In der Gumpendorfer Straße im 6. Bezirk von Wien zeigt sich ein gespaltenes Bild: Hier treffen „gute“ und „nicht ganz so gute“ Seiten aufeinander. Ein zentrales Problem ist der Drogenkonsum, der sowohl bei Anwohnern als auch bei Gewerbetreibenden Besorgnis auslöst. Die Situation hat sich in den letzten Jahren merklich verschärft, insbesondere an der U6-Station Gumpendorfer Straße, wo offener Drogenkonsum und herumliegende Spritzen ein alltägliches Bild zeigen. Die Wiener Stadtverwaltung hat daher nun einen Sicherheitsgipfel einberufen, der gemeinsam mit der Polizei neue Lösungsansätze entwickeln soll. Suchtkoordinator Ewald Lochner kündigte diesen Gipfel an, um auf die kritische Lage zu reagieren und die Lebensqualität in der Umgebung zu verbessern. [Kosmo] berichtet, dass ein Anstieg der mobilen Sozialarbeiter bestaunt werden kann – seit der Pandemie ist deren Zahl um 60 % auf ungefähr 225 gestiegen.
Julia Lessacher, die neue Bezirksvorsteherin, steht vor der Herausforderung, die Gumpendorfer Straße zukunftsfähig zu gestalten. Sie tritt in die Fußstapfen von Markus Rumelhart, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt. Lessacher wird an den Entwicklungen in der Gumpendorfer Straße gemessen, die auch als Einkaufs-, Wohn- und Verkehrsstraße von Bedeutung ist. Die Verkehrsbelastung ist enorm: Verkehrszählungen aus 2015 ergaben rund 10.000 Kfz pro Tag, wobei bis zu 32 % des Verkehrs Durchzugsverkehr ist. Wolfgang Richter, Stadtplaner, spricht von einer schlechten Aufenthaltsqualität, die die Anwohner und die Besucher der beliebten Fleischerei „Ringl“ sowie des „Haus des Meeres“ einschränkt. [Kurier]
Herausforderungen für die Anwohner
Die Anwohner zeigen sich zunehmend verärgert über die aktuelle Situation. Während 38 % der Befragten über die Sparmaßnahmen bei der Umgestaltung der Gumpendorfer Straße unzufrieden sind, stört der Status quo 62 % nicht. Die Umgestaltung, die im Oktober 2022 aufgrund eines Sparpakets der Stadtregierung für zwei Jahre abgesagt werden musste, sah ursprünglich viele Verbesserungen vor. Geplant waren unter anderem 200 neue Bäume sowie besser gestaltete Oberflächen, die das Erscheinungsbild der Straße aufwerten und ihre Nutzung fördern sollten.
Die Unzufriedenheit ist groß: Anwohner berichten von Belästigungen durch Suchtkranke, und Geschäftsinhaber beschreiben drastische Szenen des Drogenkonsums, die ihre Kundschaft verunsichern. Eine Unternehmerin überlegt sogar, ihren Standort zu wechseln. Walter Ranftl, Wirtshausbesitzer, kritisiert die Verkehrsberuhigung und den Rückgang der Infrastruktur. Die Leerstandsquote in der Gumpendorfer Straße liegt aktuell bei 8 bis 9 %, und ein Drittel der bestehenden Unternehmen kann nicht mehr kostendeckend wirtschaften. [Kurier]
Sicherheitsmaßnahmen auf dem Vormarsch
Die Stadt macht ernst und hat die Reinigungsintervalle in der Umgebung intensiviert. Zudem wurde die Polizeipräsenz erhöht: In den letzten zwei Wochen wurden im Fritz-Imhoff-Park vier Festnahmen sowie zahlreiche Identitätsfeststellungen und Anzeigen durchgeführt. Dennoch wird die Polizei mit der Situation oft nicht gerecht. Lochner kritisiert die unzureichende Polizeipräsenz und die mangelnde Verfolgung des Drogenhandels. Die Polizei hingegen betont ihr Engagement und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Einheiten, die täglich zwischen 9 und 21 Uhr aktiv sind.
Neben der Erhöhung der Polizeipräsenz stehen auch Forderungen nach zusätzlichen Suchthilfezentren in der Stadt im Raum. Diese Forderung wird von vielen Anwohnern unterstützt, die sich eine deutliche Verbesserung der Situation wünschen. Die Probleme sind nicht nur ein lokales Phänomen: Der Drogenkonsum im öffentlichen Raum wird in vielen Städten zunehmend sichtbar und betrifft Bahnhöfe, Parks, sowie Plätze, wobei die Gefahr von liegengebliebenen Spritzen für Kinder nicht unterschätzt werden darf. [BMWSB]
Die Diskussion über den Drogenkonsum in öffentlichen Räumen ist ein drängendes Thema, das nicht nur in Wien, sondern auch deutschlandweit zur Debatte steht. Ministerin Klara Geywitz hat in diesem Zusammenhang ein Fachgespräch ins Leben gerufen, um den öffentlichen Raum sicher und attraktiv zu gestalten und zugleich Drogenkonsumenten nicht zu stigmatisieren, sondern ihnen Hilfe anzubieten.