In der Gumpendorfer Straße im 6. Bezirk von Wien gibt es einen Punkt, der „gute“ und „nicht ganz so gute“ Seiten trennt. Diese Grenze ist allerdings nicht genau verortbar und scheint sich ständig zu verschieben. Rund um die St.-Ägyd-Kirche findet jeden Donnerstag ein beliebter Markt statt, während in der Nähe die Möbelmeile mit über 130 Marken in Küchenstudios aufwartet. Doch das Bild wird trübe durch das wiederkehrende Problem des Drogenkonsums, das besonders in der Nähe des Suchthilfezentrums Jedmayer spürbar ist. Hier berichten Anwohner von Belästigungen durch Suchtkranke, was die Lebensqualität im Viertel erheblich beeinträchtigt.
Julia Lessacher, die neue Bezirksvorsteherin der SPÖ, wird an der Entwicklung der Gumpendorfer Straße gemessen. Diese Straße fungiert als Einkaufs-, Wohn- und Verkehrsstraße, doch die Aufenthaltsqualität leidet erheblich unter dem Verkehr. Laut Stadtplaner Wolfgang Richter hat eine Verkehrszählung von 2015 ergeben, dass hier täglich rund 10.000 Kfz unterwegs sind, wobei bis zu 32% Durchzugsverkehr darstellen. Geplante Maßnahmen zur Umgestaltung wurden im Oktober 2022 aufgrund eines Sparpakets der Stadtregierung für zwei Jahre abgesagt. Dabei waren unter anderem 200 neue Bäume und eine Verbesserung der Oberflächengestaltung vorgesehen.
Drogenproblematik und Sicherheitsmaßnahmen
Die Situation in der Gumpendorfer Straße ist angespannt, denn der offene Drogenkonsum und die herumliegenden Spritzen an der U6-Station eskalieren. Die Wiener Stadtverwaltung plant nun einen Sicherheitsgipfel mit Polizeivertretern, um neue Lösungsansätze zu entwickeln. Der Suchtkoordinator Ewald Lochner kündigte diesen Gipfel an und betonte, dass die Zahl der mobilen Sozialarbeiter seit der Pandemie um 60% auf rund 225 erhöht wurde. Dennoch beklagen Anrainer und Gewerbetreibende die unzureichende Polizeipräsenz und die mangelnde Verfolgung des Drogenhandels.
In den letzten zwei Wochen wurden im Fritz-Imhoff-Park mehrere Festnahmen durchgeführt, was die Anwohner hoffen lässt, dass die Sicherheitslage sich bald verbessert. Walter Ranftl, ein Wirtshausbesitzer in der Gegend, kritisiert jedoch die Verkehrsberuhigung und die zurückgehende Infrastruktur, während andere Geschäftsinhaber von drastischen Szenen des Drogenkonsums in den Morgenstunden berichten. Eine Unternehmerin überlegt sich sogar einen Standortwechsel aufgrund der verunsicherten Kundschaft.
Die Rolle der Politik
Die Leerstandsquote in der Gumpendorfer Straße liegt bei 8-9%, und ein Drittel der bestehenden Unternehmen kann nicht mehr kostendeckend wirtschaften. Während 38% der Befragten über die Sparmaßnahmen verärgert sind, stört der Status quo 62% nicht. Lokale Politiker und Betroffene fordern zusätzliche Maßnahmen wie die Dezentralisierung der Suchthilfeeinrichtungen und Videoüberwachung, um die Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen. Diese Diskussionen sind Teil eines größeren Themas, das in vielen Städten sichtbar wird: Drogenkonsum im öffentlichen Raum.
Ministerin Klara Geywitz betonte kürzlich die Notwendigkeit, Drogenkonsumenten nicht zu stigmatisieren und ihnen Hilfe anzubieten. In vielen Städten gibt es bereits spezifische Herausforderungen und Maßnahmen, die hilfreich sein könnten. Die Gumpendorfer Straße ist dabei ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig es ist, den öffentlichen Raum sicher und attraktiv zu gestalten. Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich nicht nur eine Verbesserung der Sicherheit, sondern auch effektive Lösungen, die über kurzfristige Maßnahmen hinausgehen.
Die Gumpendorfer Straße bleibt somit ein Ort, der sowohl Herausforderungen als auch Potenziale birgt. Es bleibt abzuwarten, wie Julia Lessacher und die Stadtverwaltung dieser komplexen Thematik begegnen werden, um die Lebensqualität für alle Anwohner und Gewerbetreibenden zu verbessern. Mehr Informationen finden Sie auch in den Artikeln von Kurier, Kosmo und BMWSB.