechtliche Angelegenheiten zuständig. In der Zugangsphase werden Gespräche geführt, um sozialarbeiterische Interventionen vorzubereiten und durchzuführen. Ziel ist es, Belastungen aus der Haftsituation zu minimieren und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Thematische Gruppenangebote wie Deliktbearbeitung und Kochgruppen werden angeboten, und bei Drogenproblemen erfolgt eine Vernetzungsarbeit mit Therapieeinrichtungen.
Ein wichtiger Aspekt der Arbeit des Sozialen Dienstes ist die Nachbetreuung. Diese soll den Übergang in die Freiheit abfedern und ein unterstützendes Netzwerk aufbauen. Angehörige der Strafgefangenen können ebenfalls in die Betreuung einbezogen werden, um soziale Beziehungen zu stärken. Diese Maßnahmen sind essenziell, um die Rückfallquote zu senken und den Insassen eine Perspektive zu bieten.
Ausblick und gesellschaftliche Verantwortung
Die Justizanstalt Simmering hat eine lange, wechselvolle Geschichte, die von ihrer ursprünglichen Nutzung als Jagd- und Lustschloss der Habsburger bis zu ihrer heutigen Funktion als Strafanstalt reicht. Die Herausforderungen, die sich aus der Zunahme der Inhaftierten und den kritischen Berichten über Haftbedingungen ergeben, erfordern ein Umdenken in der Gesellschaft und im Justizsystem. Initiativen wie das Programm „Athleta“, das Leistungssportlern eine berufliche Perspektive in der Justiz bietet, sind Schritte in die richtige Richtung. Athleten wie Christoph Dressler und Dominik Čertov zeigen, dass es nach der Sportkarriere durchaus Möglichkeiten in der Justiz gibt.
Umfassende Reformen und ein stärkeres Augenmerk auf die psychische Gesundheit der Insassen sind notwendig, um die alarmierenden Statistiken zu verbessern und die Lebensqualität sowohl für die Inhaftierten als auch für die Beamten zu erhöhen. Der Dialog über diese Themen muss weitergeführt werden, um das Vertrauen in das Justizsystem wiederherzustellen und eine humane Behandlung aller Insassen sicherzustellen. Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen in der Justizanstalt Simmering können Sie auch die Quelle von Profil und die offiziellen Informationen von Justiz.gv.at einsehen.




