Heute ist der 6.04.2026 und in Österreich wird die Reform des Schulsystems für Jugendliche mit Behinderungen immer konkreter. In den letzten Wochen fanden zahlreiche Treffen mit Stakeholdern statt, um die geplanten Änderungen zu diskutieren. Diese Reform sieht weitreichende Anpassungen vor, unter anderem einen Rechtsanspruch auf zusätzliche Schuljahre für Jugendliche mit Behinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Die Ausarbeitung dieser Reformpläne hat bereits im ersten Quartal 2026 begonnen und die Änderungen sollen im Schuljahr 2027/28 in Kraft treten, basierend auf einem Ministerratsbeschluss von Ende März. Im Regierungsprogramm sind zudem 25 Millionen Euro an Offensivmitteln für den Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr für betroffene Jugendliche vorgesehen.

Aktuell können Jugendliche mit „Sonderpädagogischem Förderbedarf“ nach dem 10. Schuljahr nur unter bestimmten Bedingungen zwei zusätzliche Schuljahre anhängen. Diese Situation ist für viele Familien eine große Herausforderung, weshalb Initiativen und die Neos seit Jahren eine gesetzliche Regelung fordern, die mehr Bildungszeit für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen gewährleistet. Ziel dieser Reform ist es, die Durchlässigkeit und Aufstiegsmöglichkeiten im Schulsystem zu stärken. Österreich hat sich bereits 2008 zur gemeinsamen Unterrichtung von Schülern mit und ohne Behinderungen verpflichtet, doch die Realität sieht oft anders aus: In einigen Bundesländern nehmen Sonderschulen für behinderte oder verhaltensauffällige Kinder wieder zu.

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Neues Konzept und Lehrerausbildung

Ein zentrales Anliegen der Reform ist die Neukonzipierung des sonderpädagogischen Förderbedarfs. Schüler mit SPF erhalten zwar spezielle Förderung, die Zuteilung variiert jedoch stark zwischen den Bundesländern, was durch eine Studie des Bildungsministeriums kritisiert wird. Die Studie bemängelt vor allem die fehlenden einheitlichen Begutachtungskriterien und Qualitätsstandards. Um dem entgegenzuwirken, sind auch Änderungen in der Ausbildung des sonderpädagogischen Lehrpersonals angedacht. Seit 2015 gibt es keine eigene Ausbildung mehr für Sonderschullehrer, sondern lediglich eine Spezialisierung in Inklusion, die jedoch auf wenig Nachfrage stößt. Im Schuljahr 2022/23 wählten nur 17% der Volksschullehrer und 6% der Masterabsolventen Inklusion als Schwerpunkt, in der Sekundarstufe sind es gar nur knapp 5% bzw. 2%.

Die Diskussion über eine eigenständige Lehramtsausbildung für Inklusion und Sonderpädagogik wird in der Koalition geführt. Ein Ziel im Ministerratsprotokoll ist es, ein verpflichtendes Modul der inklusiven Pädagogik im regulären Lehramtsstudium zu verankern. Kritiker fordern jedoch weiterhin eine Rückkehr zu einer eigenständigen Lehramtsausbildung für Sonderpädagogik, um den besonderen Anforderungen in diesem Bereich gerecht zu werden.

Inklusive Bildung als Schlüssel

Inklusion wird nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern als Schlüssel für ein harmonisches Miteinander in der Gesellschaft betrachtet. Ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen, wo Schulen des Gemeinsamen Lernens und Förderschulen gleichermaßen unterstützt werden, soll auch in Österreich die Qualität der individuellen Förderung im Mittelpunkt der Bemühungen stehen. Eltern sollen die Wahl zwischen allgemeinen Schulen und Förderschulen haben, um das bestmögliche Umfeld für ihre Kinder zu schaffen. Die Landesregierung möchte die Inklusion zum Wohle der Kinder und Jugendlichen gestalten, wobei die Unterstützung der Schulen durch zusätzliches Personal eine zentrale Rolle spielt.

Um die Herausforderungen in der inklusiven Bildung effektiv zu meistern, ist ein kooperatives Arbeiten von Lehrkräften für sonderpädagogische Förderung, Lehrkräften anderer Lehrämter und Fachkräften aus anderen Berufsgruppen unerlässlich. Dies wird als essenziell angesehen, um die Bedürfnisse aller Schüler bestmöglich zu erfüllen und eine inklusive Lernumgebung zu schaffen.

Diese Entwicklungen sind ein Schritt in die richtige Richtung, um die Bildungsgerechtigkeit in Österreich weiter voranzutreiben. Die Reform des Schulsystems für Jugendliche mit Behinderungen wird nicht nur die schulische Laufbahn dieser Schülerinnen und Schüler beeinflussen, sondern auch ihre Integration in die Gesellschaft stärken. Für weitere Informationen zu den Entwicklungen in der Inklusion können Sie hier und hier nachlesen.