In Margareten, ganz konkret am Mittersteig, tut sich wieder etwas Spannendes. Nach fast 30 Jahren des Stillstands wird das unterirdische Jugendstil-Theater, das 1911 unter einem Wohnblock fertiggestellt wurde, wiederbelebt. Die lange Geschichte des Theaters ist reich an Wendungen und Schicksalen. Nach dem ersten, eher erfolglosen Betrieb wurde es in ein Kino mit 600 Plätzen umgestaltet, doch die Konkurrenz war groß: Ein Theater für 1200 Besucher in der Favoritenstraße setzte dem Mittersteig-Kino arg zu. Im Laufe der Jahre wechselten die Besitzer, und die Nutzung des Theaters wandelte sich immer wieder, von den 20er-Jahren, als es an die Republik verpfändet wurde, bis hin zu seiner Verwendung als Bordell nach dem Krieg und schließlich als Trainingsraum für Sportler, darunter Boxstar Hans Orsolics und Austropopper Rainhard Fendrich.

Ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Theaters begann 1993 mit einem kurzen Theaterexperiment, gefolgt von einer Nutzung als Lagerraum durch die Möbelfirma „Mala Strana“. Pläne zur Demolierung und Umwandlung in eine Tiefgarage scheiterten, und seit 2012 steht das Areal unter Denkmalschutz, nachdem es erfolgreich gegen die Errichtung eines Supermarktes mobilisiert wurde. In den letzten Jahrzehnten gingen und kamen zahlreiche Spekulanten, und auch die Pläne für ein John-Harris-Fitnesscenter scheiterten an der Corona-Pandemie.

Neue Perspektiven für das Mittersteig-Theater

Aktuell deuten die Arbeiten am Mittersteig 15 auf die Eröffnung einer Kunst-Galerie hin. Die BUWOG, die das „Athletic Center“ im März 2025 an die ZKS RABELLI GmbH verkauft hat, scheint hier neue Wege einschlagen zu wollen. Hinter der ZKS RABELLI GmbH steht der Multimillionär Mohammed Reza Akhavan Aghdam, der an 89 Firmen beteiligt ist, darunter 45 Prozent an JP-Immobilien. Gerüchte über eine mögliche Ausstellung der Sammlung Friedrichshof im Mittersteig machen die Runde und könnten dem Ort neues Leben einhauchen.

Doch nicht nur im Mittersteig tut sich was. Am 18. April fand der Coca-Cola Inclusion Run statt, der das Vienna City Marathon Wochenende eröffnete. Rund 1.000 Teilnehmer:innen verwandelten die Wiener Ringstraße in einen Ort der Begegnung und förderten die Integration von Menschen mit und ohne Behinderung. Diese Veranstaltung hat sich seit ihrer Initiierung im Jahr 2017 zu einem festen Bestandteil des Marathonwochenendes entwickelt. Es war bereits die neunte Auflage des Runs, der die Vielfalt und den Zusammenhalt in Wien feiert.

Wiener Theatergeschichte im Rückblick

Ein Blick auf die Theatergeschichte Wiens zeigt, dass das Theater am Mittersteig nicht allein steht in seiner wechselhaften Nutzung. Die Wurzeln des Theaters in Wien reichen bis ins Mittelalter zurück, wo christliche Dramen und Passionsspiele aufgeführt wurden. Im Zeitraum vom 14. bis 16. Jahrhundert entwickelten sich die Neidhartspiele und Bürger wurden zu Darstellern. Die Barockzeit brachte musikalische Theaterfeste und italienische Opern, während in der Josephinischen Ära wichtige Theaterneugründungen wie das Burgtheater und das Theater in der Josefstadt entstanden.

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Im 19. Jahrhundert erlebte die Theaterlandschaft Wiens eine Blütezeit, während das 20. Jahrhundert geprägt wurde von großen Privattheatern und der Etablierung der Wiener Aktionisten in den 1960er-Jahren. Die Kleinkunst- und Kabarettbühnen sind bis heute ein wichtiger Bestandteil der Wiener Kulturszene und zeigen, dass die Liebe zum Theater tief in der Wiener Seele verwurzelt ist.

Mit den aktuellen Entwicklungen am Mittersteig und dem Fokus auf Kunst und Kultur steht Wien erneut an der Schwelle zu einem neuen Kapitel in seiner reichen Theatergeschichte.