In Wien gibt es viele Facetten und Geschichten, die oft im Schatten der großen Stadt stehen. Renate Schwarzmüller, eine Fotografin aus Oberösterreich, hat sich in ihrem Projekt „Wien is a Dorf“ zum Ziel gesetzt, genau diese dörflichen Qualitäten der Stadt zu dokumentieren. Seit 30 Jahren lebt sie in Wien und hat in dieser Zeit eine tiefe Verbundenheit zu den stillen, oft übersehenen Mikro-Orten entwickelt, an denen die Großstadt ihren Maßstab verliert. Diese Orte sind für Schwarzmüller ein Fenster in die Seele der Stadt, wo Gemeinschaft und Geborgenheit spürbar werden, aber auch Enge und Kleinheit.

Ein zentraler Aspekt ihres Projekts ist eine Meinungsumfrage zu „persönlichen Dorfgefühlen“ in Wien, an der über 700 Personen teilgenommen haben. Die erste Analyse zeigt, dass „Dorf“ in Wien vor allem eine Form von Nähe bedeutet, geprägt von sozialer Dichte. Besonders bemerkenswert ist, dass viele Umfrageteilnehmer die Kirche mit dem Dorfbegriff verbinden, trotz der allgemein steigenden Kirchenaustritte. 97 Prozent der Befragten kennen den Spruch „Wien ist ein Dorf“, was darauf hindeutet, dass dieses Gefühl tief in der Wiener Bevölkerung verankert ist. Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, kann die Umfrage online einsehen (hier).

Einblick in die Kindheit und Gemeinschaft

Für Schwarzmüller selbst ist das Dorfgefühl eng verbunden mit nostalgischen Kindheitserinnerungen, wie dem Maibaumaufstellen oder den Ortsfußballmeisterschaften. Diese Erlebnisse haben ihr Verständnis von Gemeinschaft geprägt. Nach vielen Jahren in der Großstadt vermisst sie vor allem ihre Familie und das Eingebundensein in ihren Karateverein in Steyr. Diese persönlichen Erfahrungen machen ihr Projekt so authentisch und berührend. Sie ist nicht nur eine Beobachterin, sondern auch eine Teilnehmende, die mit ihren Bildern Geschichten erzählt, die oft unbeachtet bleiben.

Ein weiterer Aspekt, den Schwarzmüller in ihrer Arbeit beleuchtet, ist die Rolle von Kunstprojekten für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Solche Projekte bieten nicht nur Raum für Kreativität, sondern stärken auch das Gemeinschaftsgefühl und die soziale Integration. Wie im Spiegel zu lesen ist, können Fotografie und Kunst dabei helfen, soziale Missstände sichtbar zu machen und den Teilnehmenden eine Stimme zu geben.

Die Bedeutung der Street-Fotografie

Schwarzmüllers Ansatz lässt sich auch im Kontext der Street-Fotografie betrachten, einer Kunstform, die das städtische Leben in all seinen Facetten einfängt. Diese Fotografie ist ein kraftvolles Medium, um die Atmosphäre und Vielfalt urbaner Umgebungen zu dokumentieren. Sie erfordert ein geschultes Auge und Sensibilität, um die Einzigartigkeit des städtischen Lebens authentisch festzuhalten. Die Straßen Wiens bieten unzählige Motive, von lebhaften Plätzen bis hin zu versteckten Gassen.

Street-Fotografie ermöglicht nicht nur einen einzigartigen Einblick in das pulsierende Leben der Stadt, sondern dokumentiert auch soziale und kulturelle Veränderungen. Sie kann als Mittel des Protests dienen, indem sie auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam macht. Diese Kunstform trägt dazu bei, das Bewusstsein für städtische Themen zu schärfen und Diskussionen über die Stadtentwicklung anzuregen. Der Blick des Fotografen ist entscheidend, denn er muss die Interaktion zwischen Menschen und ihrer Umgebung einfangen, um die Komplexität des urbanen Lebens zu reflektieren. Weitere Informationen zur Street-Fotografie finden Sie hier.

Insgesamt zeigt das Projekt „Wien is a Dorf“ von Renate Schwarzmüller eindrucksvoll, wie wichtig es ist, die kleinen, oft übersehenen Orte in einer Großstadt zu würdigen. Es lädt uns ein, über unsere eigenen „Dorfgefühle“ nachzudenken und die Vielfalt unserer urbanen Lebensräume zu schätzen.