In der letzten Bezirksvertretungssitzung in Landstraße stand die Umgestaltung der Landstraßer Hauptstraße im Mittelpunkt. Besonders die Grünen, unter der Leitung von Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Siegrid Widhalm, übten harsche Kritik an den aktuellen Plänen der SPÖ, vertreten durch Bezirksvorsteher Erich Hohenberger und Mobilitätsstadträtin Ulli Sima. Ein zentraler Punkt der Diskussion war der Vorschlag, die Hauptstraße in der Adventzeit autofrei zu gestalten. Widhalm und ihre Partei setzen sich für mehr Platz für Fußgänger und eine Verbesserung der Lebensqualität ein. Die Idee, einen autofreien Adventsamstag zu veranstalten, wurde schließlich angenommen, jedoch fehlte zum Zeitpunkt der Sitzung ein Veranstalter für die geplante Veranstaltung am 13. Dezember.
Bereits vor über einem halben Jahr hatten Hohenberger und Sima ein erstes Konzept zur Umgestaltung der Landstraßer Hauptstraße vorgestellt, wobei der Baustart für den ersten Abschnitt zwischen Juchgasse und Schlachthausgasse für März 2026 geplant ist. Das Budget für 2026 sorgt jedoch für Sorgenfalten, da im Voranschlag keine spezifischen Mittel für die Hauptstraße aufgeführt sind. Widhalm zeigte sich besorgt über diesen Umstand, während Hohenberger versicherte, dass die Finanzierung gesichert ist. Gespräche über die Projektkosten laufen momentan und sollen im Herbst intensiviert werden. Die Stadt könnte dabei bis zu 80 Prozent der Kosten übernehmen, ähnlich wie bei der Simmeringer Hauptstraße.
Kritik und Bedenken
Die Grünen stellen immer wieder Anfragen zur Umgestaltung und zu den tiefgefrorenen Budgetposten. Besonders brisant ist die Tatsache, dass die Bezirksvorstehung erklärt hat, die Posten im Voranschlag fehlten, weil die Gespräche über die Kosten noch im Gange sind. Momentan scheint der symbolische Beitrag von 100 Euro der einzige, der im Budget auftaucht. Diese Situation hat das Misstrauen geschürt und gibt Anlass zur Sorge über die Durchsetzbarkeit der Pläne.
Die Diskussion um eine autofreie Adventzeit steht im Kontext eines immer größeren globalen Trends. Initiativen wie der „World Carfree Day“ unterstreichen die Vorteile von weniger Autoverkehr in Städten, von denen auch Landstraße profitieren könnte. Laut einer Umfrage in Deutschland können sich 29% der Bevölkerung ein Leben in einer autofreien Stadt vorstellen, eine Zahl, die in urbanen Gebieten zweifellos höher liegt. Das Interesse an einer solchen Lebensweise steigt vor allem bei jüngeren Menschen, während ältere Generationen oft an ihrem eigenen Wagen festhalten.
Potenziale der autofreien Stadt
Die Vorteile einer Reduktion des motorisierten Individualverkehrs sind vielschichtig: gesundheitliche und soziale Aspekte, ökonomische Vorteile durch die Anziehung von Touristen und ökologische Aspekte zur Erreichung von Klimazielen stehen im Vordergrund. Erfolgreiche Beispiele für autofreie Städte wie Oslo und Kopenhagen zeigen, dass solche Konzepte nicht nur umsetzbar, sondern auch vorteilhaft für den lokalen Handel sind, da mehr Fußgänger und Radfahrer in die Innenstadt strömen.
Die kommende Organisation des autofreien Adventsamstags wird spannend zu beobachten sein. Innerhalb von rund zehn Wochen muss ein geeigneter Veranstalter gefunden werden, um die Umsetzung möglich zu machen. Die Zeit drängt, doch die Beteiligung der Bürger und der Dialog sind entscheidend für das Gelingen solcher Projekte. Wie die Entwicklungen in Landstraße zeigen, wird es wichtig sein, alle Stakeholder an einen Tisch zu bringen, um eine nachhaltige Verkehrslösung für die Zukunft zu finden.
Die Diskussion um die Landstraßer Hauptstraße könnte einen wichtigen Impuls für eine lebenswertere Stadt geben. Wenn es gelingt, die Bedenken in den Budgetierungsfragen auszuräumen und effektive Absprachen zu treffen, könnte Wien mit seiner Hauptstraße einen weiteren Schritt in Richtung autofreier Zukunft wagen. Die Anzeichen stehen günstig – bleiben wir gespannt auf die nächsten Schritte!
Mehr zu den Hintergründen und Informationen zur Umgestaltung finden Sie auf MeinBezirk, Landstraße-bewegt und Stiftung für Zukunftsfragen.