In der Justizanstalt Wien-Josefstadt, dem größten Gefängnis Österreichs mit über 68.000 m² und rund 1.200 Inhaftierten, wurde ein bemerkenswerter Schritt in Richtung einer gemeinsamen seelsorgerischen Betreuung der Gefangenen unternommen. Erzbischof Josef Grünwidl und Bischöfin Cornelia Richter haben eine Erklärung zur Zusammenarbeit unterzeichnet, die das Ziel verfolgt, ein ökumenisches Seelsorgeteam zu bilden. Dieses Team setzt sich aus verschiedenen Persönlichkeiten zusammen, darunter Florian Toth, Szilárd Wagner, Jonathan Werner, Cornelia Richter, Josef Grünwidl, Daniela Schwimbersky, Alexandra Keisler-Dité und P. Helmut Schumacher SJ. Damit wird ein starkes Zeichen für die Überwindung historisch gewachsener konfessioneller Differenzen gesetzt.
Die Erklärung betont, dass konfessionelle Unterschiede selten von Bedeutung sind und beide Kirchen die Absicht haben, enger zusammenzuarbeiten. Die Kapellen der beiden Kirchen werden künftig gemeinsam als sakrale Räume genutzt, und die Gottesdienste werden gegenseitig unterstützt. Unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit sind alle Inhaftierten herzlich willkommen, was die Tür zu einem inklusiven und respektvollen Miteinander öffnet. Jonathan Werner, Anstaltsseelsorger, hebt das Miteinander der verschiedenen Konfessionen und Religionen hervor und zeigt damit, wie wichtig ein solches Zusammenkommen ist.
Ein neuer Weg in der Gefängnisseelsorge
Die Vereinbarung zwischen den Kirchen stellt den Beginn einer intensiveren Zusammenarbeit in der Gefängnisseelsorge dar. Zukünftig wird auch eine Kooperation mit orthodoxen und muslimischen Seelsorgern angestrebt, was die spirituelle Vielfalt in der Justizanstalt weiter bereichern wird. Die Hauptaufgabe der Gefängnisseelsorge besteht darin, die Inhaftierten zu unterstützen, Gottesdienste abzuhalten und spirituelle Gruppen zu leiten. Dabei orientiert sich die Seelsorge an den Worten Jesu: „Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen“ (Matthäus 25,36).
Erzbischof Grünwidl unterstreicht die Pluralität und Vielfalt in der Kirche, während Bischöfin Richter die Inhaftierten ermutigt, in schwierigen Zeiten auf Gott zu vertrauen. Diese Botschaften sind von zentraler Bedeutung für die Menschen in der Justizanstalt, die oft mit persönlichen Herausforderungen und Krisen konfrontiert sind.
Unterstützung für Angehörige und Entlassene
Die Gefängnisseelsorge geht jedoch über die Betreuung der Inhaftierten hinaus. Seelsorgerinnen und Seelsorger unterstützen auch die Angehörigen von Gefangenen und Haftentlassene. Sie garantieren Verschwiegenheit im Rahmen des „Beichtgeheimnisses“, was ein hohes Maß an Vertrauen schafft. Die Evangelische Gefängnisseelsorge ist über die Website www.gefaengnisseelsorge.at erreichbar, die als Portal für alle dient, die mit dem Thema Strafvollzug in Berührung kommen.
Die Website bietet nicht nur Kontaktdaten der zuständigen Gefängnisseelsorger*innen für bestimmte Justizanstalten, sondern auch Informationen zu theologischen Ansätzen und konkreten Projekten. In Österreich ist für jede Justizanstalt mindestens ein evangelischer Seelsorger oder eine Seelsorgerin bestellt, und die Rechte sowie Pflichten dieser Seelsorger sind in einem Generalvertrag mit der Republik geregelt. Das Justizministerium unterstützt die Arbeit der Gefängnisseelsorge finanziell, was die wichtige Rolle dieser Institution unterstreicht.
Insgesamt zeigt die neue Zusammenarbeit in der Justizanstalt Wien-Josefstadt, wie wichtig ein gemeinsames Miteinander der verschiedenen Religionen ist. Hier wird nicht nur der Glaube gelebt, sondern auch eine Brücke zu den Menschen gebaut, die oft in der Dunkelheit gefangen sind. Ein Schritt in eine hoffnungsvolle Zukunft!