Wien wird zum Dorf: Renate Schwarzmüllers faszinierendes Projekt
Renate Schwarzmüller dokumentiert mit „Wien is a Dorf“ dörfliche Qualitäten in Wien und erforscht die Umfrageergebnisse zu Dorfgefühlen.

Wien wird zum Dorf: Renate Schwarzmüllers faszinierendes Projekt
Inmitten des urbanen Treibens Wiens hat sich die Fotografin Renate Schwarzmüller auf eine spannende Entdeckungsreise begeben. Ihr Projekt „Wien is a Dorf“ widmet sich der Dokumentation jener stillen Mikro-Orte, die oft im Schatten der großen Sehenswürdigkeiten stehen und wo das städtische Leben eine neue, fast dörfliche Dimension annimmt. Seit 30 Jahren lebt die gebürtige Oberösterreicherin in Wien und möchte mit ihrer Arbeit ein Gefühl für die dörflichen Qualitäten der Stadt vermitteln. Sie untersucht, was „Dorf“ eigentlich bedeutet – sowohl geografisch, architektonisch als auch emotional. Wie der Kurier berichtet, haben dabei über 700 Personen an einer Umfrage zu ihren persönlichen Dorfgefühlen teilgenommen.
Die ersten Ergebnisse aus dieser Erhebung zeigen klar, dass „Dorf“ in Wien vor allem für Nähe steht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer assoziieren Begriffe wie Gemeinschaft, Geborgenheit sowie auch Enge und Kleinheit mit dem Dorf. Besonders interessant: Trotz eines spürbaren Rückgangs der Kircheneintritte ist die Verbindung zur Kirche bei vielen Teilnehmenden stark ausgeprägt. Nostalgische Erinnerungen an Kindheitstage, die von Maibaumaufstellen und Blasmusik geprägt sind, runden das Bild ab. Dabei kann die überwiegende Mehrheit der Befragten den geflügelten Spruch „Wien ist ein Dorf“ nur allzu gut nachvollziehen.
Die Bildsprache der Straße
Doch was wäre ein Projekt über Wien ohne die visuelle Darstellung dieses urbanen Lebens? Die Street-Fotografie spielt hierbei eine zentrale Rolle. Sie gilt als eine der einflussreichsten Kunstformen, die sich auf das städtische Leben konzentriert und die besondere Atmosphäre der Stadt in ausdrucksstarken Bildern einfängt. Diese Fotografie zeigt die Vielfalt der urbanen Umgebung und dokumentiert, was das Leben in einer Stadt ausmacht. Wie auf faksimile-digital erläutert wird, sind es oft die kleinen Momente des Alltags, die das Wesen der Stadt widerspiegeln. Street-Fotografen haben den Blick für Licht und Schatten, Bewegung und Stillstand – sie fangen die Interaktionen zwischen Menschen und ihrer Umgebung ein und zeigen sowohl das bunte Treiben auf belebten Plätzen als auch die Abschottung in den ruhigeren Gassen.
Diese Kunstform erfordert nicht nur eine gute Technik, sondern vor allem auch eine große Sensibilität. Die Fotografin oder der Fotograf muss die Privatsphäre der Menschen achten und die richtigen Momente einfangen, die zeigen, wie sich das soziale Gefüge im städtischen Raum bewegt. Auch diese Aspekte fließen in das Projekt von Schwarzmüller ein, denn die Darstellung des Lebens in der Stadt ist mehr als nur eine momentane Abbildung, sie ist ein Zeugnis sozialer und kultureller Veränderungen.
Ein Stadtteil als Kunstwerk
Schwarzmüllers Projekt bringt nicht nur dörfliche Aspekte des städtischen Lebens zur Geltung, sondern fordert auch die Zuschauer:innen auf, sich mit ihrer eigenen Wahrnehmung der Stadt auseinanderzusetzen. „Wien is a Dorf“ ist mehr als nur ein Projekt – es ist ein Dialog über die verschiedenen Facetten des Lebens in dieser kulturellen Metropole. Und während das Projekt läuft, wird die Umfrage weiterhin online angeboten, um das Verständnis für diese geheimen Seiten Wiens weiter zu vertiefen.
In einer Zeit, in der Ort und Gemeinschaft immer wichtiger werden, zeigt Renate Schwarzmüller mit ihrer Arbeit, dass der ländliche Charme immer noch in den Straßen von Wien zu finden ist. Es ist eine Einladung, die Stadt neu zu entdecken.