Die iranische Community in Österreich hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, besonders nach dem Tod des Ayatollah Ali Khamenei, der die Diaspora in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Früher als „weißer Fleck“ in der Migrationsforschung bezeichnet, ist die Integration iranischer Zuwanderer in die österreichische Gesellschaft als besonders erfolgreich zu bewerten. Viele iranische Fachkräfte, darunter Ärztinnen, Ärzte, Künstler und Kulturschaffende, bereichern das öffentliche Leben in Österreich. Prominente Mitglieder der Community wie Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer, Houchang Allahyari, Filmemacher und Psychiater, sowie die Kabarettisten Michael Niavarani und Aida Loos sind nur einige Beispiele für die gelungene Integration.

Judith Kohlenberger, Kulturwissenschafterin und Migrationsforscherin, bestätigt diesen positiven Eindruck und beschreibt die iranische Migrationsbewegung als hochqualifiziert und bildungsorientiert. Der höhere Bildungsgrad der Zuwanderer erleichtert nicht nur das Erlernen neuer Sprachen, sondern auch die soziale Integration. Farzaneh Emadi, die vor über 30 Jahren aus politischen Gründen nach Wien kam, hebt den Bildungsdrang in der iranischen Community hervor. Viele iranische Ärzte und Professoren mussten in der Vergangenheit als Taxifahrer arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren.

Integration und politisches Engagement

Die iranische Mentalität und Geschichte, geprägt von politischer Fremdherrschaft, fördern die Integration in Österreich. Gleichzeitig ist das politische Engagement der iranischen Diaspora hoch: viele nehmen aktiv an Demonstrationen für Demokratie und Freiheit teil. Kohlenberger hebt hervor, dass die Community in Österreich stark gegen das Regime im Iran eingestellt ist. Die Rahmenbedingungen in Österreich seit den 1950er-Jahren, als viele iranische Studierende hierher kamen, haben diese erfolgreiche Integration weiter erleichtert.

Allerdings ist die politische Situation im Iran nach wie vor ein großes Thema, das auch iranische Studierende in Österreich betrifft. Viele von ihnen erleben finanzielle Not, Sorgen um Familie und Freunde sowie psychische Belastungen und Unsicherheiten über ihre Zukunft. Die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH) hat deshalb einen neuen Notfallfonds, den SAFE Fund (Support for Academic Freedom and Education), eingerichtet. Ziel des Fonds ist es, den Zugang zur Hochschulbildung und akademischen Teilhabe für die betroffenen Studierenden zu sichern.

Unterstützungsangebote für iranische Studierende

Die Antragstellung für den SAFE Fund soll ab Mitte Februar 2026 über die Webseite der ÖH möglich sein. Die Unterstützung orientiert sich an bestehenden sozialen Fördermodellen, und die maximale Förderhöhe beträgt rund 1.000 Euro pro Person, abhängig von individueller sozialer Bedürftigkeit. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner betont die Verbindung von akademischer Freiheit und demokratischen Werten und sieht den SAFE Fund als Teil einer breiteren Initiative zum Schutz von Wissenschaftsfreiheit und Demokratie.

Rund 3.000 iranische Studierende sind derzeit an Hochschulen in Österreich eingeschrieben. Trotz der schwierigen Umstände gibt es jedoch keine geplanten Erlassregelungen für die Studienbeiträge. Die rechtliche Lage und Unterstützungsmöglichkeiten für diese Studierenden sind wichtig, und die ÖH bietet in finanzieller Notlage auch einen Sozialfonds an. Zudem gibt es Möglichkeiten zur Beurlaubung bei nachweislicher Erkrankung, die den Studienfortschritt hindert.

Die Unterstützung für iranische Studierende ist ein wichtiges Thema, das nicht nur die Bildung betrifft, sondern auch die gesellschaftliche Integration und das psychische Wohlbefinden. Die psychologische Studierendenberatung steht als erste Anlaufstelle für Unterstützung in schwierigen Situationen zur Verfügung.

Die iranische Community in Österreich zeigt, wie Migration nicht nur Herausforderungen mit sich bringt, sondern auch Chancen für Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt bietet. Der Austausch zwischen Kulturen ist eine Bereicherung für die gesamte Gesellschaft und sollte weiter gefördert werden.