In Wien sorgt ein neuer Roman für Aufsehen: „Vienna – Blinding Lights“ von Lara Holthaus. Die Geschichte dreht sich um die fiktive Livia Hohenburg, Tochter des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig. Dies könnte nicht nur literarisches Interesse wecken, sondern auch Fragen zur Genauigkeit und den Hintergründen aufwerfen. So enthält das Buch einige geografische und historische Unstimmigkeiten, die von Lesern und Kritikern bemerkt wurden.
Ein besonders auffälliger Fehler ist die Verortung der Josefstadt hinter der Hauptuni auf einer Stadtkarte im Buch. Auch das Wiener Rathaus wird fälschlicherweise als Kunsthistorisches Museum bezeichnet, was zeigt, dass die Autorin nicht ganz mit der Stadt vertraut ist. Zudem identifiziert Livia die Staatsoper anhand von „vier weißen Türmen“, obwohl dieses beeindruckende Gebäude flach ist. Und das ist noch nicht alles: Der fiktive Bürgermeister Ludwig wird als Multimillionär und Kopf der „Hohenburg Immogroup“ dargestellt, was einen klaren Interessenskonflikt aufwirft. Der Wiener Kurier erhebt sogar Vorwürfe der Veruntreuung gegen ihn.
Fehlerhafte Darstellungen und historische Ungenauigkeiten
Im Roman äußert eine Figur, dass Deutsche keinen Anspruch auf eine Wiener Gemeindewohnung haben, was nach EU-Recht nicht korrekt ist, denn EU-Bürger haben sehr wohl ein Anrecht darauf. Auch historische Ungenauigkeiten sind zu finden: Eine Figur behauptet, Wien sei seit 1916 keine Monarchie mehr, während die Habsburgermonarchie tatsächlich 1918 endete. Die Abschaffung der Adelstitel wird im Buch ebenfalls nicht thematisiert, obwohl sie ein bedeutender Teil der Geschichte Österreichs ist.
Die Habsburgermonarchie, die von ca. 1273 bis 1918 existierte, war ein Vielvölkerstaat, der durch die Verbindung österreichischer, böhmischer und ungarischer Länder entstand. Diese Monarchie war eine der bedeutendsten Großmächte Europas und hatte einen großen Einfluss auf die europäische Geschichte. Der Österreichisch-Ungarische Ausgleich von 1867 führte zur Aufgabe des einheitlichen Staatswesens, was das Ende einer Ära einläutete. Die Geschichte der Habsburger ist reich an politischen Intrigen, Heiratsallianzen und einem ständigen Ringen um Macht und Einfluss.
Ein Blick auf die Geschichtsschreibung
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Habsburgermonarchie ist ein zentrales Thema in der modernen Historiographie. Der Band „Die Habsburgermonarchie 1526–1918 als Gegenstand der modernen Historiographie“ dokumentiert diese Beschäftigung und beleuchtet unterschiedliche Perspektiven auf die Geschichte der Monarchie. Die Beiträge reichen von der österreichischen bis zur slowenischen Geschichtsschreibung und behandeln verschiedene Raumkonzepte sowie die Entwicklung von „Meistererzählungen“, die das Bild der Monarchie geprägt haben.
Zusammenfassend zeigt sich, dass „Vienna – Blinding Lights“ nicht nur eine Liebesgeschichte zwischen Livia und Nicolas auf 428 Seiten erzählt, sondern auch als Spiegel für die Wahrnehmung Wiens und seiner Geschichte dient. Die Fehler im Roman könnten eine Diskussion über die Relevanz von historischer Genauigkeit in der Literatur anstoßen und die Leser dazu anregen, sich intensiver mit der faszinierenden, aber auch komplexen Geschichte der Habsburgermonarchie auseinanderzusetzen.
Für weitere Informationen zu den Fehlern im Buch sowie zur Habsburgermonarchie selbst, verweisen wir auf die Quellen: Kurier und Geschichtsforschung, sowie Wikipedia.