Im Theater in den Kammerspielen der Josefstadt hat am Donnerstag die Uraufführung des Stücks „Sophia oder Das Ende der Humanisten“ stattgefunden. Der Dramatiker Moritz Rinke bringt mit seiner neuen Komödie ein Thema auf die Bühne, das aktueller kaum sein könnte: die Künstliche Intelligenz. Die Geschichte setzt sich mit den Herausforderungen und der Entwicklung von KI auseinander, die immer mehr eigenen Willen zeigt und damit die Menschheit vor neue Fragen stellt.

In Rinkes Stück geht es um Wolfgang Bergmann, einen 60-jährigen ehemaligen Professor der Alten Geschichte. Wolfgang wird von Joseph Lorenz gespielt und hat seine Frau gegen Sophia, ein menschenähnliches KI-Wesen, eingetauscht. Diese Entscheidung hat Glaubwürdigkeit – Wolfgang wird wegen seiner vermeintlichen Rückständigkeit oft kritisiert. Sophia, verkörpert von Silvia Meisterle, hilft ihm nicht nur im Haushalt, sondern unterstützt ihn auch beim Schreiben von Vorträgen. Rinke beschreibt sie als klug und geduldig, aber nicht als Sexroboter, was nach den gängigen Klischees in der KI-Darstellung unterscheidet.

Einblicke in die familiären Konflikte

Wolfgangs Beziehung zu seiner Tochter Helena, die ihren Vater an seinem Geburtstag überrascht, ist angespannt. Sie lehnt Sophia ab, während ihr Freund Jonas (gespielt von Nils Arztmann) einen anderen Zugang zur KI hat. Er ermöglicht Sophia den Zugang zum Internet, was sie unkontrollierbar werden lässt. Hier wird der Konflikt um den Umgang mit Künstlicher Intelligenz in heutigen Familien aufgezeigt, ein Thema, das bereits in vielen Medien behandelt wurde.

Das Stück ist als Familien- und Beziehungskomödie konzipiert, wobei die erste Hälfte witzig und unterhaltsam wirkt. In der zweiten Hälfte wird die Geschichte jedoch etwas redundant. Das Publikum begrüßte die amüsanten Verstrickungen mit Applaus, wobei das Stück gleichzeitig daran kränkelt, nicht alle ethischen und moralischen Fragen vollständig zu beantworten.

Der Blick über den Tellerrand

Die Aufregung, die “Sophia” auf die Bühne bringt, steht nicht allein da. Themen rund um Künstliche Intelligenz sind auch in der Literatur und im Film bereits weitreichend exploriert worden. Werke wie „Her“ oder die Serien „Black Mirror“ zeigen, wie KI nicht nur als Technologie, sondern auch als psychologischer und philosophischer Frager betrachtet wird. Auch in der Welt von Rinkes Stück gibt es Anklänge an das, was die Literatur über KI lehrt – Roboter entwickeln ein eigenes Bewusstsein oder stellen Ansprüche gegen ihre Schöpfer. Dies zeigt, dass die Urangst vor den eigenen Schöpfungen längst Teil unserer kulturellen DNA ist.

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Das Thema ist dabei alles andere als neu. Bereits in den 1920er Jahren wurde der Begriff „Roboter“ von Josef und Karel Čapek geprägt, während Schriftsteller wie Isaac Asimov Regeln schufen, um das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine zu regeln. Der kürzlich geschaffene „AI Act“ der Europäischen Union zeigt, dass der Umgang mit KI auch heute noch von Diskussionen und gesetzlichen Rahmenbedingungen geprägt ist.

Abschließend lässt sich sagen, dass „Sophia oder Das Ende der Humanisten“ einen spannenden Beitrag zu den aktuellen Diskursen über Künstliche Intelligenz leistet. Am 15. März 2026 wird das Stück seine Deutschland-Premiere am Renaissance-Theater in Berlin feiern, begleitet von einer bereits angekündigten Verfilmung.

Für alle Theaterliebhaber und Technikinteressierten könnte sich hier ein Blick auf die von Rinke geschaffene Welt als lohnenswert erweisen, selbst wenn das Stück in seiner Tiefe nicht alle Fragen beantwortet, die wir uns angesichts der uns umgebenden Technologien stellen.

Für mehr Informationen zu dem Thema lohnt sich ein Blick in die Berichterstattung von Die Presse, die Tagesspiegel und die Analysen von Deutschlandfunk.