Heute, am 8. April 2026, steht die Siedlung Wienerfeld West in Favoriten im Fokus eines besonderen Umzugs: Die heimischen Feldhamster müssen aufgrund von anstehenden Neubauprojekten in der Umgebung umgesiedelt werden. Ehemalige Mieter der Gemeindebauten sind bereits vor drei Jahren ausgezogen, und nun haben sich die geschützten Tiere in den Gärten der verlassenen Anlage angesiedelt. Die geplante Absiedlung sorgt jedoch für Besorgnis unter den Anrainern.
Silvia Herzog, eine betroffene Anrainerin, äußert ihre Bedenken, dass die Hamster möglicherweise zur stark befahrenen Laxenburger Straße zurückkehren könnten. Um dies zu verhindern, hat das Landschaftsarchitekturbüro „Land in Sicht“ die Verantwortung für die Umsiedlung übernommen. Die Kosten für dieses aufwendige Projekt belaufen sich auf bis zu 30.000 Euro. Um die Hamster sicher einzufangen, kommen Lebendfallen zum Einsatz, und es wurden bereits Vorkehrungen im neuen Gebiet getroffen, um den Tieren ein angenehmes Zuhause zu bieten.
Schutzmaßnahmen und Monitoring
Technische Barrieren wurden errichtet, um ein Zurücklaufen der Hamster zur Straße zu verhindern. Felix Hofer, Landschaftsarchitekt, betont, dass das Areal regelmäßig überwacht wird. Sofortige Maßnahmen sollen ergriffen werden, falls Hamsterversuche in Richtung Laxenburger Straße festgestellt werden. Diese Initiative ist nicht nur lokal von Bedeutung, sondern wirft auch ein Licht auf die alarmierenden Rückgänge der Feldhamsterbestände in Europa.
In Deutschland sind die Bestände der Feldhamster um 99 Prozent zurückgegangen, und die Art steht weltweit auf der Roten Liste der IUCN als vom Aussterben bedroht. Ab 2024 wird in Deutschland mit dem Nachzüchten der Feldhamster begonnen. Ein Pilotprojekt des Arbeitskreises Kooperativer Feldhamsterschutz des NABU Sachsen, in Zusammenarbeit mit dem Zoo Leipzig, dem Bergzoo Halle und dem Tierpark Berlin, zielt darauf ab, die Art zu retten. Im Jahr 2024 wurden bereits 71 Feldhamster erfolgreich ausgewildert, gefolgt von 15 weiteren im Mai 2025.
Langfristige Perspektiven
Für 2025 wird mit der Auswilderung von fast dreimal so vielen Feldhamstern wie im ersten Jahr gerechnet. Die zukünftige Heimat dieser Tiere wird das letzte sächsische Vorkommensgebiet nördlich von Leipzig sein. In diesem Zusammenhang werden zusätzliche geschützte Lebensräume geschaffen, die insgesamt fünf Hektar groß sind. Die Äcker werden von Landwirten mit Wildblumen, Klee, Luzerne sowie Winterweizen und -roggen bewirtschaftet, wodurch den Hamstern auch im Winter Nahrung zur Verfügung steht.
Die Flächen sind mit Elektrozäunen vor Räubern geschützt und werden ständig überwacht. Wissenschaftliche Monitoring-Maßnahmen haben bereits über 200 Hamsterbaue auf der Auswilderungsfläche nachgewiesen. Langfristig erfordert der Schutz der Feldhamster jedoch optimale Lebensbedingungen außerhalb der Schutzflächen, weshalb fehlende Korridore zur Verbindung neuer Feldhamster-Gebiete durch Landwirte geschaffen werden müssen.
Die Situation in Favoriten ist ein Teil einer größeren Herausforderung: Der Erhalt der Feldhamsterpopulationen ist nicht nur eine lokale, sondern eine globale Verantwortung. Die Bemühungen in Wien und Deutschland zeigen, wie wichtig es ist, schützenswerte Arten aktiv zu fördern und ihre Lebensräume zu schützen. Die Entwicklungen in Favoriten könnten als Modell für weitere Projekte zur Rettung dieser bedrohten Art dienen. Weitere Informationen finden Sie in den Berichten von oe24 und National Geographic.