Der Rechnungshof hat das gewaltige Bauprojekt Vienna TwentyTwo im 22. Wiener Gemeindebezirk unter die Lupe genommen. Dabei zeigt sich, dass die Dimensionen und die Komplexität des Vorhabens weit unterschätzt wurden. Ursprünglich als umwandelbarer Parkplatz an der U1-Station Kagran gedacht, hat sich das Projekt, realisiert von der ARE Austrian Real Estate Development GmbH und der Signa Holding, zu einer Herausforderung in der Stadtentwicklung entwickelt.

Der Bau wurde 2019 gestartet und umfasst sechs beeindruckende Bauteile, darunter zwei Türme mit Höhen von 110 und 155 Metern. Das Projekt sollte eigentlich 2022 abgeschlossen sein, jedoch kam es zu erheblichen Verzögerungen. Der Grund: Der Projektverlauf stellte sich als deutlich komplizierter heraus als anfänglich angenommen.DerStandard berichtet, dass der Bau des 155-Meter-Turms, der Wohn- und Büroflächen bieten wird, momentan in der Endphase steckt.

Kostendruck und planungstechnische Schwierigkeiten

Die Gesamtkosten für das Projekt schießen in die Höhe. Von ursprünglich 212,55 Millionen Euro haben sich die Errichtungskosten auf 412,21 Millionen Euro nahezu verdoppelt – ein Anstieg von 94 Prozent. Diese astronomische Kostensteigerung ist das Resultat aus verlängerten Bauzeiten, gestiegenen Preisen und einem Mangel an solider Planung und Ausschreibung.

Ein weiterer auffälliger Punkt ist die Finanzierung: Diese stieg von anfänglich 4,99 Millionen Euro auf bereits 36,66 Millionen Euro bis August 2024. Auch die ursprünglich geplante Rendite von 6,97 Prozent wird dramatisch auf eine voraussichtliche Rendite von nur 1,46 Prozent sinken. Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen ARE Development und Signa kam es obendrein zu Schwierigkeiten, insbesondere in Bezug auf Eigenkapital und Verwertungsschritte.Rechnungshof erklärte, dass Signa auf die Unterschreitung der vereinbarten Eigenkapitalquote von 8 Prozent drängte.

Ermittlungen und die Zukunft des Projekts

Ein weiteres erschreckendes Detail sind die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Personen, die zur Zeit der Rechnungshof-Prüfung mit der SIGNA-Unternehmensgruppe in Verbindung standen. Zudem fand die ARE keinen Standard für eine Risikobeurteilung der SIGNA, was an der mangelnden Prüfzuständigkeit bis zur Übernahme der Anteile seitens ARE Development liegen kann.

Für eine derartig komplexe und umfangreiche Projektabwicklung sind nicht nur technische Fertigkeiten gefragt. Laut den Experten vom Haus der Technik muss ein erfolgreicher Projektmanager im Bauwesen nicht nur klar planen und strukturieren, sondern auch flexibel auf auftretende Probleme reagieren können. Zudem sind Kenntnisse in rechtlichen Fragestellungen und Finanzauswertungen unerlässlich. Das Projekt informiert darüber, dass seit 2016 bereits 70 Konsulenten und Dienstleister tätig waren, was zusätzlich die Notwendigkeit für eine präzise und durchdachte Projektorganisation unterstreicht.

Der Rechnungshofbericht zu „VIENNA TWENTYTWO“ deckt alle Prüfungen von 2016 bis 2024 ab und wirft viele Fragen auf, insbesondere hinsichtlich der zukünftigen Perspektiven dieses großangelegten Vorhabens. Die Entwicklung der Baukosten, die künftige Zusammenarbeit zwischen den Projektpartnern und die generelle Umsetzung werden auch weiterhin genau beobachtet. Es bleibt spannend, wie sich dieses Mammutprojekt in der Wiener Donaustadt letztlich entwickeln wird – der Weg dahin ist noch lang und steinig.