Heute ist der 8.03.2026 und in Wien, speziell in den Bezirken Ottakring und Hernals, wird ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert. Wien Energie und die traditionsreiche Süßwarenfirma Manner blicken auf zehn Jahre erfolgreicher Zusammenarbeit bei der „Schnitten-Heizung“ zurück. Diese innovative Idee, die seit 2016 Abwärme aus der Schnittenproduktion ins lokale Fernwärmenetz einspeist, hat mittlerweile eine Leistung von einem Megawatt erreicht. Damit können rund 600 Haushalte in den beiden Bezirken mit Wärme versorgt werden.
Ulli Sima, die Stadträtin für Wiener Stadtwerke, hebt die Wichtigkeit der regionalen Wärmeerzeugung hervor, insbesondere im Rahmen der Raus-Aus-Gas-Gesamtstrategie. „Wir setzen auf lokale Lösungen, um unsere Energieversorgung nachhaltiger zu gestalten“, erklärt sie. Die Schnitten-Heizung ist nur eine von mehreren Wärme-Lieferanten in Wien. So versorgt beispielsweise die Therme Wien etwa 1.900 Haushalte, und die Großwärmepumpe bei der ebs Kläranlage kann sogar 56.000 Haushalte mit Wärme versorgen.
Die Zukunft der Wärmeversorgung in Wien
Die Stadt Wien hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: Bis 2040 soll der Anteil der Fernwärme am gesamten Wärmebedarf von derzeit 40 % auf 56 % steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind Wien Energie und OMV aktiv daran beteiligt, bis zu sieben Tiefengeothermie-Anlagen zu planen. Die erste dieser Anlagen, die in der Seestadt Aspern errichtet wird, soll ab 2028 rund 20.000 Haushalte mit nachhaltiger Wärme versorgen.
Tiefengeothermie ist ein vielversprechender Ansatz, um die Wärmeversorgung in urbanen Gebieten zu verbessern. Dabei kommen Lagerstätten ins Spiel, die sich über 400 Meter unter der Erdoberfläche befinden. Besonders hydrothermale Lagerstätten, wo Thermalwasser in tiefen Gesteinsschichten zirkuliert, bieten großes Potenzial. In Deutschland wird diese Technologie bereits in Städten wie München-Riem und Erding für die Fernwärmeversorgung genutzt. München plant, bis 2040 seine Fernwärme zu 100 % auf erneuerbare Energien umzustellen, wobei Geothermie eine zentrale Rolle spielt. Diese Entwicklungen sind auch für Wien von Bedeutung, da die Stadt auf verschiedene Ansätze zur Umstellung auf nachhaltige Fernwärme setzt, einschließlich der Nutzung von Abwärme.
Technologien und Herausforderungen
Ein wichtiger Aspekt der tiefen Geothermie ist die Unterscheidung zwischen Hochenthalpie- und Niederenthalpielagerstätten. Während Hochenthalpie-Lagerstätten Temperaturen über 200 °C erreichen, liegt die Temperatur bei Niederenthalpielagerstätten unter 200 °C. Für die langfristige Nutzung von hydrothermalen Systemen ist eine ergiebige wasserführende Gesteinsschicht entscheidend. In vielen Fällen werden zwei oder mehr Bohrungen genutzt, um das Thermalwasser effektiv zu fördern und wieder einzuspeisen.
Der Vorteil dieser geschlossenen Systeme ist, dass sie in der Regel keinen Kontakt zum Grundwasser haben und somit kein Fündigkeitsrisiko besteht. Dies könnte auch für Wien von Bedeutung sein, wenn die Stadt ihre Geothermie-Projekte weiter ausbaut.
Mit nachhaltigen Konzepten wie der Schnitten-Heizung und den geplanten Tiefengeothermie-Anlagen zeigt Wien, dass die Stadt auf dem richtigen Weg ist, ihre Energieversorgung ökologischer zu gestalten. Diese Maßnahmen sind nicht nur ein Schritt in die richtige Richtung für den Klimaschutz, sondern stärken auch die regionale Wirtschaft und schaffen Arbeitsplätze in der Stadt.
Die Entwicklungen in der Geothermie und im Bereich der erneuerbaren Energien werden auch weiterhin im Fokus stehen. Wenn die Stadt Wien ihre ambitionierten Ziele erreicht, könnte sie nicht nur ein Vorreiter in Sachen nachhaltige Wärmeversorgung werden, sondern auch ein Modell für andere Städte in Europa. Weitere Informationen zu den Fortschritten und Herausforderungen in der Geothermie finden Sie auf den Seiten der Geothermie-Website.
Die Kombination aus innovativen Technologien und regionaler Energieerzeugung könnte Wien in den kommenden Jahren helfen, seine Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig den Bewohnern ein Stück mehr Lebensqualität zu bieten.