In Wien brodelt es wieder einmal: Die Proteste gegen den umstrittenen Lobautunnel nehmen zu. Zwar sind bereits erste Bagger im nördlichen Teil der geplanten S1-Trasse eingetroffen, aber die Wiener Grünen machen mit einer neuen Kampagne ordentlich Druck gegen das Großprojekt. Laut derStandard ist der Slogan der Werbeaktion eindeutig: „Lobau oder Tunnel. Auf welcher Seite stehst du?“ Mit Plakaten und einer angepeilten Demonstration in Essling für Samstag zeigen die Umweltinitiativen, dass sie sich nicht so einfach geschlagen geben werden.

Die Aktivitäten der Grünen schließen sich an die bereits bestehenden Proteste an, die sich gegen den voranschreitenden Bau der Nordostumfahrung richten. Mehrere Anrainer- und Umweltinitiativen haben sich zusammengeschlossen, um auf die Gefahren dieses Projekts hinzuweisen. „Der Lobautunnel ist ein Milliardengrab und völlig überholt“, sagt die Grüne Politikerin Judith Pühringer. Sie befürchtet, dass mit dem Tunnelgewinn in der Natur ein echtes Juwel auf dem Spiel steht, das dringend geschützt werden sollte, so auch vienna.at.

Aufruf zur Demonstration

Während die Bagger anrollen, kündigen die Umweltinitiativen eine Demonstration an, die nicht nur auf die Sorgen der Anrainer aufmerksam machen soll. Diese stellt sich gegen den Baubeginn des Teilabschnitts zwischen Süßenbrunn und Groß Enzerdorf. „Wir wollen, dass die Leute verstehen, welche Schäden hier angerichtet werden könnten“, erklärt ein Vertreter der Initiative. Wissenschaftsvertreter wie Verkehrsplaner Hermann Knoflacher und Ökologe Franz Essl haben bereits ihre Unterstützung zugesagt und werden an der bevorstehenden Kundgebung teilnehmen, die musikalisch mit der Erstaufführung einer “Lobau-Hymne” untermalt wird.

Ein weiteres großes Thema ist die Finanzierung des Projekts. Die Kritik zielt darauf, dass viel Geld in die Tunnelbauarbeiten fließt, während in anderen Bereichen Mittel gekürzt werden. „Wir sollten ein gutes Händchen für die richtigen Prioritäten haben“, sagt Peter Kraus, ein weiterer Sprecher der Wiener Grünen. Kritiker schildern, dass Investitionen in den Lobautunnel im Widerspruch zu Wiens Zielen für eine klimafreundliche Mobilität stehen, die nach dem Prinzip „15-Minuten-Stadt“ lieber auf nachhaltige Verkehrslösungen setzen wollen, wie das Programm der Stadt aufzeigt. Ziel ist es, bis 2040 eine Stadt ohne Verbrennungsmotoren zu schaffen, mit mehr Grünflächen und ausgebauten öffentlichen Verkehrsmitteln, so wien.gv.at.

Zukunft der Mobilität in Wien

Wien ist als Öffi-Hauptstadt bekannt und setzt auf den Ausbau von Radwegen sowie der Infrastruktur für Fußgänger*innen. Der Verkehrsbereich ist für rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen in der Stadt verantwortlich, weshalb sich der Fokus auf den öffentlichen Nahverkehr, Radverkehr und eine verstärkte Nutzung von Elektroantrieben richtet. „Immer mehr Menschen haben eine Jahreskarte für die Wiener Linien, anstatt ein eigenes Auto zu besitzen“, wird von städtischen Vertretern berichtet. Das ist ein klarer Hinweis auf einen Kurswechsel in der Mobilität.

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Die Wiener Grünen machen also mobil – und die Stadtgesellschaft ist gefordert, sich zu positionieren: Für den Lobautunnel und die damit verbundenen Umwelteingriffe oder für den Schutz eines wertvollen Naturraums? Die kommenden Tage werden zeigen, wohin der Wind weht, ob in Richtung Lobau oder Tunnel.