Am Stephansplatz in Wien haben Tierschutzaktivisten eine stille Mahnwache gehalten, die ein trauriges Licht auf die jüngsten Tragödien rund um Fiakerpferde wirft. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat zu diesem Gedenken aufgerufen, um den Pferden zu ehren, die in den vergangenen Wochen bei unglücklichen Fiakerunfällen ums Leben kamen. Unter den jüngsten Vorfällen war der Zusammenbruch des 30-jährigen Fiakerpferdes „Tommy“ in Wien-Simmering, welches am Unfallort euthanasiert werden musste. Nur eine Woche später kam es zu einem weiteren schweren Vorfall, als ein Fiakergespann auf einer Schienenstraße verunglückte, und der Kutscher dem gestürzten Pferd nicht umgehend zu Hilfe leistete.
Wie die Pressefeuer berichtet, dokumentiert der VGT seit Jahren Unfälle mit Fiakerpferden und stellt besorgniserregende Statistiken auf. Laut diesen gibt es häufig Kollisionen mit Straßenbahnen, und die Hitze des Asphalts verursacht, dass viele Pferde zusammenbrechen. Die ausbleibende Altersgrenze für Fiakerpferde wirft außerdem ethische Fragen auf. Durchschnittlich erreichen Pferde eine Lebenserwartung zwischen 25 und 30 Jahren – damit entsprechen 30-jährige Tiere dem Lebensalter eines 90-jährigen Menschen.
Umfassende Diskussion um Fiakerpferde
Die Fiakerindustrie hat einen großen wirtschaftlichen Einfluss auf den Tourismus in Wien; jährlich ziehen rund 40 Fiakerunternehmen mit etwa 400 Pferden Hunderttausende Touristen an. Während es in anderen Städten wie Barcelona und Amsterdam bereits Verbote oder Regelungen gegen Pferdekutschen gibt, fehlen in Wien ähnliche Maßnahmen. Trotz der Popularität der Fiaker gibt es eine wachsende Besorgnis hinsichtlich des Tierwohls; umfragen zufolge zeigen vor allem jüngere Reisende Bedenken. Eine Überprüfung der Gesundheitskontrollen für Fiakerpferde, die sich nach der Wiener Fiaker-Ordnung von 1998 richten, wird ebenfalls gefordert. Diese wurde zuletzt 2019 überarbeitet, jedoch kritisieren Tierschutzorganisationen die Oberflächlichkeit der Kontrollen und verlangen eine gründlichere Untersuchung.
Die Pferde.de verweist auf ähnliche Entwicklungen in Deutschland, wo es in den letzten Jahren zu zahlreichen schweren Unfällen mit Pferdekutschen kam. Hier waren in den letzten 12 Monaten 38 Unfälle zu verzeichnen, wobei auch Verletzungen von Menschen und Tieren die traurige Bilanz ziehen. Ein solches Maß an Unfällen führt in Deutschland dazu, dass Organisationen wie „PETA“ ein generelles Verbot von Pferdekutschen fordern, da die Sicherheitsstandards als unzureichend angesehen werden. Die Unfälle sind häufig auf das Erschrecken der Pferde zurückzuführen, was auf eine mangelhafte Beachtung von Sicherheitsvorkehrungen hindeutet.
Politische Reaktionen und Alternativen
In der Wiener Stadtpolitik sind die Ansichten über die Zukunft der Fiakerpferde spalterisch. Während die SPÖ auf Dialog setzt, fordern die Grünen und NEOS strengere Regulierungsperspektiven. Stadtrat Peter Hacker (SPÖ) kündigte an, eine Überprüfung der bestehenden Regelungen in Bezug auf Fiakerpferde vorzunehmen. Zukünftige Entscheidungen könnten nicht nur die Sicherheit der Tiere, sondern auch die Rolle Wiens als progressive europäische Hauptstadt entscheidend beeinflussen.
Tierschutzaktivisten planen indes weitere Aktionen, sollte die Stadt Wien nicht auf die eindringlichen Forderungen reagieren. Technologische Alternativen wie elektrische Kutschen werden als mögliche Lösungen in Aussicht gestellt, die sowohl den Tierschutz als auch die touristische Tradition der Stadt respektieren könnten. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion rund um die Fiakerpferde entwickeln wird und welche Maßnahmen letztendlich ergriffen werden, um das Wohl der Tiere zu sichern.



