In der dynamischen Medienlandschaft Österreichs tut sich etwas: Eine neue Initiative, die Digitale Allianz, wurde ins Leben gerufen. Die Initiatoren Gerlinde Hinterleitner, Stefan Apfl und Stefan Lassnig haben sich zusammengefunden, um eine Plattform für unabhängige Medien, Formate und Medienschaffende zu schaffen. Ziel ist es, die zukünftige Medienproduktion zu stärken, innovative Finanzierungsmodelle zu entwickeln und den Journalismus in Österreich auf ein neues Level zu heben. Diese Allianz möchte sich nicht als klassische Interessensvertretung oder Lobbying-Verband positionieren, sondern vielmehr als ein Ort des offenen Dialogs und der Zusammenarbeit. Angesichts der Neugestaltung des Fördersystems in Österreich steht derzeit die Interessenvertretung im Vordergrund.
Die Digitale Allianz sieht sich als Plattform für Wissenstransfer und Vernetzung. Um teilnehmen zu können, müssen Medien die Presseratsregeln akzeptieren und Creator:innen die Ethikrichtlinien des IAA-Creator-Hubs. Damit wird ein konstruktiver Austausch zwischen digitalen und analogen Medien, Podcaster:innen und journalistischen Influencer:innen gefördert. Die Initiatoren betonen die Notwendigkeit einer neuen Medienökonomie, die den digitalen Wandel vorantreibt. Eine Studie von Andy Kaltenbrunner zur Neugestaltung der Journalismusförderung dient als Grundlage für die Diskussionen über die Herausforderungen der Medienlandschaft in Österreich.
Ein notwendiger Wandel
Am 16.04.2026 präsentierten Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler sowie Studienautor Dr. Andy Kaltenbrunner die Studie „Journalismusförderung in Österreich“. Diese Untersuchung beschreibt die „dramatischen ökonomischen Verwerfungen“ in der Medienlandschaft und stellt fest, dass sich der Journalismus in Österreich in einer „existenzbedrohenden Situation“ befindet. Der Fokus der Reform liegt auf der Neuausrichtung des Fördersystems: Weg von der Unterstützung bestehender Strukturen, hin zur gezielten Förderung von qualitativ hochwertigem Journalismus und Innovation.
Die Analyse zeigt eine strukturelle Krise des Medienstandorts, gekennzeichnet durch sinkende Werbeerlöse und einen Rückgang journalistischer Beschäftigung. Aktuell sind nur noch 4.600 bis 4.800 Journalistinnen und Journalisten in Österreich tätig – ein dramatischer Rückgang im Vergleich zu über 7.000 im Jahr 2006. Ohne öffentliche Mittel wären nur wenige heimische Medienunternehmen wirtschaftlich abgesichert. Die Herausforderungen, die insbesondere durch internationale Konkurrenz und Digitalkonzerne entstehen, sind enorm.
Förderung mit Weitblick
Die Reform soll die Medienvielfalt stärken und neue Akteur:innen in den Markt bringen, insbesondere kleinere, digitale und gemeinwohlorientierte Medienprojekte. Eine unabhängige Journalismusförderkommission wird eingerichtet, die über die Vergabe der Fördermittel entscheidet. Diese Kommission prüft die Förderwürdigkeit und entwickelt verbindliche Qualitätskriterien. Es wird eine automatische Basisförderung für Medien eingeführt, die Journalist:innen beschäftigen, sowie ein prozentueller Zuschlag auf Erlöse aus digitalen Abonnements.
Die geplante neue Medienförderung sieht ein Budget von 110 Millionen Euro pro Jahr vor. 30 Millionen Euro sollen für journalistische Arbeitsplätze, 30 Millionen Euro für redaktionelle Infrastruktur und 20 Millionen Euro für digitale Abos verwendet werden. Die Umsetzung des neuen Systems erfolgt schrittweise bis 2028, um bestehende Strukturen geordnet zu überführen. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um den Journalismus in Österreich zukunftssicher zu gestalten und die Qualität zu erhöhen.
Inmitten dieser Entwicklungen äußern sich verschiedene Stimmen: Während die Journalistinnengewerkschaft in der GPA die Reformschritte begrüßt und faire Honorare sowie Redaktionsstatute fordert, zeigt sich die FPÖ skeptisch und sieht die Studie als Angriff auf die Pressefreiheit. Auch der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) äußert Bedenken gegenüber dem „radikalen Umbau“ des Fördersystems und fordert die Umsetzung bereits zugesicherter Fördermaßnahmen.
Die Digitale Allianz könnte ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung sein, um den Herausforderungen der modernen Medienwelt zu begegnen und eine nachhaltige Zukunft für den Journalismus in Österreich zu gestalten. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Reformen greifen und welche Auswirkungen sie auf die Medienlandschaft haben werden.