Die Bücherei in der Bernoullistraße in Wien-Donaustadt steht vor einer Schließung. Am 26. Mai 2026 wird die beliebte Einrichtung ihre Türen für immer schließen, der letzte Öffnungstag ist der 22. Mai 2026. Diese Entscheidung fällt im Zuge des Abrisses des Gebäudekomplexes beim Schrödingerplatz, um Platz für ein neues Stadtquartier zu schaffen. Die Bezirksvorstehung hat bereits neue Standorte bezogen, während die Volkshochschule (VHS) und ein neues Jugendzentrum in Planung sind. Allerdings gibt es derzeit keine konkreten Pläne für einen Ersatzstandort der Bücherei. Die Rückgabe von ausgeliehenen Büchern wird nach der Schließung in anderen Büchereien möglich sein.

Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) hat bestätigt, dass die Planungen zur zukünftigen Entwicklung des Büchereistandorts unter Berücksichtigung der budgetären Rahmenbedingungen weitergeführt werden. Auch Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) hatte Ende 2022 einen Plan für den Schrödingerplatz vorgestellt, der eine „Große Bücherei“ vorsah. Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) hat sich dafür ausgesprochen, die Anzahl der Büchereien in der Donaustadt zu erhöhen und betont die Notwendigkeit von Ausbau und Modernisierung.

Neue Perspektiven für Bibliotheken in der Donaustadt

Aktuell gibt es in der Donaustadt lediglich zwei Büchereien, eine davon befindet sich im benachbarten Bezirk Floridsdorf. Anwohner äußern Bedenken, dass die verbleibenden Büchereien in der Seestadt und Kaisermühlen für den großen Bezirk nicht ausreichen werden. Der Bau des neuen Schrödingerplatz-Quartiers ist für 2027 geplant und könnte möglicherweise neue Möglichkeiten für kulturelle Angebote schaffen.

Ein neues Hochhausprojekt im Stadtteil Kagran könnte dabei eine Rolle spielen. Geplant ist ein 85 Meter hoher Turm, der eine städtische Bücherei beherbergen soll. Christoph Chorherr, der scheidende Planungssprecher der Wiener Grünen, präsentiert das Projekt als sein letztes. Die architektonische Ausgestaltung des Turms wird als ikonisch beschrieben. Der Standort, an der Kreuzung Wagramer Straße/Donaustadtstraße, befindet sich neben dem Donauzentrum, das die Fläche zur Verfügung stellt. Die Bibliothek wird eine Niederlassung der Büchereien Wien sein und soll den Nutzern eine Blickachse über die Wagramer Straße in Richtung Innenstadt bieten. Zudem wird die Möglichkeit einer Brücke über die Fahrbahn in Betracht gezogen.

Bedeutung der Bibliotheken für die Gesellschaft

Die Schließung der Bücherei in der Donaustadt und die geplanten neuen Projekte werfen ein Licht auf die Rolle von Bibliotheken in unserer Gesellschaft. Städtische Kultureinrichtungen tragen eine wichtige pädagogische Verantwortung, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Sie steigern nicht nur die kulturellen Bildungs- und Beteiligungsangebote, sondern erhöhen auch die Attraktivität von Wohn- und Wirtschaftsstandorten sowie den Tourismus. In wachsenden Städten übersteigt die Nachfrage nach Betreuungsangeboten oft das Angebot, was zu sozialen Segregationen führen kann.

Die nationale Stadtentwicklungspolitik hat daher die Unterstützung der kommunalen Ebene im Handlungsfeld Bildung und Kultur priorisiert. Insbesondere die Vernetzung in der kommunalen Bildungslandschaft hat hohe Priorität, um benachteiligte Sozialräume zu stabilisieren. Diese Entwicklungen und die geplanten neuen Büchereien könnten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Bildungsinfrastruktur in der Donaustadt leisten.

Die Zukunft der Bibliotheken in Wien bleibt spannend. Die Schließung der Bücherei in der Bernoullistraße ist ein Schritt, der sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich bringt. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den detaillierten Berichten auf meinbezirk.at und orf.at.