In den letzten Jahren hat sich der Begriff der „Souveränität“ in Diskussionen über Innovation in Europa als zentral erwiesen. Besonders für Unternehmen ist es entscheidend, eine klare Innovationsstrategie zu verfolgen. Dabei stehen Fragen im Raum wie: Welche Produkte sollen selbst entwickelt werden? Wo können Kooperationen mit europäischen Startups sinnvoll sein? Und wo ist es ratsam, Lösungen internationaler Konzerne abzulehnen? Diese Fragen sind nicht nur theoretischer Natur, sondern beeinflussen die Handlungsfähigkeit der Unternehmen direkt. Handlungsfähigkeit bedeutet, Systeme so zu gestalten, dass sie auch unter Druck funktionsfähig bleiben, ohne alles selbst besitzen zu müssen. Dies erfordert eine flexible und resiliente Herangehensweise. Die brutkasten-Serie „Corporate Venturing“ unterstützt diese Überlegungen und wird getragen von Institutionen wie der AKELA und der Raiffeisen Bank International AG, um nur einige zu nennen (brutkasten).
Ein entscheidendes Element in diesem Kontext ist das Konzept des „Minimum Viable Ecosystem“ (MVE). Unternehmen müssen nicht nur ihre eigenen Technologien betrachten, sondern auch die gesamte Wertschöpfungskette einbeziehen, um die Stabilität des Gesamtsystems zu testen. Ein Beispiel hierfür ist ein Automobilhersteller, der in ein Batterie-Startup investiert. Hierbei ist es wichtig, auch Recycling-Spezialisten und Anbieter von Energiemanagement-Software in die Überlegungen einzubeziehen. Der Fokus auf Zusammenarbeit und das bewusste Gestalten von Ökosystemen könnte Corporate Venturing somit zu einem wichtigen Hebel für Resilienz machen.
Resilienz als Schlüssel zur Handlungsfähigkeit
Um Resilienz zu gewährleisten, müssen Unternehmen essenzielle Geschäftsprozesse identifizieren und sichern. Der „Minimum Viable Company“ (MVC)-Ansatz hilft dabei, die kritischsten Abläufe zu priorisieren, die für eine Wiederherstellung nach Ausfällen oder Cyberangriffen notwendig sind. Essenzielle Bestandteile einer MVC variieren je nach Branche, etwa Produktionslinien in der Industrie oder Patientensysteme im Gesundheitswesen. Indem Unternehmen ihre wichtigsten Ressourcen, Daten und Prozesse schützen, können sie die negativen Auswirkungen von Cyberangriffen deutlich reduzieren (IT-Sicherheit).
Ein gut definierter MVC erfordert einen klaren „Top-Down“-Ansatz zur Abstimmung zwischen Führungskräften. Dabei ist die Analyse kritischer Geschäftsabläufe und IT-Abhängigkeiten von zentraler Bedeutung. Regelmäßige Tests der Wiederherstellungspläne sind entscheidend, um Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren und zu beheben. Simulationen helfen dabei, die Lücken in den Plänen zu erkennen und die Prozesse kontinuierlich zu verbessern.
Vorbereitung auf zukünftige Krisen
Die Planung und Umsetzung eines MVC ist nicht nur eine reaktive Maßnahme, sondern auch eine strategische Notwendigkeit. Organisationen, die ihr MVC im Voraus definieren und regelmäßig testen, sind besser in der Lage, sich an Veränderungen anzupassen und gewinnen Wettbewerbsvorteile. In Krisensituationen müssen Unternehmen in der Lage sein, ihre wesentlichen Dienstleistungen und Prozesse aufrechtzuerhalten, um finanzielle und operationale Viabilität zu sichern. Nach der Wiederherstellung des MVC sollte der Fokus auf dem Wiederaufbau nachhaltiger Operationen liegen und die vollständige Funktionsfähigkeit angestrebt werden (PwC).
Insgesamt zeigt sich, dass Souveränität, Resilienz und die Entwicklung eines Minimum Viable Ecosystem zentrale Aspekte für die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen sind. Durch gezielte Kooperationen und die Schaffung stabiler Systeme können Unternehmen nicht nur aktuelle Herausforderungen meistern, sondern sich auch für zukünftige Krisen wappnen.