Heute ist der 10.03.2026. In St. Johann bei Herberstein findet derzeit die Frühjahrsvollversammlung der österreichischen Bischöfe statt. Die Versammlung, die am Montag begann und vier Tage dauern wird, hat sich von Beginn an mit einem besonders brisanten Thema auseinandergesetzt: der weltweiten Situation verfolgter Christen. Dabei stehen vor allem die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine im Fokus. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, hat angekündigt, dass die Bischöfe sich politisch zu diesen Konflikten äußern werden. Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl hebt hervor, dass Christen die „meistverfolgte Religionsgemeinschaft“ sind und dass die Bischöfe darauf aufmerksam machen wollen.
Die Versammlung zielt darauf ab, die „Friedensethik zu stärken“ und Perspektiven für die Zukunft zu bewahren. Für die Diskussion der Themen konnten auch Vertreter des Bundeskanzleramtes, des Innenministeriums sowie von Organisationen wie „Kirche in Not“ und „Open Doors“ gewonnen werden, die über Christenfeindlichkeit referieren. Besonders bewegend war der Bericht einer Christin aus Syrien, die in Saudi-Arabien geboren wurde und seit 15 Jahren in Österreich lebt. Sie schilderte eindrucksvoll ihre Erfahrungen in einem von Konflikten geprägten Umfeld und beleuchtet die Herausforderungen, mit denen verfolgte Christen konfrontiert sind.
Die Situation in Gaza und die Traumatisierung von Kindern
Während die Bischöfe sich mit den Herausforderungen der verfolgten Christen auseinandersetzen, läuft im Gaza-Streifen eine humanitäre Krise, die nicht ignoriert werden kann. In einem Interview mit Psychotherapeutin Katrin Glatz Brubakk wird die dramatische Situation der Kinder in Gaza beleuchtet. Die Kapazitäten zur Behandlung von traumatisierten Kindern reichen nicht aus, was die Notlage noch verschärft. Andreas Goetze beschreibt die Gesellschaften der Israelis und Palästinenser als zutiefst verwundet, geprägt von gegenseitigen Vernichtungsfantasien. Das vorherrschende Narrativ auf beiden Seiten lautet: „Wir sind die Opfer.“ Diese Sichtweise führt zu einem Verlust von Sicherheit, Gemeinschaft und Identität, der Generationen prägen wird.
Die allgegenwärtige Hoffnungslosigkeit verstärkt die Traumata und wirft einen Schatten auf die Zukunft. Vor diesem Hintergrund sind auch die jüngsten politischen Äußerungen von Donald Trump zu betrachten, der eine Übernahme des Gaza-Streifens durch die USA und die Aussiedlung der Palästinenser:innen propagiert. Solche Aussagen werden von Teilen der jüdisch-israelischen Rechten begrüßt, während andere fassungslos und besorgt reagieren. Die Aussage „We have to clear it out“ wird von vielen als Aufruf zur ethnischen Säuberung interpretiert. In Deutschland fühlen sich viele Menschen angesichts der Nachrichtenlage hilflos und fassungslos, während Goetze seine langjährige Verbindung zu Menschen in der Region betont, die sowohl Jüdinnen, Juden als auch Christ:innen und Muslim:innen umfassen.
Ein Aufruf zur Solidarität
Die Herausforderungen, vor denen die verfolgten Christen und die Menschen im Nahen Osten stehen, sind enorm und erfordern dringend unsere Aufmerksamkeit und Solidarität. Die Frühjahrsvollversammlung der österreichischen Bischöfe in St. Johann bei Herberstein bietet eine Plattform, um diese Themen zu diskutieren und mögliche Lösungsansätze zu erarbeiten. Die Bischöfe setzen sich dafür ein, die Friedensethik zu stärken und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Diese Initiativen können nur erfolgreich sein, wenn sie von einem breiten gesellschaftlichen Engagement unterstützt werden. Es ist an der Zeit, dass wir uns gemeinsam für eine friedlichere und gerechtere Welt einsetzen, in der die Rechte aller Menschen, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit, geachtet werden.
Für weitere Informationen zu den Herausforderungen, vor denen verfolgte Christen stehen, und den politischen Konstellationen im Nahen Osten, besuchen Sie bitte die Artikel auf Die Tagespost und EKHN.