Österreich steht vor einer entscheidenden Wende. Um wirtschaftlich wieder aufzublühen, benötigt das Land einen umfassenden Neustart. Dieser Neustart betrifft zentrale Bereiche wie den Föderalismus, das Gesundheitssystem, das Förderwesen und das Pensionssystem. Andreas Schnauder, Chefredakteur des Pragmaticus, hebt die Dringlichkeit eines Wandels hervor und zeigt in einer neuen Serie auf, wie dieser erfolgreich gelingen kann. Das Ziel ist klar: Weniger Staat und mehr Leistung.
Österreichs Sozialstaat ist komplex und verursacht hohe Verwaltungskosten. Ökonom Martin Halla schlägt eine radikale Vereinfachung des Sozialsystems vor, indem er die Streichung mehrerer Leistungen in Betracht zieht. Politischer Stillstand, verstärkt durch gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Bund und Ländern, ist ein weiteres Hemmnis für notwendige Reformen. Der Föderalismus wird oft als Fortschrittsbremse wahrgenommen, hat aber auch Stärken, die genutzt werden sollten. Im Vergleich dazu zeigt die Schweiz, wie ein effizienter Föderalismus durch eigenständige Aufgabenübernahme von Kantonen und Gemeinden funktionieren kann.
Die Herausforderungen der Bürokratie
Schriftsteller Ilija Trojanow bringt es auf den Punkt: Bürokratie schränkt Freiheiten ein und muss vom Staat gerechtfertigt werden. Eine Umfrage von Unique Research verdeutlicht, dass die Bevölkerung in Österreich einen Reformstau bei der Regierung sieht. Viele Österreicher sind bereit, auf staatliche Leistungen zu verzichten, wenn im Gegenzug die Steuerlast sinkt. Österreich hat eine hohe Steuerbelastung, während die Staatsschulden weiter steigen. Ein Vergleich mit anderen Ländern zeigt, dass auch mit niedrigeren Steuern öffentliche Leistungen besser sein können.
Diese Problematik ist nicht auf Österreich beschränkt. Auch in Deutschland stehen die Sozialsysteme vor großen Herausforderungen. Die Bundesregierung plant grundlegende Reformen, sieht sich jedoch im Superwahljahr 2026 mit Schwierigkeiten konfrontiert. Hohe Arbeits- und Energiekosten sowie Bürokratie belasten die Unternehmen. Wirtschaftsexperte Daniel Stelter kritisiert die falschen Prioritäten der Politik in den letzten 20 Jahren und fordert ein Umdenken.
Ein Blick über die Grenzen
Die CSU-Winterklausur hat gezeigt, dass Bundeskanzler Merz mehr Wirtschaftsreformen fordert. Dies steht im Kontext eines 500-Milliarden-Sondervermögens für Infrastrukturinvestitionen, das jedoch bislang wenig umgesetzt wurde. In Deutschland gibt es erste Modernisierungsmaßnahmen, wie die Regelung, dass Genehmigungen nach drei Monaten ohne Reaktion als erteilt gelten. Julia Jäkel, Medienmanagerin, hebt die Notwendigkeit hervor, staatliche Strukturen zu modernisieren und Bürokratie abzubauen. Auch in Österreich könnte die Übertragung solcher Ansätze helfen, die Bürokratie zu reduzieren und den Handlungsspielraum für Unternehmen zu erweitern.
Die Reformvorhaben beider Länder zeigen, dass soziale Sicherungssysteme umfassenden Wandel benötigen. Gleichzeitig warnen Experten davor, dass solche Reformen massive Einschnitte für die Bürger nach sich ziehen könnten, was viele Parteien zögern lässt. Franziska Brantner von den Grünen appelliert an die Regierungen, aus den Fehlern der Ampel-Koalition in Deutschland zu lernen und bei Reformen die Gerechtigkeit zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu berücksichtigen.
Föderalismus im europäischen Kontext
Der Föderalismus, definiert als Zusammenschluss von Teilen zu einem größeren politischen Ganzen, birgt sowohl Chancen als auch Herausforderungen. In vielen Ländern, wie der Schweiz und den USA, wird er als Vorbild für effiziente Zusammenarbeit zwischen Zentralstaat und Gliedstaaten gesehen. Diese Beziehungen sind in einer Verfassung festgeschrieben und sollten in der europäischen Integration nicht vernachlässigt werden. Die Geschichte der europäischen Integration zeigt, wie föderale Ideen und Prinzipien zur Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft und später der Europäischen Union geführt haben.
In dieser Hinsicht könnte Österreich von einem stärkeren Fokus auf föderale Strukturen profitieren. Der Vertrag von Maastricht und die damit verbundenen Reformen haben das Ziel einer engeren Union der Völker Europas vorangetrieben, auch wenn viele EU-Staaten föderale Ansätze ablehnen. Trotz dieses Widerstands verstärkt sich die Föderalisierung der EU, was auf die Notwendigkeit hinweist, die Autonomie der Mitgliedsstaaten zu respektieren und gleichzeitig eine effiziente Zusammenarbeit zu fördern.