In einer Entscheidung, die in der Wiener Innenstadt für Aufregung sorgt, tritt ab Mai 2024 ein Verbot für den Ticketverkauf in Verkleidung von „Mozarts“ in Kraft. Dieses Verbot betrifft zentrale Plätze wie den Stephansplatz, den Graben, die Kärntner Straße und den Herbert-von-Karajan-Platz. Der Hintergrund sind die zunehmenden Beschwerden über das Verhalten der Verkäufer sowie Verstöße gegen Regelungen bei Kontrollen, wie der Kurier berichtet.

Die Betroffenen, wie Ibrahim Murtezi, der seit über 15 Jahren als Ticketverkäufer für das „Wiener Mozart Konzert“ am Michaelerplatz arbeitet, sind innerhalb der Szene alarmiert. Zusammen mit seinem Kollegen Valon Aliu äußert Murtezi seine Bestürzung über die drohenden Jobverluste durch das Verbot. „Das Programm hat sich bewährt, die Touristen sind begeistert“, bringt er seine Sichtweise auf den Punkt.

Qualität und Ordnung im Fokus

Norbert Kettner, Geschäftsführer des WienTourismus, sieht in der neuen Verordnung einen bedeutenden Schritt zur Qualitätssteigerung im Tourismussektor. Er hebt hervor, dass die Stadt Wien als Premiumdestination wahrgenommen werden möchte, und appelliert an die Notwendigkeit, den öffentlichen Raum zu schützen. „Die im Straßenverkauf angebotenen Tickets entsprechen nicht immer dem Qualitätsversprechen“, erklärt Kettner und bedankt sich bei der Stadt Wien für die Initiative. Das Verbot sei zudem eine Antwort auf die langjährigen Forderungen der Wiener Bevölkerung, die sich laut einer aktuellen Umfrage mehrheitlich für eine strengere Regulierung des Straßenverkaufs ausspricht. Insgesamt sprechen sich 55 Prozent der Wiener:innen dafür aus, den Straßenverkauf zu reglementieren, während neun von zehn Befragten eine positive Grundhaltung zum Tourismus haben, jedoch Wert auf geordnete Strukturen legen.

Gertraud Schmidt von der Wirtschaftskammer Wien sieht das Verbot als eine Erleichterung für Fremdenführer, da es bestehende Probleme mit gefälschten Tickets eindämmen könnte. Die wirtschaftlichen Sorgen von Verkäufern wie Mentor Konjuhi, der seit über 25 Jahren im Ticketvertrieb tätig ist, bleiben jedoch bestehen. Er befürchtet, dass Wien ohne Straßenverkäufer Einnahmen verlieren könnte, was die Diskussion um den Wert der Straßenverkäufer in der Tourismuslandschaft weiter anheizt.

Der Weg in die Zukunft

Philipp Grünbacher, Geschäftsführer des Wiener Mozart Konzertes, übt Kritik an dem geplanten Verbot und fordert klare und faire Regeln, die die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen. „Die Vernichtung von Arbeitsplätzen sollte nicht die Lösung sein“, so seine Meinung zu den geplanten Maßnahmen. Vor dem Inkrafttreten des Verbots ist eine vierwöchige Begutachtungsfrist vorgesehen, in der Stellungnahmen der Betroffenen eingeholt werden sollen, was vielleicht noch Raum für Veränderungen lässt.

So bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Während das Verbot für einige eine Chance auf ein qualitativ höherwertiges Tourismusangebot darstellt, sehen andere darin eine Bedrohung für bestehende Arbeitsplätze. Eins ist klar: In der Debatte um den Ticketvertrieb in Wiens Innenstadt stehen viele Interessen auf dem Spiel, die respektiert und berücksichtigt werden sollten.