In Wien wird das kreative Erbe einer der aufregendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts jetzt gebührend gefeiert. Die Albertina zeigt bis zum 22. Februar eine beeindruckende Ausstellung der Fotografin Lisette Model, die von Richard Cocketts Buch „Stadt der Ideen – Als Wien die moderne Welt erfand“ inspiriert ist. Cockett beleuchtet in seinem 2024 veröffentlichten Werk die wirtschaftlichen und intellektuellen Pioniere dieser Stadt, und Lisette Model gehört ohne Zweifel zu diesen herausragenden Persönlichkeiten.
Lissette Model, geboren als Elise Amélie Félicie Stern in eine wohlhabende Familie in Wien im Jahr 1901, emigrierte 1926 erst nach Frankreich und dann 1938 in die USA. Ihr einzigartiger Bildstil und ihre provokante Herangehensweise an die Fotografie machten sie schnell zur Wegbereiterin der „Street Photography“. Mit ihren eindringlichen Bildern dokumentierte sie das Leben der Menschen in New York und anderen Städten, während sie oft mit außergewöhnlichen Bildausschnitten und kreativen Nachbearbeitungstechniken experimentierte.
Der unverwechselbare Stil von Lisette Model
Die Ausstellung in der Albertina zeigt eine Vielzahl von Modells bedeutendsten Werken, darunter Fotografien, die touristische Szenen in Nizza beleuchten – eine ihrer ersten großen Serien aus dem Jahr 1934. Diese Bilder, die Touristen unvorteilhaft ablichten, setzen sich mit den sozialen Kontrasten der Zeit auseinander. Ein bemerkenswertes Bild aus dieser Serie zeigt den Kontrast zwischen reichen Urlaubern und einer Bettlerin, das in der Illustrierten Regards von 1935 veröffentlicht wurde. Die Ausstellung stellt die Frage, ob Model ihre Kunst als Mittel des Klassenkampfes betrachtete, liefert jedoch keine eindeutige Antwort und lädt die Besucher somit zur eigenen Interpretation ein.
Besonders eindrucksvoll ist das Foto der Jazzsängerin Billie Holiday, die 1959 aufgebahrt für ihre Totenwache fotografiert wurde. Diese Bilder lassen die emotionale Tiefe von Models Werk spüren. Monika Faber, die Gründungschefin der Albertina-Fotosammlung, war bereits 2000 dafür verantwortlich, eine Ausstellung von Model in der Kunsthalle Wien zu kuratieren, wodurch diese künstlerische Auseinandersetzung mit der Fotografie erneut aufgegriffen wird.
Ein Blick hinter die Kulissen
Obwohl Lisette Model in den 1930er-Jahren eine angesehene Fotografin war, blieb sie nicht von Schwierigkeiten verschont. Nach einem Verhör durch das FBI im Jahr 1954 brach ihre berufliche Laufbahn ein und geplante Projekte, wie ein Buch über Jazzmusiker, blieben unvollendet. Die emotionalen und nicht vordergründig agitatorischen Bilderserien in der Albertina geben jedoch einen tiefen Einblick in ihre künstlerische Vision.
Der Name Lisette selbst hat eine interessante Bedeutung und Ursprung. Dieser hübsche Mädchenname mit hebräischem Ursprung bedeutet „Gott ist mein Eid“. Lisette ist eine Variante von Elizabeth und erfreut sich auch heute als Vorname großer Beliebtheit, auch wenn sie in den letzten Jahren im Ranking etwas gefallen ist. Dennoch bleibt Lisette ein zeitlos schöner Name, der viele Variationen wie Lyzette oder Lissette hat und in den Top 35% der gängigsten Namen für Frauen steht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Albertina mit dieser Ausstellung ein wertvolles Stück Wiener Geschichte und Fotografie präsentiert, das weit über die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Medium hinausgeht. Lisette Models Werke laden dazu ein, über soziale Kontraste und die menschliche Erfahrung nachzudenken – ein spannendes Event, das in der kulturellen Landschaft Wiens seinesgleichen sucht.