In der Pfarrkirche zu Dornbach, einem Stadtteil von Wien, hat eine Orgel mit 25 Pfeifenregistern eine bewegte Geschichte hinter sich. Diese Orgel wurde Mitte der 1960er Jahre unter der Initiative des bekannten Organisten Anton Heiller gebaut und im Januar 1965 im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses eingeweiht. Sie war die erste vollmechanische Orgel in einem Konzertsaal Europas und erfreute sich großer Beliebtheit.

Doch nach weniger als dreißig Jahren stand die Orgel vor einer neuen Herausforderung: Sie musste aufgrund von Renovierungsarbeiten im Mozartsaal entfernt werden. Ihre Reise führte sie in die Pfarrkirche Korneuburg, wo sich jedoch herausstellte, dass sie für den gottesdienstlichen Gebrauch nicht geeignet war. Im Jahr 2015 fand die Orgel schließlich ihren Weg zurück nach Wien, diesmal in die historische Pfarrkirche zu Dornbach, die eng mit Anton Heillers Werdegang verknüpft ist. Hier begann er in den 1930er Jahren seine Karriere als Organist.

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Anton Heiller: Ein Leben für die Orgel

Anton Heiller, geboren am 15. September 1923 in Wien, war nicht nur ein herausragender Organist, sondern auch Cembalist, Komponist und Dirigent. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt er bei Wilhelm Mück, dem Organisten des Stephansdoms. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er als Sanitäter diente, studierte er an der Wiener Musikakademie und schloss 1945 ab. Er wurde schnell als Orgel-Lehrer an der Akademie tätig und erhielt 1957 die Professur.

Heiller war ein virtuoser Konzertorganist, der sich auf Werke von Johann Sebastian Bach spezialisiert hatte. Er tourte durch Europa und die USA, wo seine Orgelkonzerte, besonders an der Harvard University, sehr geschätzt wurden. Seine Karriere umfasste zahlreiche Konzerte, Vorträge und Schallplattenaufnahmen, und er gewann 1952 den Internationalen Orgelwettbewerb in Haarlem, Niederlande. Über seine Lehrtätigkeit hinaus prägte er viele bedeutende Organisten des 20. und 21. Jahrhunderts.

Ein Erbe der Kirchenmusik

Heillers kompositorisches Schaffen war vielfältig, und er schuf vorwiegend kirchliche Werke sowie Kompositionen für Orgel. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählen ein Orgelkonzert aus dem Jahr 1963 und ein Konzert für Orgel und Cembalo von 1972. Dabei verband er traditionelle österreichische Musik mit modernen Elementen, einschließlich der Zwölftontechnik. Trotz seiner Erfolge in der Aufführungstechnik, blieben viele seiner Werke weniger bekannt.

Sein Einfluss auf die Kirchenmusik in Österreich und Süddeutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist unbestreitbar. Heiller erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Wiener Kulturpreis (1963) und den Großen Österreichischen Staatspreis (1969). Er starb unerwartet am 25. März 1979 in Wien, was einen großen Verlust für die Musikwelt darstellt. Sein Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof ist ihm ehrenhalber gewidmet.

Die Orgel in der Pfarrkirche zu Dornbach ist nicht nur ein musikalisches Instrument, sondern auch ein wertvolles Stück Geschichte, das die Verbindung zwischen Anton Heiller und der Wiener Musiktradition lebendig hält. Für Musikliebhaber und Geschichtsfans ist sie ein Symbol für das reiche kulturelle Erbe Österreichs.

Weitere Informationen zu Anton Heiller und der Orgel finden Sie in den ausführlichen Berichten auf Die Presse, Wikipedia und anton-heiller.com.