In der letzten Sitzung des Abwasserzweckverbands Hohenlohe-Kochertal (AZV) standen die dramatisch gestiegenen Kosten für die geplante Großkläranlage in der Kocheraue auf der Agenda. Dort wurde bekannt, dass die aktuelle Kostenschätzung für das Projekt nun bei rund 166 Millionen Euro liegt, was eine Steigerung um 30% im Vergleich zur vorherigen Schätzung von 113 Millionen Euro bedeutet. Noch vor zwei Jahren hatte man mit Kosten zwischen 50 und 60 Millionen Euro gerechnet. Diese Entwicklungen werfen Fragen auf, die viele Bürger bewegen.
Besonders neugierig waren Anwohner, als sie wissen wollten, ob es eine Kostenobergrenze für das ehrgeizige Projekt gibt. Bürgermeister Stefan Neumann konnte darauf jedoch keine klare Antwort geben. Die Großkläranlage soll in einem Zeitraum von 2027 bis 2030 errichtet werden und wird ein großes Stück Infrastruktur für die Region darstellen, denn sie soll das Abwasser von rund 70.000 Haushalten sowie Unternehmensabwässer klären.
Auf Unsicherheiten und Kritik reagieren
Die Diskussion um die Kostenberechnung bleibt heiß, da insbesondere Gremiums-Mitglied Roland Kempf Einsicht in die Genehmigungsplanung fordert. In einer kritischen Anmerkung äußerte Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer Bedenken bezüglich der geplanten Querungen des Kochers und plädiert für eine Überprüfung dieser Planungen. „Da muss man genau hinschauen“, meint er, während Planer eine Machbarkeitsuntersuchung für mögliche Umleitungen während der Bauphase präsentieren.
Ein zentrales Thema bleibt auch die Zufahrt für Schwerlastverkehr, für die Bauer den Kocherstein als ungeeignet bezeichnet. Trotz der erheblichen Kritik und der nicht unberechtigten Sorgen der Bürger, bleibt das Projekt umstritten und bietet weiterhin reichlich Diskussionsstoff.
Investitionen in die Zukunft der Wasserwirtschaft
Die Herausforderungen, vor denen nicht nur der AZV in Hohenlohe-Kochertal steht, sind Teil eines größeren Problems, das die gesamte Wasserwirtschaft betrifft. Laut einer aktuellen Studie des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) wird bis 2045 mit einem Investitionsbedarf von 800 Milliarden Euro für die kommunale Wasserwirtschaft gerechnet. Die Studie hebt hervor, dass in Deutschland jährlich nur etwa 10 Milliarden Euro investiert werden, was auf durchschnittlich 40 Milliarden Euro pro Jahr steigen muss, um die Infrastruktur auf einem modernen Stand zu halten.
Besonders der Klimawandel und die Alterung der bestehenden Infrastrukturen bringen zusätzlichen Investitionsbedarf mit sich. Rund 65% dieser Summe sind für die Abwasserentsorgung vorgesehen, während 35% in die Trinkwasserversorgung fließen sollen. Um dem steigenden Druck gerecht zu werden, fordert VKU-Vizepräsident Karsten Specht, dass sowohl Bund als auch Länder entsprechende Förderinstrumente bereitstellen und innovative Ansätze zur Kostendämpfung entwickeln, wie die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Trinkwasser oder die Etablierung einer Herstellerverantwortung.
Wie sich die Situation im Hohenlohe-Kochertal weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten. Eins ist sicher: Es wird spannenden Diskussionsstoff geben. Für den Erfolg dieser Mammutprojekte ist ein gutes Händchen gefordert, sowohl seitens der Planer als auch in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit.
Zusammenfassend bleibt die Frage nach der Finanzierbarkeit und den zukünftigen Investitionen in die Wasser- und Abwasserinfrastruktur ein zentrales Anliegen der Bürger und Entscheidungsträger.
Mehr zu den Kosten und zur Planung der Großkläranlage können Sie in den Berichten von Stimme.de, zum Thema kommunale Abwasserrichtlinie bei Umweltbundesamt.de und zu den notwendigen Investitionen in der Wasserwirtschaft bei VKU.de nachlesen.