Am 26. Februar 2026 wird in Aspern das Zusammenspiel von Architektur und menschlichem Wohlbefinden immer relevanter. Während die Schönheit und Perfektion von Gebäuden oft im Vordergrund stehen, zeigt die Forschung, dass dies nicht zwangsläufig zu einem positiven Gefühl bei den Nutzern führt. Der Post-Doktorand Armin Mostafavi von der Cornell Universität hat festgestellt, dass Menschen sich in technisch und architektonisch perfekten Gebäuden oft unwohl fühlen. In Zusammenarbeit mit dem Wiener Architekten Armin Daneshgar untersucht er, wie empathische Gebäude geschaffen werden können, um besondere Gefühle zu erzeugen, insbesondere in sakralen Räumen. Diese Erkenntnisse sind besonders bedeutend, da in den letzten Jahrzehnten der Fokus stark auf die Perfektionierung der Gebäudehülle gelegt wurde, während das menschliche Wohlbefinden häufig vernachlässigt wurde. [1]

Die Forschung am Institut für Human-Centered Design nutzt immersive Technologien sowie psychophysiologische Messungen wie EEGs, EKGs und Eye-Tracking, um menschliches Verhalten und Wahrnehmungen in Gebäuden zu analysieren. Die ermittelten Daten sind individueller Natur und zeigen, dass verschiedene Elemente in Räumen unterschiedliche Gefühle auslösen können. Das Ziel ist es, neurowissenschaftliche Erkenntnisse in die Architektur und Umweltpsychologie zu integrieren, um das Wohlbefinden in der gebauten Umwelt zu fördern. Dies könnte auch in der Architektur von Gesundheitseinrichtungen von Bedeutung sein.

Architektur und Gesundheit

Im Jahr 2021 veröffentlichte die Fachzeitschrift des Bundesgesundheitsministeriums ein Modell zur Wirkung der Architektur auf die Gesundheit, das in drei Sektoren unterteilt ist: präventive, kurative und rehabilitative Architektur (PAKARA). Präventive Architektur zielt darauf ab, gesundheitlichen Schäden vorzubeugen, während kurative Architektur, auch als „heilende Architektur“ bekannt, darauf abzielt, die Gesundheit wiederherzustellen. Rehabilitative Architektur berücksichtigt die Auswirkungen der gebauten Umwelt, die zur Stabilisierung der Gesundheit beitragen.

Ein Beispiel für rehabilitative Architektur ist das REHAB in Basel, entworfen von Herzog & de Meuron, das Oberlichter nutzt, um die neurophysiologische Stimulation von Wachkomapatienten zu fördern. In Deutschland wird zunehmend gefordert, dass der Krankenhausbau von einer bedarfsorientierten hin zu einer bedürfnisorientierten Architektur abweicht. Bauherren und Entscheidungsträger setzen dabei verstärkt auf evidenzbasiertes Entwerfen (EBD), das architekturpsychologische Grundbedürfnisse in den Fokus rückt. Es wird angenommen, dass traditionelle Krankenhäuser aussterben werden, sofern innovative Modelle, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, nicht entwickelt werden. [2]

Praktische Auswirkungen

Die praktischen Aspekte der Architektur sind nicht zu unterschätzen. Die Orientierung in Gebäuden kann genauer analysiert werden, was nicht nur das Wohlbefinden der Nutzer steigert, sondern auch wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt. Mostafavi und Daneshgar haben in den letzten fünf Jahren an Projekten in Österreich gearbeitet, die den Fokus auf menschliches Verhalten und psychologische Erfahrungen legen. Dazu zählen eine Kapelle im Burgenland sowie die mit dem Big See-Award ausgezeichnete Ariana Eventhalle in Aspern, die räumliche Hinweise zur Verbesserung der Orientierung in urbanen Umgebungen erforscht.

Das Sahra-Projekt, welches den menschlichen Komfort unter extremen klimatischen Bedingungen betont, zeigt, dass Architektur weit über das rein Ästhetische hinausgeht. Es ist von großer Bedeutung, dass Architekten und Designer sich der Verantwortung bewusst sind, die sie für das Wohlbefinden der Menschen tragen. Die Integration architektonischer und psychologischer Erkenntnisse könnte der Schlüssel sein, um Räume zu schaffen, die nicht nur schön, sondern auch gesundheitsfördernd sind.