Heute ist der 13.03.2026 und die österreichische Medienlandschaft steht vor einem Umbruch. Ingrid Thurnher, 63 Jahre alt und bisher ORF-Radiochefin, übernimmt vorübergehend die Leitung des Österreichischen Rundfunks (ORF). Sie wurde einstimmig vom ORF-Stiftungsrat zur geschäftsführenden Generaldirektorin gewählt, nachdem ihr Vorgänger, Roland Weißmann, aufgrund von Vorwürfen sexueller Belästigung einer Kollegin zurücktreten musste. Weißmann bestreitet die Anschuldigungen vehement.

Thurnher äußerte zu ihrer neuen Rolle gemischte Gefühle und betonte die Notwendigkeit von „voller Transparenz“. In ihrem Bestreben, das Vertrauen des Publikums zurückzugewinnen, kündigte sie eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle an. Um diese Vorwürfe umfassend zu untersuchen, wird eine Taskforce eingerichtet, die sich speziell mit den Belästigungsvorwürfen gegen Weißmann befassen wird. Die Vorwürfe, die sich auf den Beginn von Weißmanns Amtszeit im Jahr 2022 beziehen, werfen zudem Fragen im Stiftungsrat auf, insbesondere in Bezug auf die Umstände, die zu seinem Rücktritt führten.

Hintergründe und Herausforderungen

Die Herausforderungen, vor denen Thurnher steht, sind nicht zu unterschätzen. Roland Weißmann galt als Favorit für die zukünftige Position des ORF-Intendanten, die im August 2024 neu besetzt werden soll. Ein FPÖ-Stiftungsratsmitglied, Peter Westenthaler, brachte zudem eine jahrelange Auseinandersetzung um den Pensionsvertrag eines leitenden Mitarbeiters ins Spiel, was die Situation zusätzlich kompliziert. Der betroffene Mitarbeiter hat zwar von einer nicht akzeptierten vertraglichen Zusage berichtet, bestreitet jedoch einen Zusammenhang mit den aktuellen Vorwürfen gegen Weißmann.

Ingrid Thurnher bringt eine umfangreiche Erfahrung im ORF mit und ist sich der Verantwortung, die mit ihrer neuen Rolle einhergeht, bewusst. Sie ist die erste Frau an der Spitze des ORF und sieht sich in der Position, nicht nur die Geschicke des Unternehmens zu lenken, sondern auch ein Zeichen gegen Sexismus und für Gleichstellung zu setzen.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Im Kontext der laufenden Diskussionen um sexuelle Belästigung in Medienunternehmen ist es bemerkenswert, dass die Gleichstellungsbeauftragten von ARD, ZDF, ORF und Deutsche Welle am Weltfrauentag den „Baukasten gegen Sexismus“ vorgestellt haben. Dieser Katalog umfasst sowohl verpflichtende als auch freiwillige Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und wurde entwickelt, um die Ziele des Bündnisses gegen Sexismus innerhalb der Rundfunkanstalten zu verwirklichen. Die Maßnahmen werden schrittweise umgesetzt und von den Gleichstellungsbeauftragten kontrolliert.

Zu den notwendigen Maßnahmen gehören klare Leitlinien, die Einrichtung einer Beschwerdestelle sowie verpflichtende Anti-Sexismus-Schulungen für Führungskräfte. Der ARD-Vorsitzende Kai Gniffke hat die Bedeutung eines respektvollen, diskriminierungsfreien Miteinanders betont. Dies sind Schritte, die nicht nur den ORF, sondern das gesamte Medienumfeld in Österreich nachhaltig verändern könnten.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Situation um den ORF entwickelt und ob Ingrid Thurnher in der Lage sein wird, das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen und einen nachhaltigen Wandel zu bewirken. Die Herausforderungen sind groß, doch die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben, ist greifbar.