In Wien wird am 22. Jänner 2026 eine Live-Sprechstunde zu einem besonders sensiblen Thema stattfinden: sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Moderiert von Maria Harmer, werden in dieser Sprechstunde die Expertinnen Daniela Dörfler, Gynäkologin am AKH Wien, und Christine Bodendorfer, Psycho- und Traumatherapeutin, über die erschreckenden Auswirkungen dieser Thematik aufklären. Der Anlass ist nicht nur ein wichtiger Schritt zur Sensibilisierung, sondern auch eine Reaktion auf die alarmierenden Zahlen, die in einer internationalen Studie im Journal JAMA Pediatrics veröffentlicht wurden. Diese Studie zeigt, dass in Österreich schätzungsweise jedes dritte bis fünfte Mädchen von sexueller Gewalt betroffen ist, wobei in 95 % der Fälle die Täter Männer sind.

Die Dunkelziffer sexueller Gewalt gegen Kinder ist hoch, und Kinder haben ein zwei- bis dreifach höheres Risiko, Gewalterfahrungen zu machen. Diese Sprechstunde wird wichtige Informationen zu Anlaufstellen im Notfall, dem Vorgehen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch und langfristiger Hilfe für die Opfer bieten. Besonders besorgniserregend ist, dass viele Taten nicht zur Anzeige gebracht werden. In Deutschland erlebten 20 Prozent der Frauen sexualisierte Gewalt in ihrer Kindheit, ein erschreckendes Ausmaß, das auch in Österreich nicht anders sein dürfte. Diese Zahlen verdeutlichen das große Dunkelfeld, das weiterhin existiert, trotz wachsendem Bewusstsein für das Problem.

Hilfsangebote und Beratungsstellen

Für betroffene Mädchen und Frauen gibt es in Österreich zahlreiche Beratungsstellen, darunter die Mädchenberatung, die TAMAR – Beratungsstelle und die Kinder- und Jugendanwaltschaften. Ein weiterer wichtiger Anlaufpunkt ist die Notrufnummer 147 – Rat auf Draht, die speziell für Kinder und Jugendliche eingerichtet wurde. Auch Männer können sich an die Männerberatung „Nicht Täter werden!“ wenden, die vom Institut für Forensische Therapie angeboten wird. Es ist wichtig, dass Betroffene wissen, dass sie nicht alleine sind und Hilfe in Anspruch nehmen können.

Die Ergebnisse der Studie aus Deutschland zeigen, dass von den 12,7 Prozent der 18- bis 59-Jährigen, die als Minderjährige sexualisierte Gewalt erfahren haben, viele mehrfache Taten erlitten haben. Bei Mehrfachtaten dauerte der Missbrauch im Durchschnitt 3,4 Jahre. Mehr als 37 Prozent der Betroffenen berichteten zum ersten Mal über die erlittenen Taten, und nur 7 Prozent erstatteten tatsächlich Strafanzeige. Dies verdeutlicht die Schwierigkeit, mit solchen Erfahrungen umzugehen und die Scham, die oft damit verbunden ist.

Ein Blick auf die Zahlen

Die Polizeiliche Kriminalstatistik für Deutschland weist für 2024 insgesamt 16.354 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch aus. Dennoch erfassen diese Statistiken nur die angezeigten und strafrechtlich verfolgten Fälle, was bedeutet, dass die tatsächliche Zahl der Betroffenen weitaus höher sein dürfte. Insbesondere die Zunahme von Missbrauchsdarstellungen im Internet ist alarmierend, mit einem Anstieg von 21.868 Fällen im Jahr 2020 auf 52.455 Fälle im Jahr 2024. Dies zeigt, dass die digitale Welt ein zusätzlicher Risikofaktor für Kinder und Jugendliche ist.

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Die kommende Sprechstunde in Wien bietet nicht nur die Möglichkeit, über diese Themen zu sprechen, sondern auch konkrete Hilfe anzubieten. Die gesellschaftliche Verantwortung, Kinder und Jugendliche zu schützen, ist von größter Bedeutung. Nur durch Aufklärung, Zuhören und Handeln können wir dazu beitragen, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche endlich ein Tabuthema wird, das offen angesprochen und bekämpft werden muss. Weitere Informationen und Unterstützung finden Sie auch unter OE1 sowie ZDF heute und Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.