In Oerlinghausen hat sich im Lauf der Jahre viel im Bereich der Schwimmbäder getan. Die Geschichte des Freibads am Kalkofen reicht bis ins Jahr 1896 zurück. Damals wurde im Schopketal auf Initiative von Bauer Wöstenfeld ein großes Areal verpachtet, um das erste Freibad zu eröffnen. Freiwillige Helfer schachteten mit Hacke und Schaufel ein Becken aus, das mit Wasser aus mehreren Quellen gespeist wurde. Trotz der oft frischen Witterung fanden sich zahlreiche Badegäste ein. In der Anfangszeit mussten Frauen und Mädchen an bestimmten Tagen schwimmen – die strengen Regeln schränkten die Badefreude ein, doch man ließ sich nicht entmutigen. Damals trugen Damen noch unvorteilhafte Pumphosen, während Männer in Ganzkörperanzügen schwimmen mussten.
Einige Jahre später, 1910, durften dann auch Männer und Frauen gleichzeitig im Bad schwimmen. Die ersten mutigen Kinder übten auf einem schwimmenden Holzbalken das Balancehalten – ein anregendes Bild von unbeschwerter Sommerfreude. Das Freibad florierte bis es durch die Wirren des Ersten Weltkriegs und anschließende Notzeiten eine tiefgehende Krise erlebte. 1936 eröffnete das Freibad am Kalkofen, und damit begann eine neue Blütezeit. Mit größeren Becken und besseren Einrichtungen avancierte es in den 1950er Jahren zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt. An warmen Tagen war das Bad stets gut besucht, selbst wenn hygienische Umwälzanlagen noch fehlten und die chlorhaltige Reinigung durch den Bademeister für Diskussionen sorgte. Die erste umfassende Modernisierung kam 1967, in deren Zuge fast zwei Millionen Mark investiert wurden.
Ein Ort mit Bedeutung
Das Freibad ist nicht nur ein Ort für Badespaß, sondern auch eine wichtige Institution für die Oerlinghauser:innen. Es war Schauplatz vieler historischer Ereignisse wie der „Nacht der 1.000 Lichter“ 1956 mit Laternen und Clowns. Zudem wurden hier die ersten Kopfsprünge geübt, und viele Familien haben hier unvergessliche Nachmittage verbracht. Auch Schwimmabzeichen wurden hier erworben, ein Zeichen der Verbundenheit zur Region und der Schwimmkultur. Doch nicht alles blieb gleich: Die Notwendigkeit zur Erneuerung wurde laut, da es an Energieeffizienz und Barrierefreiheit mangelte. Daher wurde das Freibad 2022 aus technischen Gründen endgültig geschlossen. Als Alternative bieten die Stadtwerke das Hallenbad in Helpup ganzjährig an, um die schwimmbegeisterten Oerlinghauser nicht im Stich zu lassen, so berichtet Stadtwerke Oerlinghausen.
Doch die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Ein Neubau des Freibads ist in Planung, dessen Eröffnung für 2027 angedacht ist. Dies ist ein Schritt, den sich viele in der Stadt sehnlichst wünschen. Das Freibad am Kalkofen soll nicht nur wieder ein Ort der Erholung und des Vergnügens werden, sondern auch ein modernes Vorzeigemodell für die kommenden Generationen.
Wie die Zukunft aussehen wird, bleibt abzuwarten. Die Stadt Oerlinghausen arbeitet engagiert an diesem Projekt und hält die Bevölkerung über die Fortschritte auf dem Laufenden. Die Schwimmbäder der Bergstadt sind ein Teil der gemeinsamen Geschichte und ein Symbol des Lebensgefühls der Menschen hier. NW.de hebt die zentrale Rolle hervor, die das Freibad für die Stadt in den letzten 130 Jahren gespielt hat.