In der Hektik des urbanen Lebens findet sich an so manchem Friedhof in Wien ein ganz besonderer Ort, der nicht nur der Ruhe dient, sondern auch als Lebensraum für eine Vielzahl von Arten fungiert. Besonders der Meidlinger Friedhof hat dabei eine Sonderstellung inne. Er ist einer der ältesten noch genutzten Friedhöfe der Stadt und bietet dem stark gefährdeten Feldhamster eine geschützte Zuflucht.
Das Projekt „Biodiversität am Friedhof“ (BaF) wurde 2021 ins Leben gerufen, und dessen Gründer, Thomas Filek, ein Biologie- und Deutschlehrer im 17. Bezirk, beobachtet und dokumentiert das Leben auf diesem besonderen Areal. Er gibt zu bedenken, dass dieser Friedhof als ökologisch, künstlerisch und ästhetisch wertvoll angesehen wird, und hierbei eine Suchfunktion für eine umweltbewusste Stadtentwicklung einnimmt. Bei einer Volksabstimmung im Jahr 1960 wurde über den Fortbestand des Friedhofs entschieden, die Bürger hielten an diesem Ort fest.
Biodiversität und Rückzugsorte
Der Meidlinger Friedhof ist nicht nur für den Feldhamster von Bedeutung. Laut einer umfassenden Untersuchung der Rudolphina gilt das Areal auch als wichtiger Rückzugsort für zahllose Arten, einschließlich Insekten, niederen Wirbeltieren und sogar Pilzen. Diese Vielzahl an Lebewesen ist oft übersehen, doch sie alle tragen zur biologischen Vielfalt bei und verdienen unseren Schutz. Friedhöfe könnten somit als Brücken zwischen städtischen Mikrohabitaten dienen, die diese Arten miteinander verbinden.
Die Herausforderungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. Der Lebensraum der Hamster steht stark unter Druck, zum Beispiel durch Flächenversiegelung, die oft mit städtischen Bauprojekten einhergeht. Diese Entwicklungen bringen nicht nur eine Bedrohung für die Hamsterpopulationen mit sich, sondern verzögern auch zahlreiche Bauprojekte aufgrund des Schutzstatus dieser Tiere. Leider ist eine Umsiedelung der Hamster auf lange Sicht keine realistische Lösung.
Citizen Scientists und ihre Rolle
Ein bemerkenswerter Aspekt des Projekts ist das Engagement der sogenannten „Citizen Scientists“. Diese Hobbyforscher sind maßgeblich daran beteiligt, die Gesundheit der Hamsterpopulationen zu überwachen und potenzielle Probleme zu dokumentieren. Ihre Beobachtungen zeigen, dass es an Versteckmöglichkeiten mangelt, was auf die Notwendigkeit von Verbesserungen in deren Lebensraum hinweist. Die Friedhofsverwaltung erweist sich als offen für die Vorschläge der Bürger, die sich um das Wohl dieser wichtigen Art sorgen.
Für alle, die mehr über diesen spannenden Lebensraum erfahren möchten, bietet die Friedhofsverwaltung Führungen an, unter dem Titel „Die Stadt der Toten auf Hamsterpfoten“. Dabei können Besucher nicht nur die berühmten Geschichten und Sehenswürdigkeiten des Friedhofs entdecken, sondern auch die Bedeutung des Standortes für den Lebensraum des Feldhamsters erkunden. Angesichts einer BBC-Dokumentation über die Wiener Friedhofshamster, die online mehr als zehn Millionen Aufrufe verzeichnete, ist das Interesse an diesen einzigartigen Tieren in den letzten Jahren stark gestiegen.
Abschließend bleibt zu sagen, dass das Zusammenspiel von Mensch, Natur und Geschichte an Orten wie dem Meidlinger Friedhof nicht nur für die Hamster, sondern für zahlreiche andere Lebewesen von großer Bedeutung ist. Wenn Wien seinen ökologischen Fußabdruck schützen will, liegt es an uns allen, dieses Erbe zu bewahren.