In Wien, genauer gesagt im Stadtteil Favoriten, sorgt ein Umzug ganz besonderer Art für Aufregung. Um diesem Umzug der Feldhamster in der Siedlung Wienerfeld West beizustehen, sollen die kleinen Nager von ihrem aktuellen Wohnort in Gärten einer verlassenen Gemeindebau-Anlage auf eine angrenzende Wiese umgesiedelt werden. Dabei handelt es sich nicht nur um irgendeinen Umzug – die Feldhamster sind eine vom Aussterben bedrohte Art und stehen auf der Roten Liste der IUCN, wie bereits nationalgeographic.de berichtet. Die Besorgnis der Anrainer ist daher mehr als verständlich.
Die Siedlung, aus der die Hamster abwandern, wurde vor drei Jahren von den ehemaligen Mietern geräumt, und seither haben sich die pelzigen Geschöpfe dort eingenistet. Jetzt, da Neubauprojekte bevorstehen, hat das Landschaftsarchitekturbüro „Land in Sicht“ die Aufgabe übernommen, die Hamster sicher umzusetzen. Die Kosten für dieses Vorhaben belaufen sich auf bis zu 30.000 Euro, ein Preis, der dem Schutz dieser geschützten Tiere Rechnung trägt.
Hürdentraining für Hamster
Die Herausforderungen sind groß: Um die kleinen Tiere sicher zu fangen, werden spezielle Lebendfallen eingesetzt. Das Team rund um den Landschaftsarchitekten Felix Hofer hat bereits Maßnahmen getroffen, um sicherzustellen, dass die Hamster an ihrem neuen Standort, der für sie ein angenehmes Zuhause bieten soll, bleiben können. Dazu wurden technische Barrieren errichtet, um ein ungewolltes Zurücklaufen zur stark befahrenen Laxenburger Straße zu verhindern. Anrainerin Silvia Herzog hat ihre Bedenken geäußert, dass die Hamster, trotz aller Vorkehrungen, zu ihrem früheren Wohnort zurückkehren könnten. Um dem entgegenzuwirken, wird das Areal regelmäßig überwacht und bei Bedarf sofortige Maßnahmen ergriffen, sollten Hamsterversuche in Richtung Laxenburger Straße festgestellt werden.
Doch die Situation der Feldhamster ist nicht nur in Wien ein Problem. In Deutschland ist der Bestand dieser Tierart um erschreckende 99 Prozent zurückgegangen. Dabei ist diese Art nicht nur eine wichtige Komponente im ökologischen Gefüge, sondern ihre Erhaltung ist auch ein kulturelles Erbe, das es zu bewahren gilt. nationalgeographic.de berichtet von einem Pilotprojekt in Deutschland, wo Feldhamster nachgezüchtet und mittlerweile erfolgreich ausgewildert werden. So konnten zum Beispiel im Mai 2025 weitere 15 Hamster in die Freiheit entlassen werden.
Ein aktiver Schutz ist gefragt
Für den langfristigen Schutz der Feldhamster in Wien und darüber hinaus sind optimale Lebensbedingungen unabdingbar. Äcker, die von Landwirten mit Wildblumen, Klee und anderen Futterpflanzen bewirtschaftet werden, spielen eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus müssen weitere Landwirte mit einbezogen werden, um Korridore zu schaffen, die die einzelnen Vorkommen miteinander verbinden. Dies ist besonders wichtig, da die Hamster auch im Winter auf Nahrungsreserven angewiesen sind, die durch den Anbau von Wintergetreide bereitgestellt werden.
Die Anrainer in Favoriten müssen sich also nicht nur mit der Umsiedlung der Hamster auseinandersetzen, sondern auch mit den Fragen des Artenschutzes und der Verantwortung für die Natur in ihrer Umgebung. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Situation entwickelt und ob die kleinen Nager eine neue, sichere Heimat finden werden.