In einer wegweisenden Zusammenarbeit arbeiten Wien und Niederösterreich daran, den Grüngürtel rund um Wien zu erweitern. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf dem Süden der Stadt, wo in den nächsten Jahren bedeutende städtebauliche Projekte in Kaiserebersdorf (Simmering) und Rothneusiedl (Favoriten) realisiert werden sollen. Diese Initiative ist Teil der Kooperation „Landschaftsbogen 5 plus 3“, die mehrere Wiener Bezirke und umliegende Gemeinden umfasst, um eine zusammenhängende Landschaft zu entwickeln, die Naturraum, Freizeit und landwirtschaftliche Nutzung miteinander verbindet. Mehr Informationen dazu finden Sie in einem Artikel des Kurier.
In Kaiserebersdorf sind in den nächsten 10 bis 15 Jahren der Bau von 5.000 Wohnungen geplant. Rothneusiedl hingegen wird ein Pionierstadtteil, der Platz für 21.000 Menschen in 9.000 Wohnungen bieten wird. Ein zentraler Aspekt hierbei ist der Klimaschutz. Stadtplaner äußern jedoch Bedenken hinsichtlich der Versiegelung und des Bodenkonsums, die mit solch umfangreichen Bauprojekten einhergehen. Um dem entgegenzuwirken, sollen in Rothneusiedl ein Drittel der Fläche klimawirksame Grün- und Freiflächen erhalten, von denen 25 Hektar öffentlich zugänglich sind.
Nachhaltige Stadtentwicklung und Klimaanpassung
Die Bemühungen um eine grüne Stadtentwicklung sind nicht nur lokal, sondern auch bundesweit von Bedeutung. Im Jahr 2020 wurde vom Bund das Förderprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“ ins Leben gerufen, das Kommunen unterstützt, Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. Ziel ist es, öffentliche Grün- und Freiflächen zu erhalten und auszubauen, um die Lebensqualität und Biodiversität in städtischen Räumen zu sichern. Hierbei werden über 656 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereitgestellt, um Projekte wie die Neuplanung und Aufwertung von Grünanlagen zu fördern, wie auf der Webseite des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen nachzulesen ist.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Schaffung von Maßnahmen zur Risikominderung von extremen Wetterereignissen wie Hitze und Starkregen. Die Vegetation und Böden in urbanen Grünräumen binden Kohlenstoff, was für den Klimaschutz von zentraler Bedeutung ist. Durch die Umsetzung von Hitze-, Trockenheits- und Überflutungsvorsorge sollen die Lebensbedingungen in Städten nachhaltig verbessert werden.
Erholung und Lebensqualität im urbanen Raum
Die geplanten Maßnahmen in den Wiener Bezirken zielen auch darauf ab, die Alltagsverbindungen zu Infrastruktureinrichtungen zu verbessern und die Vernetzung von Radrouten zu fördern. Eine besondere Herausforderung stellt der Durchzugsverkehr dar, den es im Bereich des Verschiebebahnhofs in Favoriten zu reduzieren gilt. Darüber hinaus wird der Erholungsraum „Goldberg“ aufgewertet, um eine attraktive Erholungsachse von der Liesing bis zum Hauptbahnhof zu schaffen.
Die Bedeutung von urbanem Grün wird auch durch die Erkenntnisse der WHO unterstrichen, die zwischen 1998 und 2017 weltweit etwa 166.000 hitzebedingte Todesfälle verzeichnet hat. Städte sind aufgrund des urbanen Hitzeinseleffekts besonders gefährdet, was die Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen zur Reduzierung der Hitze unterstreicht. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik bietet Unterstützung durch Forschung und Stadtklimasimulationen zur evidenzbasierten Planung dieser Maßnahmen.
Insgesamt stehen die Entwicklungen im Süden Wiens und die dazugehörigen Initiativen im Zeichen einer zukunftsfähigen Stadtplanung, die sowohl den Klimaschutz als auch die Lebensqualität der Bewohner in den Vordergrund stellt.