Wien, die Stadt der Würstelstände, hat eine spannende Veränderung in der kulinarischen Landschaft erlebt. Mike Lanner hat seine Bio-Fleischwürste wieder an zwei beliebten Standorten in der Pfeilgasse 1 (Josefstadt) und an der U4-Station Spittelau (Döbling) eingeführt. Nach einem zweimonatigen veganen Experiment, das mit dem „Veganuary“ begann, kehrt er zurück zu einer ausgewogeneren Speisekarte, die jedoch weiterhin stark auf vegane Optionen setzt.
Das vegane Konzept, das viele Wienerinnen und Wiener ansprach, wird nicht vollständig aufgegeben. Die vegane Currywurst bleibt dauerhaft auf der Karte, während andere vegane Angebote wie das Backhendl aus Austernpilzen und der Hotdog „Veganer Vogel“ in die Sommerpause gehen. Neu hinzugekommen sind ein veganer Hotdog mit Krennmayo und Sauerkraut sowie Aufstrichbrote, die mit Grammelschmalz, Leberwurst oder Pilzpaté gefüllt sind. Zudem gibt es Lumpa Salat, eine Vorarlberger Wurstsalat-Variante. Lanner, der die Wichtigkeit betont, offen für alle Gäste zu sein, hat festgestellt, dass viele seiner Besucherinnen und Besucher, insbesondere Frauen und FLINTA-Personen, bewusst kommen, um die veganen Speisen zu probieren.
Ein Erfolgskonzept mit feministischen Akzenten
Das vegane Experiment hat sich zudem finanziell gelohnt. In der Pfeilgasse wurde im Januar und Februar ein höherer Umsatz erzielt, und selbst in Spittelau, wo normalerweise im Winter geschlossen wurde, gab es keine finanziellen Einbußen. Lanner berichtet von einem Anstieg des Trinkgelds an beiden Standorten. Im März wird der Würstelstand feministisch: Mit einem Gender-Pay-Gap-Rabatt von 11,6 % möchte Lanner ein Zeichen setzen. Von 26. bis 28. März findet zudem ein dreitägiges Festival in Spittelau statt, das mit Gesprächsrunden, Workshops und Livemusik aufwartet.
Die wachsende Beliebtheit vegetarischer und veganer Ernährung ist auch in Wien spürbar. Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch und tierische Produkte, und der Markt für pflanzliche Alternativen wächst stetig. Beispielsweise bietet Herbasch.de eine Vielzahl an veganen Wurst- und Käsealternativen an, die in der Preisspanne von 5,50 € bis 51,90 € für spezielle Starterboxen liegen. Die Nachfrage nach diesen Produkten zeigt, dass immer mehr Konsumenten bereit sind, für nachhaltige und tierfreundliche Optionen zu zahlen.
Nachhaltigkeit im Fokus
Die Hauptmotivationen für den Wechsel zu vegetarischen oder veganen Ernährungsweisen sind oft Nachhaltigkeit und Tierschutz. Die Klimabilanz der Produktion tierischer Produkte ist im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmitteln deutlich negativer. Studien zeigen, dass der durchschnittliche Fleischkonsum in den letzten Jahren zurückgegangen ist, und immer mehr Menschen interessieren sich für pflanzliche Ersatzprodukte, die häufig auf Getreide oder Soja basieren. Die Lebensmittelindustrie sieht in diesen Trends einen wachsenden Markt, auch wenn es noch Herausforderungen gibt, wie beispielsweise die Preisunterschiede zwischen tierischen und pflanzlichen Produkten.
Insgesamt zeigt sich, dass Wien nicht nur ein Ort für traditionelle Würstelstände ist, sondern auch ein Zentrum für innovative, nachhaltige und inklusive kulinarische Konzepte. Mike Lanners Ansatz könnte als Vorbild für andere Gastronomiebetriebe dienen, die den Wandel zu einer bewussteren Ernährung vorantreiben möchten. Die Zukunft der Würstelstände in Wien könnte also noch viel mehr Überraschungen bereithalten.