Dunkelziffer alarmierend: Jedes dritte Mädchen Opfer sexueller Gewalt!
Am 22.01.2026 diskutieren Experten in Wien über sexuelle Gewalt an Kindern. Informieren Sie sich über Hilfsangebote und aktuelle Studien.

Dunkelziffer alarmierend: Jedes dritte Mädchen Opfer sexueller Gewalt!
Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen ist ein Thema, das oft im Schatten bleibt, aber drängender nicht sein könnte. Eine Live-Sprechstunde, moderiert von Maria Harmer, findet am 22. Jänner 2026 um 16:05 Uhr im österreichischen Rundfunk statt. Zu den Expertinnen gehören Daniela Dörfler, Gynäkologin am AKH Wien, und Christine Bodendorfer, Psycho- und Traumatherapeutin. Im Fokus der Diskussion stehen unter anderem Anlaufstellen im Notfall, das Vorgehen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch sowie die langfristige Unterstützung für betroffene Kinder und Jugendliche.
Eine internationale Studie, veröffentlicht im Journal JAMA Pediatrics, deckt auf, dass die Dunkelziffer sexueller Gewalt gegen Kinder alarmierend hoch ist. Schätzungen zufolge sind in Österreich jedes dritte bis fünfte Mädchen von sexueller Gewalt betroffen. Dies bestätigt auch eine andere Studie aus Deutschland, die zeigt, dass 20 Prozent der Frauen und 12,7 Prozent der 18- bis 59-Jährigen in den vergangenen Jahren als Kinder oder Jugendliche sexualisierte Gewalt erfahren haben. Der Studienkoordinator Harald Dreßing bezeichnet das Ausmaß als „erschreckend groß“ und verweist auf ein „großes Dunkelfeld“.
Die Realität der Betroffenen
Die Daten zeigen, dass in über 95 Prozent der Fälle die Täter männlich sind. Mädchen sind häufig im Familien- und Freundeskreis betroffen, während Jungen oft in Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie im kirchlichen Kontext zu Opfern werden. Diese Informationen zeigen auf, wie vielfältig die Problematik ist und wie wichtig es ist, dass Betroffene Unterstützung finden. Nur etwa sieben Prozent der Betroffenen erstatten tatsächlich Strafanzeige, obwohl fast 37 Prozent von ihnen zum ersten Mal über ihre Erlebnisse sprechen.
- 20 Prozent der Frauen erlebten sexualisierte Gewalt in der Kindheit.
- 12,7 Prozent der 18- bis 59-Jährigen wurden als Minderjährige Opfer.
- 95 Prozent der Täter sind Männer.
- Durchschnittliches Alter des ersten Missbrauchs: 11,2 Jahre.
- Über 32 Prozent berichteten von sexualisierter Gewalt über das Internet.
Diese Ergebnisse machte die Forschung notwendig, wie sie im Vergleich zwischen der Polizeilichen Kriminalstatistik und den Dunkelfeldstudien deutlich wird. Die Polizei erfasste 2024 insgesamt 16.354 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch und eine massive Zunahme bei Missbrauchsdarstellungen im Internet, die von 21.868 Fällen im Jahr 2020 auf 52.455 Fälle gestiegen sind. Die Dunkelziffer bleibt jedoch hoch, da viele Taten nicht angezeigt werden.
Beratung und Unterstützung
Für Betroffene gibt es in Österreich zahlreiche Beratungsstellen. So bietet „147 – Rat auf Draht“ eine Notrufnummer speziell für Kinder und Jugendliche an, während die „Mädchenberatung“ und „TAMAR“ weitere Anlaufstellen für Mädchen und Frauen darstellen. Um Präventionsarbeit zu leisten, ist es nötig, über diese Themen offen zu kommunizieren und Unterstützung anzubieten.
Das Bewusstsein zur Problematik wächst, und mit der bevorstehenden Sprechstunde sollen weitere Informationen und Hilfestellungen bereitgestellt werden. Auch Online-Ressourcen stehen zur Verfügung, um über sexualisierte Gewalt aufzuklären und Betroffenen Gehör zu verschaffen.
Für alle, die mehr erfahren möchten, sei der Hilfe-Telefon für sexuellen Missbrauch empfohlen: unter der Nummer 0800 22 55 530 erhaltet ihr montags, mittwochs und freitags von 9 bis 14 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15 bis 20 Uhr Unterstützung.
Weitere Informationen dazu und zu verwandten Themen findet ihr unter ORF, ZDF und Bundesbeauftragte für sexuellen Missbrauch.