Das Großprojekt Vienna TwentyTwo im 22. Wiener Gemeindebezirk, genauer gesagt in Kagran, hat in den letzten Jahren für viel Aufsehen gesorgt. Der Rechnungshof hat die Entwicklungen rund um das Projekt nun einer detaillierten Untersuchung unterzogen. Entstanden auf einem ehemaligen Parkplatz nahe der U1-Station Kagran, wird das Projekt von der ARE Austrian Real Estate Development GmbH und der Signa Holding umgesetzt. Der Bau begann bereits 2016, wobei die Fertigstellung ursprünglich für 2022 geplant war. Doch wie so oft in der Bauwelt kam es zu Verzögerungen, die vor allem durch die Unterschätzung der Komplexität des Projekts durch die Projektpartner verursacht wurden.
Bislang umfasst das Bauvorhaben sechs Gebäude mit einer beeindruckenden Nutzfläche von 89.896 Quadratmetern, die sowohl Wohn- als auch Büroflächen sowie Beherbergungsmöglichkeiten bieten. Die beiden markantesten Bauteile sind zwei Türme mit Höhen von 110 und 155 Metern, wobei der 155-Meter-Turm mit Büros und Wohnungen aktuell fertiggestellt wird. Leider haben sich auch die Errichtungskosten von ursprünglich 212,55 Millionen Euro auf nunmehr 412,21 Millionen Euro nahezu verdoppelt, was einer Steigerung von 94% entspricht.
Projektkomplexität und Herausforderungen
Die Gründe für diese drastischen Kostensteigerungen sind vielschichtig. Neben der Bauzeitverlängerung und allgemeinen Baupreissteigerungen nennt der Rechnungshof auch mangelhafte Planungs- und Ausschreibungsqualität als entscheidende Faktoren. Zudem stiegen die Finanzierungskosten von 4,99 Millionen Euro auf beachtliche 36,66 Millionen Euro bis August 2024. Die ursprünglich geplante Rendite von 6,97% wird voraussichtlich nur bei 1,46% liegen.
Die Zusammenarbeit zwischen ARE Development und Signa gestaltete sich als schwierig, insbesondere in Bezug auf die Eigenkapitalquote und Verwertungsschritte. Signa drängte dabei auf eine Unterschreitung der vereinbarten Mindesteigenkapitalquote von 8%. In einem Wendepunkt übernahm ARE Development im Januar 2024 die Anteile von Signa, was auch strafrechtliche Ermittlungen gegen Personen im Zusammenhang mit der Signa-Unternehmensgruppe zur Zeit der Rechnungshof-Prüfung nach sich zog.
Risikomanagement und Projektmanagement
Ein weiterer kritischer Punkt, der in dem Bericht angesprochen wird, ist die fehlende standardisierte Risikobeurteilung durch ARE. Diese Mängel in der Dokumentation zur Zusammenarbeit zwischen ARE und Signa werfen Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf die Prüfzuständigkeit des Rechnungshofes, die bis zur Übernahme der Signa-Anteile umgangen wurde. Die gesamten Prüfungen reichten von 2016 bis 2024 und wurden durch die Einsetzung von 70 Konsulenten und Dienstleistern unterstützt, die das Projekt abwickeln sollten.
Um solche Komplikationen in Zukunft zu vermeiden, ist eine fundierte Ausbildung im Bereich Bauprojektmanagement unerlässlich. Erfolgreiche Projektmanager im Bauwesen müssen über praktische Erfahrung und spezifisches Fachwissen verfügen, um Projekte strukturiert zu planen und durchzuführen. Angebote wie die Seminare im Haus der Technik bieten wertvolle Weiterbildungsmöglichkeiten für Ingenieure, Bauprojektmanager und Architekten. Themen wie Projektverträge, Terminplanung und Risiko-Management werden dort behandelt, um die nächste Generation von Bauprojektmanagern optimal auf die Herausforderungen im Bauwesen vorzubereiten.
Das Projekt Vienna TwentyTwo bleibt weiterhin ein Brennpunkt für Diskussionen über Planung, Finanzierung und das Management großer Bauvorhaben in Wien. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, wie sich die Situation entwickelt und welche Lehren aus den gemachten Fehlern gezogen werden können.